Opel-Fabriken gefährdet Rüttgers warnt General Motors vor Werksschließungen

Die Krise von General Motors könnte Europa treffen: Der US-Autokonzern erwägt einem Bericht zufolge die Schließung oder den Verkauf von drei Opel-Werken - auch zwei Standorte in Deutschland sollen betroffen sein. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Rüttgers ist verärgert.


New York - Der schwer angeschlagene US-Autobauer General Motors (GM) diskutiert einem Medienbericht zufolge die Zukunft von drei Werken der Tochter Opel in Europa. Die Opel-Fabriken in Bochum und im belgischen Antwerpen könnten den Sanierungsplänen zufolge geschlossen, das Werk in Eisenach veräußert werden, berichtet die Finanznachrichtenagentur Bloomberg am Dienstag unter Berufung auf einen Insider.

Opel-Produktion in Eisenach: Verkaufspläne in der GM-Zentrale
DDP

Opel-Produktion in Eisenach: Verkaufspläne in der GM-Zentrale

Die schwedische Tochter Saab solle ebenfalls verkauft oder ganz geschlossen werden, wodurch ein weiteres Werk wegfallen könnte. Die Überlegungen seien Teil des Rettungsplans, den General Motors an diesem Dienstag der US-Regierung für weitere Milliardenkredite vorlegen muss.

Der Betriebsratsvorsitzende des Bochumer Opel-Werks, Rainer Einenkel, bezeichnete dagegen angebliche Pläne zu Werksschließungen in Europa als Falschinformation. "Es gibt derartige Entscheidungen nicht", sagte er am Dienstag. Die Medien seien "benutzt worden", um Falschinformationen in die Welt zu setzen. Als Lösung für die Krise sieht der Opel-Betriebsrat die Abkopplung von der Muttergesellschaft. "GM sollte Opel einfach loslassen", sagte Einenkel. Ähnlich hatte sich auch Betriebsratschef Klaus Franz in einem Brief an die Mitarbeiter geäußert.

Im 1962 eröffneten Werk in Bochum, einst Produktionsstätte des Opel Kadett, werden derzeit die Modelle Astra und Zafira gebaut. Außerdem werden in Bochum Achsen und Getriebe hergestellt. Insgesamt rund 5000 Menschen arbeiten an diesem Standort. Das Werk in Eisenach wurde 1992 eröffnet, der Schwerpunkt liegt hier auf dem Kleinwagen Corsa. In diesem Werk beschäftigt Opel etwa 1700 Menschen.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers warnte die GM-Führung vor Werksschließungen in Deutschland und Europa. "Ich möchte, dass hier jeder Manager weiß, dass er nicht einfach in Amerika Entscheidungen treffen kann, die dann in Deutschland, in Europa, in Nordrhein-Westfalen geschluckt werden müssen", sagte er am Dienstag in einem Interview mit dem Westdeutschen Rundfunk in Washington.

"Wer meint, er könne einfach Werke stilllegen, muss wissen, dass das eine sehr teure Geschichte wird, dass das auch den Widerstand nicht nur der Politik, sondern auch von Opel zur Folge haben wird", warnte Rüttgers. Er glaube nicht, dass GM ohne Opel auf Dauer überleben könne. "Keiner kann alleine existieren, auch nicht General Motors ohne Opel." Er werde sich dafür einsetzen, "die Arbeitsplätze in Deutschland, in Nordrhein-Westfalen, aber auch die Unternehmensstandorte" zu erhalten. Zudem mahnte er eine gemeinsame Lösung und "tragfähige Unternehmenskonzepte" an.

Der NRW-Regierungschef war am Montagabend zu einem knapp einwöchigen USA- Besuch in Washington gelandet. Geplant sind unter anderem Gespräche mit GM-Vorstandschef Rick Wagoner sowie führenden Managern des Autokonzerns Ford. Auch dieser US-Hersteller ist von der Krise auf dem Automarkt betroffen.

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sagte dem ARD-Morgenmagazin, ein Konzept liege bislang nicht vor. Die Bundesregierung könne nur flankierend handeln, wenn sie wisse, "was sich das Unternehmen selbst vorstellt".

kaz/dpa/AP



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