Opel-Einstieg Sberbank schließt Scheitern nicht aus

Der russische Einstieg bei Opel wackelt: Der potenzielle Investor Sberbank aus Russland hält laut Bankchef Bugrow ein Platzen des Deals für möglich. Fiat-Chef Sergio Marchionne wittert bereits eine zweite Chance.


Rüsselsheim - Der Einstieg der Russen bei der GM-Tochter Opel ist ungewisser denn je: Die Sberbank, die Teil des Magna-Konsortiums ist, hält ein Scheitern ihres Einstiegs bei dem deutschen Autobauer für möglich. Er schließe es nicht aus, dass das Geschäft kurz vor dem Abschluss noch platze, zitierten russische Nachrichtenagenturen Sberbank-Chef Denis Bugrow am Freitag. "Alles könnte passieren", sagte er - ohne die Aussage weiter zu begründen.

Opel in Bochum: Ergebnis bis Mitte September erwartet
ddp

Opel in Bochum: Ergebnis bis Mitte September erwartet

Nach Angaben von Opel-Aufsichtsratmitglied Rainer Einenkel hält der Zulieferer Magna jedoch weiter am Zeitplan für die Opel-Übernahme fest. "Bis 15. Juli soll es einen Vorvertrag zwischen Magna und GM geben. Dann wird auf dieser Grundlage weiterverhandelt und bis Mitte September soll es einen Abschluss geben", sagte Einenkel am Freitag.

Im Opel-Aufsichtsrat wächst unterdessen die Unzufriedenheit mit dem Verlauf der Verhandlungen. Das Kontrollgremium forderte die Konzernmutter General Motors auf, den Opel-Aufsichtsratschef Carl-Peter Forster an den Gesprächen mit Magna zu beteiligen, berichteten Teilnehmer der Sitzung.

Bislang ist das europäische GM-Management den Angaben zufolge von den Verhandlungen weitgehend ausgeschlossen. Lediglich der Finanzchef von GM-Europa, Enrico Digirolamo, sitze bei den Gesprächen mit am Tisch.

Bundeswirtschaftsminister Karl Theodor zu Guttenberg mahnte die Verhandlungspartner derweil zur Eile. Angesichts der dramatischen Finanzlage von Opel sei es dringend geboten, noch im Sommer zu einer tragfähigen Lösung zu kommen, sagte der CSU-Politiker dem "Tagesspiegel". Denn noch sei in der Frage, wer Opel übernehme, alles offen."

So soll sich auch der italienische Autobauer Fiat wieder als Interessent für Opel ins Gespräch gebracht haben. Er habe gehört, die Gespräche zwischen der ehemaligen Opel-Mutter GM und Magna würden "nicht sehr gut laufen", sagte Fiat-Chef Sergio Marchionne am Freitagabend. "Wir haben unser Interesse bestätigt." Zuvor hatte der italienische Autobauer in dem Rennen um Opel zunächst den Kürzeren gezogen.

Die Bundesregierung hatte sich mit dem Konsortium um Magna auf eine Grundsatzvereinbarung zum Verkauf von Opel geeinigt. Zusammen möchten beide Investoren 55 Prozent von der deutschen Opel-Treuhand übernehmen, zehn Prozent sollen an Händler und Mitarbeiter gehen.

Opel widersprach unterdessen Berichten über dramatisch hohe Verluste. "Die Zahlen, die in den Medien spekuliert werden, sind uns nicht bekannt", sagte ein Opel-Sprecher am Rande der Aufsichtsratssitzung. Nach einem Zeitungsbericht soll Opel täglich fünf bis sechs Millionen Euro Verluste machen. Dagegen hatte der hessische Ministerpräsident Roland Koch die Verluste vor wenigen Tagen auf 100 Millionen Euro im Monat beziffert. Dies wären etwas mehr als drei Millionen Euro am Tag.

"In der Regelung für die Brückenfinanzierung ist festgehalten, dass die zur Verfügung gestellten Mittel nur für den laufenden Betrieb und Investitionen verwendet werden dürfen", erklärte der Firmensprecher: "Die Adam Opel GmbH ist hier gegenüber den finanzierenden Banken rechenschaftspflichtig." Der Hersteller braucht derzeit enorme Finanzmittel, um seine Werke auf die Modelleinführung des neuen Opel Astra umzustellen.

yes/AP/Reuters



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