Sanierung durch Peugeot Opel macht Milliardengewinn und zahlt Prämien an Mitarbeiter

Nach langen Krisenjahren und der Übernahme durch den PSA-Konzern geht es für Opel allmählich bergauf: Die Mitarbeiter bekommen die erste Erfolgsprämie seit 1997.
Vor wenigen Tagen präsentierte das PSA-Management den elektrischen Opel Corsa-e im spanischen Werk Figueruelas

Vor wenigen Tagen präsentierte das PSA-Management den elektrischen Opel Corsa-e im spanischen Werk Figueruelas

Foto: Toni Galan/EPA-EFE/REX

Es ist gar nicht lange her, da schien der Gedanke nicht abwegig, dass Opel pleitegehen und komplett vom Markt verschwinden könnte. Heute sieht das ganz anders aus: Im vergangenen Geschäftsjahr hat der Autohersteller einen operativen Gewinn von 1,1 Milliarden Euro erwirtschaftet. Und erstmals seit 1997 bekommt jeder Opel-Beschäftigte in Europa eine Erfolgsprämie von 600 Euro. Das kündigte der Chef Michael Lohscheller an.

Die Nachricht vom Milliardengewinn hatte am Morgen der Finanzvorstand des französischen Mutterkonzerns PSA überbracht, Philippe de Rovira. Im Vorjahr hatte die gleiche Kennzahl 859 Millionen Euro betragen. Sie beschreibt den Wert vor Steuern und Zinsen sowie ohne Restrukturierungskosten.

Zu PSA gehört Opel seit 2017, der Konzern produziert außerdem die Marken Peugeot, Citroen und DS. Auch sonst präsentierte sich die Firmengruppe bei der Vorstellung der Geschäftszahlen profitabel wie nie. Die bereinigte operative Rendite im Autogeschäft kletterte im abgelaufenen Jahr um fast einen ganzen Prozentpunkt auf den Rekordwert von 8,5 Prozent. Damit hebt sich Peugeot von vielen Konkurrenten ab, die schlechter abschneiden.

"Opel ist ein fantastischer Erfolg", sagte Konzernchef Carlos Tavares. Der Portugiese war 2014 an die Spitze des Konzerns gerückt, der damals vor dem Aus stand, und hatte ihn binnen weniger Jahre mit einem harten Sparkurs in die Erfolgsspur gebracht. Drei Jahre später übernahm er Opel und sanierte die deutsche Traditionsmarke und ihre britische Schwester Vauxhall ebenfalls binnen kurzer Zeit.

Viele Stellen gestrichen

Der Umbau kostete allerdings viele Stellen. Bei Opel arbeiteten nach Angaben der IG Metall Ende vergangenen Jahres noch rund 15.000 Menschen an den deutschen Standorten Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach. Das waren rund 4000 weniger als bei der Übernahme vor gut zweieinhalb Jahren.

Das Unternehmen hat mit der Gewerkschaft weitere rund 5000 sozialverträgliche Abgänge vereinbart, mit der Option auf noch einmal 2000 Stellenstreichungen. Als Gegenleistung gibt es Jobgarantien für die verbleibende Mannschaft, aktuell bis Sommer 2025. Inzwischen gibt es handfeste Perspektiven für die einzelnen Werke: Im vergleichsweise kleinen Montagewerk Eisenach läuft der SUV Grandland vom Band, in Kaiserslautern soll eine der größten Batteriefabriken Europas entstehen.

Am Stammsitz Rüsselsheim soll erst ab 2021 die Neuausgabe des Massenmodells Astra bauen. Bis dahin bestimmen dort Kurzarbeit am Auslaufmodell Insignia und Job-Unsicherheiten den Alltag: Tavares strebt eine Fusion mit FiatChrysler an. Gelingt sie, kommen noch einmal zusätzliche Entwicklerkapazitäten in den Konzern, mit denen die Opel-Ingenieure konkurrieren müssten.

Der Reingewinn des gesamten PSA-Konzerns stieg um 13,2 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro. Daraus soll den Aktionären eine um mehr als die Hälfte aufgestockte Dividende von 1,23 Euro je Anteilsschein zufließen. Der Konzernumsatz kletterte um ein Prozent auf 74,7 Milliarden Euro.

Fusion zum viertgrößten Autokonzern der Welt

Gleichzeitig lieferte der Konzern deutlich weniger Fahrzeuge aus als im Vorjahr. Finanzchef Rovira begründete das mit dem Rückzug aus dem Iran-Geschäft, dem Einbruch der Verkäufe in China und der schwachen Nachfrage in Argentinien. Größte Baustelle ist das China-Geschäft, wo Peugeot Verluste und Abschreibungen von insgesamt 700 Millionen Euro verbuchte. Als Konsequenz zieht sich PSA nun aus dem Gemeinschaftsunternehmen mit Chongqing Changan Automobile zurück.

Tavares sprach bei der Präsentation der Bilanz vom "Kampfgeist" des Konzerns. Diesdürfte nach Ansicht von Experten auch nötig sein, um den geplanten Zusammenschluss zum weltweit viertgrößten Autobauer über die Bühne zu bringen - trotz schwächelnder Konjunktur und der Risiken durch die Coronakrise.

Allerdings muss die Fusion noch von diversen Kartellbehörden geliefert werden. Der Zusammenschluss soll spätestens im ersten Halbjahr 2021 abgeschlossen werden.

mamk/AFP/Reuters/dpa
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