Omikron und Fed Aktienmärkte unter Druck

Weltweit haben Anleger an den Börsen ihre Verunsicherung erkennen lassen: erst über pessimistische Äußerungen des Moderna-Chefs zur neuen Corona-Variante, dann über die US-Notenbank.
Sorgenvirus: Zeitungsschlagzeile zu Omikron an einer Tankstelle in Pretoria

Sorgenvirus: Zeitungsschlagzeile zu Omikron an einer Tankstelle in Pretoria

Foto: Denis Farrell / dpa

Die Angst vor der neuen Corona-Variante Omikron drückt auf die Stimmung an den Börsen. Der Deutsche Aktienindex (Dax) schloss am Dienstagabend 1,18 Prozent im Minus. Für Unruhe sorgten insbesondere die Äußerungen von Moderna-Chef Stéphane Bancel, die aktuellen Impfstoffe seien möglicherweise weniger wirksam gegen Omikron.

Nach dem ersten Omikron-Schock am Freitag hatten sich die Kurse am Montag zunächst leicht erholt. In den USA schloss die Wall Street am Montagabend noch 0,68 Prozent im Plus. Am frühen Dienstag eröffnete die Börse in Tokio 1,5 Prozent im Plus – dann veröffentlichte die »Financial Times« das Interview mit Moderna-Chef Bancel. In Tokio drehte die Stimmung, der japanische Leitindex Nikkei schloss 1,63 Prozent im Minus bei 27.821,76 Punkten, dem niedrigsten Wert seit Anfang Oktober.

Moderna-Chef Bancel sagte der Zeitung, wegen der vielen Mutationen der Omikron-Variante gingen Wissenschaftler von einer »erheblichen Abnahme« der Schutzwirkung aus. Sein Unternehmen habe bereits mit der Arbeit an einem überarbeiteten Impfstoff begonnen, aber dies werde einige Monate dauern.

Bislang hatten sich Virologen und Impfstoffhersteller zuversichtlich gezeigt, dass die existierenden Impfstoffe auch gegen die neue Variante gut wirken. Bancel sagte aber nun: »Alle Wissenschaftler, mit denen ich gesprochen habe, sagen: ›Das wird nicht gut sein‹.«

Fed bereitet den Börsen Sorgen

In der letzten Handelsstunde belasteten zudem Aussagen des Fed-Chefs Jerome Powell die Börsen. Die US-Notenbank könnte demnach auf eine schnellere Rückführung ihrer immensen Wertpapierkäufe zusteuern. Zudem deutete Powell an, dass die hohe Inflation in den USA möglicherweise doch kein nur vorübergehendes Phänomen sein könnte.

In China fiel der Hang-Seng-Index in Hongkong um 1,6 Prozent, die Kurse in Shanghai und Shenzhen dagegen blieben weitgehend unverändert. Die Märkte »mögen keine Unsicherheit«, erklärte Analyst Tangi Le Liboux von Aurel BGC in Paris. Sollte Omikron dazu führen, dass mehr und mehr Länder ihre Grenzen wieder dicht machen, »dann könnten die Lieferkettenprobleme weltweit wieder größer werden«.

Auch der Ölpreis reagierte empfindlich auf die Entwicklungen: Der Preis für die Sorte WTI (West Texas Intermediate) verlor 5,1 Prozent und fiel auf 66,38 Dollar pro Barrel. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete 70,65 Dollar, das war ein Einbruch von 3,8 Prozent. Ein Barrel Öl entspricht 159 Litern.

Omikron-Prognosen

Analyst Jochen Stanzl von CMC Markets versuchte zu beruhigen: Die Äußerungen des Moderna-Chefs seien »zum jetzigen Zeitpunkt wie alle anderen Aussagen zu Omikron als vorläufig zu betrachten. Und so wird es vermutlich in den nächsten Tagen weitergehen.« Später am Tag äußerte sich Biontech-Gründer Uğur Şahin im Ton deutlich optimistischer: »Wir halten es für wahrscheinlich, dass Geimpfte einen deutlichen Schutz gegen schwere Erkrankungen, die durch Omikron verursacht werden, haben werden«, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt bereits seit Monaten, dass das Coronavirus und seine Varianten alle Konjunkturvorhersagen über den Haufen werfen können. Gregory Daco von Oxford Economics schätzt, dass Omikron »als milde Variante« ein Minus von 0,25 Punkten für das weltweite Wachstum bedeuten könnte. Als gefährliche Virusvariante, die Lockdowns weltweit zur Folge hätte, könnte Omikron aber auch für einen heftigen Rückgang von 4,5 Prozent auf 2,3 Prozent Wachstum sorgen, so Daco.

mamk/AFP/dpa
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