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03. Mai 2008, 13:36 Uhr

Olympia-Sponsor

Adidas-Chef kritisiert Anti-China-Demonstranten

Trotz Tibet-Konflikt: Adidas-Chef Hainer findet es richtig, dass sein Konzern 70 Millionen Euro für das Sponsoring der Olympischen Spiele in Peking ausgibt. Im SPIEGEL-Interview kritisiert er dagegen die Demonstranten, die den Fackellauf störten - aus seiner Sicht haben sie die Meinungsfreiheit missbraucht.

Hamburg - Herbert Hainer sagte im SPIEGEL-Interview, die Demonstranten seien zu weit gegangen. "Es ist okay, dass die Menschen so ein Event nutzen, um ihre politischen Dinge kundzutun. Aber ich bin der Meinung, das gibt ihnen nicht das Recht, den Fackellauf mit Gewalt zu unterbrechen oder die Flamme zu löschen“, betonte der Chef des Sportartiklers. Damit sei eine Grenze überschritten worden.

Manager Hainer: "Kein schlechtes Gewissen"
REUTERS

Manager Hainer: "Kein schlechtes Gewissen"

Hainer sagte: Er habe "kein schlechtes Gewissen", wenn auch die paramilitärischen chinesischen Sicherheitsleute Trainingsanzüge und Turnschuhe von Adidas trugen. Diese Sicherheitsleute hatten auf fremdem Territorium pro-tibetische Demonstranten beim Fackellauf attackiert.

Hainer verteidigte das Sponsoring-Engagement. Neben dem chinesischen Team rüstet Adidas 15 weitere Nationen aus und engagiert sich in 27 der 28 olympischen Sportarten: "Olympische Spiele sind seit Jahrzehnten Teil unserer Marke." Man wolle in China eine emotionale Verbindung zum Konsumenten aufbauen.

"Unser Ziel ist es, im Jahr 2010 in China über eine Milliarde Euro umzusetzen", sagte Hainer. Seiner Meinung nach müsse der Sport bereit sein, "sich mit Ländern auseinanderzusetzen, die noch nicht unsere demokratischen Wertvorstellungen teilen".

Hainer lehnte Forderungen von Menschenrechtsorganisationen ab, Adidas müsse ein Statement zu Menschenrechtsfragen und zum Dialog Chinas mit dem Dalai Lama abgeben. Dies sei "der Versuch, uns in die Politik hineinzuziehen, und das werden wir nicht zulassen. In Spanien müssten wir uns gegen die Eta aussprechen, in den USA der Regierung sagen, was wir von Guantanamo halten".

Einen Imageschaden, so der Adidas-Chef, habe das Unternehmen wegen des Engagements bislang nicht feststellen können. "Wir haben jedenfalls bei Themen wie der Verarbeitung von Känguruleder in unserer Schuhproduktion mehr Protest-E-Mails bekommen als in diesen Tagen wegen China."

In der chinesischen Kasino-Stadt Macau begann an diesem Samstag der olympische Fackellauf. In der früheren portugiesischen Kolonie, die 1999 an China zurückgegeben wurde, wurden keine Proteste gegen das Vorgehen Pekings in Tibet erwartet. Studentengruppen vom Festland kamen nach Macau, um die Fackel zu sehen.

Einige von ihnen trugen T-Shirts mit der Aufschrift "Ich liebe China", andere posierten mit chinesischen Flaggen vor den Gebäuden der Stadt. Die olympische Flamme war am Donnerstag in Hongkong eingetroffen und erreichte damit chinesisches Territorium. Auch dort blieben Proteste gegen China aus.

itz/Reuters/AP

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