Online-Markt Kampf mit harten Bandagen

Mit dem Börsengang von T-Online wird sich der Konkurrenzkampf im Internet weiter verschärfen. Die Telekom-Tochter will mit dem frischen Kapital auch den US-amerikanischen Markt ins Visier nehmen und damit ins "AOL-Land" einsteigen.


Hamburg - Der geplante Börsengang von T-Online wird den Branchenzweiten AOL Europe weiter unter Druck setzen. Mit den Erlösen von der Börse wird T-Online in der Lage sein, bisherige Schwächen beim Inhalt und den Angeboten für den elektronischen Handel (E-Commerce) auszugleichen. Außerdem kann sich T-Online mit dem frischen Geld von der Börse nach einem schlagkräftigen Partner in den USA umschauen, dem größten Onlinemarkt der Welt. AOL Europe kann sich deshalb mit kürzlich angekündigten Börsengang nicht viel Zeit lassen, um nicht weiter ins Hintertreffen zu geraten.

Das Kleingedruckte in den Anzeigen der Online-Wettbewerber beschäftigte in den vergangenen Monaten mehrfach die Gerichte und Verbraucherschützer. Gegenseitig ließen sich die Dienste Werbeaussagen wie "Internet zum Pauschaltarif" oder unsachliche Leistungsvergleiche in Großanzeigen untersagen. Ein ähnliches juristisches Hick-Hack hatte es zuvor in Deutschland nur in der "Hass-Branche" von Optiker Fielmann und Kollegen gegeben.

1999 stellten die beiden führenden Onlinedienste ihre Preismodelle völlig auf den Kopf. AOL Deutschland führte zum 1. Oktober eine Monatspauschale von 9,90 Mark für den zeitlich unbegrenzten Onlinezugang ein, die allerdings nicht die Telefonkosten umfasste (3,9 Pfennig pro Minute plus sechs Pfennig pro Einwahl). T-Online konterte prompt mit einem "Pauschal"-Modell von 19,90 Mark pro Monat für den unbegrenzten Internet-Zugang (plus drei Pfennig Telefonkosten pro Minute bei einem Jahr Vertragsdauer).

Die Preis- und Werbeschlacht hat dem Branchenführer bislang nicht geschadet: 4,2 Millionen Kunden zählte T-Online Ende 1999, drei Millionen mehr als die Konkurrenz von AOL und CompuServe in Deutschland. Europaweit kommt die Truppe von AOL-Europe-Chef Andreas Schmidt auf insgesamt 2,8 Millionen Kunden. T-Online und AOL konkurrieren aber nicht nur untereinander, sie haben es auch mit einer wachsenden Zahl von Telekommunikationsanbietern zu tun, die einen reinen Zugang zum Internet ohne eigene Inhaltsangebote und Dienstleistungen offerieren. Zu diesen Internet-by-Call-Diensten gehören Callino, MobilCom, POP, Talkline, UUnet und o.tel.o.

Christoph Dernbach



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