Offshore Deutschlands erster Meereswindpark liefert Strom

Premiere in der Nordsee: Erstmals fließt Strom von Offshore-Windrädern ins deutsche Netz. Nach zwei Jahren Vorbereitung ist der Windpark Alpha Ventus in Betrieb gegangen. Die Bundesregierung hofft langfristig auf gigantische Mengen Ökostrom aus dem Meer.

Hamburg/Borkum - Deutschlands erster Offshore-Windpark ist am Netz: Drei Windräder wurden an diesem Mittwoch angefahren, nun sollen sie regelmäßig Strom produzieren, teilte die Deutsche Offshore-Testfeld- und Infrastruktur-Gesellschaft (Doti) mit, die den Windpark betreibt.

Bis Ende des Jahres soll der 250 Millionen Euro teure Windpark Alpha Ventus komplett in Betrieb gehen. Zwölf Windräder mit einer Nennleistung von je fünf Megawatt werden dann Energie liefern. Die in einem Jahr produzierte Strommenge soll dem Verbrauch von 50.000 Haushalten entsprechen. Fünf der Anlagen, die 45 Kilometer nördlich der Insel Borkum in der Nordsee stehen, seien bereits komplett eingerichtet.

Die drei Windräder liefen derzeit im Einstellbetrieb, sagte Gesamtprojektleiter Wilfried Hube. Dabei würden alle Funktionen und elektrotechnischen Bauteile überprüft und für den späteren Dauerbetrieb justiert. "Das ist vergleichbar mit der technischen Einstellung des Motors bei einem Neuwagen", sagte Hube.

Anschließend beginne der Probebetrieb, bei dem die Anlagen verschiedenen Tests unterzogen werden. Dazu gehörten auch der Betrieb unter Volllast bei entsprechenden Windgeschwindigkeiten. Die Testszenarien dauern bis zu mehrere 100 Stunden. Erst dann sind Windkraftanlagen dauerhaft bereit. Die anderen Windräder sollen anschließend sukzessive in Betrieb genommen werden.

Die Konstruktionsarbeiten an dem kompletten Park hatten 2007 begonnen. Seit April wurden die Windräder in der Nordsee aufgestellt. Ein erster Anlauf im August 2008 musste wegen schlechten Wetters abgebrochen werden. Nun seien die Arbeiten jedoch so zügig vorangekommen, dass die Errichtung des gesamten Windparks gut im Zeitplan liegt.

Für den Bau und den Betrieb von Alpha Ventus ist das Konsortium Doti zuständig, in dem die Energiekonzerne E.on   , EWE und Vattenfall   zusammenarbeiten. Weitere Offshore-Windparks vor Borkum und anderen Inseln befinden sich bereits in der Planung oder im Bau. Umweltschützer kritisieren die Projekte teilweise. Sie fürchten Schäden für Zugvögel, die in den Anlagen möglicherweise verenden.

Umweltpolitiker der meisten Parteien sind dagegen große Anhänger der Offshore-Technik. Sie hoffen langfristig auf gigantische Mengen Ökostrom. Die Bundesregierung erwartet, dass im Jahr 2020 Windräder mit einer Leistung von rund 10.000 Megawatt im Meer installiert sein werden. Dies entspräche der Kapazität von knapp zehn Atomkraftwerken. Insgesamt könnten damit rund 20 Prozent des deutschen Strombedarfs aus erneuerbaren Energien gedeckt werden.

tko/dpa/AP

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