Oetker-Konzern Der Pudding-Doktor wird Deutschlands Bierkönig

Nach der Übernahme von Brau und Brunnen käme demnächst jedes siebte Bier in Deutschland von Oetker. Der Getränkekonzern soll Angaben des Puddingproduzenten zufolge nicht zerschlagen werden.


Abfüllung bei Jever: Deutsche Bastion des Biermarktes
DDP

Abfüllung bei Jever: Deutsche Bastion des Biermarktes

Frankfurt am Main - "Was Oetker macht, ist kaufen und integrieren. Keine Frage, dass die Gruppe zusammen wächst und bleibt", sagte Ulrich Kallmeyer, Generalbevollmächtigter von Oetker und Vorstandschef der zur Gruppe gehörenden Radeberger Brauerei, am Freitag in Frankfurt. Eine Zerschlagung, wie sie der Hamburger Holsten Brauerei nach der Übernahme durch die dänische Carlsberg bevorsteht, bezeichnete Kallmeyer als "tragisch". Dies sei bei Brau und Brunnen (BuB) nicht geplant.

Am Vorabend war bekannt geworden, dass der Oetker-Konzern eine Aktienmehrheit von mehr als 75 Prozent des stimmberichtigen Kapitals an Brau und Brunnen erwerben will. Die BuB-Aktionäre sollen 80 Euro je Anteilsschein erhalten, ein Aufschlag von rund zehn Prozent. In einem ersten Schritt übernahm Oetker von der Münchener HypoVereinsbank Chart zeigen bereits ein Paket von 61,7 Prozent für rund 220 Millionen Euro. Oetker steigt mit der Übernahme zum größten Bierhersteller in Deutschland auf und erreicht einen Marktanteil von rund 15 Prozent.

Nach Angaben von Oetker entspricht die Offerte für Brau und Brunnen einem Unternehmenswert von 359 Millionen Euro zuzüglich Schulden. Zudem sollen Pensionsverbindlichkeiten von 225 Millionen Euro mit übernommen werden. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Kartellbehörden.

Abbau von Arbeitsplätzen möglich

Grafik: Der deutsche Biermarkt
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Grafik: Der deutsche Biermarkt

Zu einem möglichen Abbau von Arbeitsplätzen wollte sich Kallmeyer zum jetzigen Zeitpunkt nicht äußern. Brau und Brunnen-Vorstandchef Michael Hollman sagte aber, es solle so wenig Porzellan wie möglich zerschlagen werden. Er fügte jedoch hinzu: "Wenn der Ertrag stimmt, kommt es nicht auf 100 Leute mehr oder weniger an." Es handele sich nicht um eine feindliche Übernahme, sagte Hollmann. Die Oetker-Tochter Radeberger sowie Brau und Brunnen beschäftigen zusammen 5840 Mitarbeiter.

Den Wettbewerb um die Marktführerschaft auf dem deutschen Biermarkt wolle der Traditionskonzern weiter aktiv mitgestalten, sagte Kallmeyer. "Oetker will nicht Gejagter, sondern Marktgestalter sein." Oetker wolle für die hiesigen Brauereien einen Gegenpol zum zuletzt eher üblichen Verkauf an ausländische Konkurrenten bilden. Bislang war der Bielefelder Konzern mit der Radeberger-Gruppe der drittgrößte Brauer in Deutschland nach Interbrew Deutschland und Holsten.



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