Olympia-Sponsor Adidas-Aktionäre fordern klare Worte zu Chinas Tibet-Politik

Empörte Kleinaktionäre auf der Adidas-Hauptversammlung: Angesichts der aggressiven Tibet-Politik der chinesischen Regierung forderten sie vom Vorstand des Olympia-Sponsors endlich klare Worte. Vergeblich.

München - Es geht den Kleinaktionären nicht nur um die katastrophale Situation in Tibet. Adidas müsse sich generell viel stärker dafür einsetzen, dass auch in Entwicklungs- und Schwellenländern Mindeststandards bei Entlohnung und im Umweltschutz eingehalten werden, forderte eine Reihe von Kleinaktionären auf der Hauptversammlung am Donnerstag in Fürth. Getreu dem Firmen-Motto "Impossible is Nothing" - "Unmöglich ist nichts".

Mitglieder der "Internationalen Kampagne für Tibet" demonstrieren am Rande der Adidas-HV: Konzernchef Hainer will sich nicht in "moralische Haftung" nehmen lassen

Mitglieder der "Internationalen Kampagne für Tibet" demonstrieren am Rande der Adidas-HV: Konzernchef Hainer will sich nicht in "moralische Haftung" nehmen lassen

Foto: DPA

Aber vor allem zur umstrittenen Tibet-Politik der chinesischen Regierung müsse der Olympia-Sponsor klar Stellung beziehen, so die Forderung. Konzernchef Herbert Hainer wies die Vorwürfe zurück: "Wir lassen uns nicht in moralische Haftung für einen Zustand nehmen, den wir weder herbeigeführt noch zu verantworten haben", sagte er bereits zu Beginn der Veranstaltung. Am Rande des Aktionärstreffens gab es friedliche Proteste einiger Sportler aus Tibet, denen sich auch Vertreter von Nichtregierungsorganisationen anschlossen.

Nach hartnäckigen Fragen der Kleinaktionäre, die ihrem Ärger mehrere Stunden lang Luft machten, betonte Hainer später: "Wir tun das, was wir am besten können - die Mitarbeiter vor Ort unterstützen." Bei der Auswahl der Fabriken und Partner achte das Management darauf, dass Mindestlöhne gezahlt werden, und ziehe gegebenenfalls auch Konsequenzen. Einen Imageschaden für Adidas in Folge des Olympia-Engagements könne er derzeit nicht erkennen, für die kommenden Monate aber auch nicht ausschließen, sagte Hainer. Zuletzt war der traditionelle olympische Fackellauf mehrfach von Anti-China-Demonstranten gestört worden.

Der Konzern aus dem fränkischen Herzogenaurach hatte in dieser Woche für das Auftaktquartal einen überraschend starken Gewinnsprung ausgewiesen und peilt für das Gesamtjahr - das auch im Zeichen der Fußball-EM steht - neue Rekorde bei Ergebnis und Umsatz an. Hainer unterstrich, dass das Unternehmen die Konkurrenz vor allem im Fußballgeschäft abhängen wolle. "Das ist für uns auch eine Frage der Ehre." Adidas, unter anderem Ausrüster der deutschen und französischen Nationalmannschaft, verkörpere den Fußball wie kein anderes Unternehmen.

Mit Blick auf die 2006 gekaufte und noch immer schwächelnde US-Tochter Reebok sagte Hainer, das Unternehmen bereue den Kauf nicht und würde es genau so wieder machen. Durch die Übernahme seien die Chancen gestiegen, auf dem Weltmarkt zu wachsen. Die Marke Adidas sei zudem in den USA gestärkt worden.

ase/Reuters

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