Österreichischer Medienbericht Kanzler Sebastian Kurz reiste mit Oligarchen-Jet

Dieser Flug wirft Fragen auf: Laut einem Bericht nutzte Kanzler Sebastian Kurz den Jet eines ukrainischen Oligarchen. Pikant: Der Eigner kämpft von Wien aus gegen seine Auslieferung in die USA.
Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz

Foto: Michael Indra / imago images/SEPA.Media

Anfang März war Österreichs Kanzler auf Stippvisite in Israel. Hin flog er gemeinsam mit der Regierungschefin Dänemarks, sie sammelte ihn auf dem Hinweg in Wien ein. Zurück ging es mit einer gecharterten Privatmaschine. So weit, so unspektakulär?

In Österreich wirft der Vorgang inzwischen Fragen auf. Nach Recherchen des Mediums »Zack Zack« gehört der gemietete Jet zum Firmenimperium eines in Wiener Politkreisen sehr gut vernetzten Oligarchen (hier geht es zum Bericht ). Sein Name: Dmitrij Firtasch.

Der Geschäftsmann stammt aus der Ukraine. Dort gilt er seit Jahrzehnten als gewiefter Strippenzieher. So hat er für sich selbst reklamiert, die Partei von Boxweltmeister Vitali Klitschko gefördert zu haben, den heutigen Bürgermeister von Kiew. Nach der Maidan-Revolution wiederum handelte Firtasch offenbar aus, wer für das Präsidentenamt in dem Land kandidieren sollte: Klitschko verzichtete nach einer Unterredung in Wien, der Milliardär Petro Poroschenko trat an.

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Seit einigen Jahren hängt Firtasch allerdings in Wien fest. In der Ukraine droht ihm die Verhaftung. Gleichzeitig bemühen sich die USA um eine Auslieferung des Geschäftsmanns. Dort wird wegen Bestechung gegen ihn ermittelt. Bislang konnten Firtaschs Anwälte allerdings verhindern, dass Österreich ihren Mandanten an die US-Behörden ausliefert. Die US-Ermittler haben auch deshalb ein Interesse an Firtasch, weil er als Schlüsselfigur gilt in Gasgeschäften, die über Jahrzehnte zwischen Russland und der Ukraine abgewickelt worden sind.

Das österreichische Kanzleramt stellt die Reise mit dem Oligarchen-Jet als Routine dar. Es sei ein »absolut üblicher Standardvorgang, über Unternehmen wie Avcon Jet einzelne Flugreisen zu buchen. In wessen Eigentum die jeweiligen Flugzeuge stehen, entzieht sich unserem Kenntnisstand und ist nicht weiter von Relevanz«.

Der Bericht auf »Zack Zack«, dessen Herausgeber der frühere Grünenpolitiker Peter Pilz ist, führt allerdings auch an anderen Stellen eine gewisse Nähe zwischen Kurz' Konservativen und Firtasch auf. So lebe der Oligarch derzeit in der Wiener Villa des ÖVP-Großspenders Alexander Schütz.

beb
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