Offener Brief AIG-Vize spendet Bonus für Opfer der Finanzkrise

Abgang mit einem Paukenschlag: Ein Vize-Präsident des umstrittenen US-Konzerns AIG hat in einem offenen Brief seine Kündigung erklärt. Seinen Bonus von knapp 750.000 Dollar will er dem Unternehmen aber nicht zurückgegeben. Statt dessen plant er, ihn Opfern der Finanzkrise zu spenden.

Washington - Der Brief ist an Edward Liddy gerichtet, den Chef des US-Versicherers AIG: "Ich bin enttäuscht und frustriert über den Mangel an Unterstützung", schreibt Jake DeSantis, bis vor kurzem Vize-Präsident des Finanzkonzerns. Ausführlich erläutert der Manager die Gründe für seinen Rücktritt - vor allem beklagt DeSanitis, wie er und seine Kollegen von Liddy und US-Politikern an den öffentlichen Pranger gestellt wurden.

Das Kündigungsschreiben wurde an verschiedene US-Medien versandt, unter anderem die "New York Times". DeSantis erklärt darin außerdem, dass er seinen Bonus von 742.006 Dollar (umgerechnet rund 545.000 Euro) nicht zurückgeben will, wie andere AIG-Manager. Der Vize-Präsident plant, das Geld direkt an Organisationen zu spenden, die Opfer der Finanzkrise wurden.

Die Bonus-Affäre hatte sich zuletzt zum Reizthema Nummer eins in den Vereinigten Staaten hochgeschaukelt. Die Boni hatte AIG bereits 2008 vertraglich verankert und verkündet. Doch mitten in der schlimmsten Krise bekamen 418 AIG-Manager insgesamt 218 Millionen Dollar ausgezahlt. Dabei hatte die US-Regierung den Konzern mit Milliardenzahlungen aus der Steuerkasse vor dem Zusammenbruch gerettet

DeSantis schreibt nun, er habe wie der Großteil der AIG-Beschäftigten nichts mit den faulen Kreditgeschäften zu tun gehabt, die Auslöser der Finanzkrise waren. Er fühlt sich "betrogen und ungerechtfertig verfolgt" von Liddy und Regierungsvertretern.

Der öffentlichen Wahrnehmung, dass viele in der Finanzbranche überbezahlt seien, könne er nicht widersprechen. Er habe sich daher entschieden, seinen Bonus denjenigen zu spenden, die am meisten unter der globalen Finanzkrise leiden. "Ich denke, dass ich zumindest verdiene, selbst zu entscheiden, wem ich mein Geld gebe", sagt DeSantis weiter. Er wolle nicht, dass sein Bonus einfach wieder "in den Untiefen von AIG oder dem Regierungshaushalt" verschwinde.

Und dann wünscht DeSantis dem Firmenchef Liddy noch "viel Glück" bei der Abwicklung von AIG. Doch nach allem, was in der vergangenen Woche passiert sei - mit Demonstrationen vor den Häusern von AIG-Managern - könne er nicht länger in der Firma bleiben. Es habe einfach "zu viel böses Blut" gegeben.

cte/AP
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