Opel-Mutter in der Krise Bund bereitet sich auf GM-Pleite vor

Für die Opel-Mutter General Motors wird es eng: Einem Zeitungsbericht zufolge spielt die Bundesregierung bereits Pleite-Szenarien für den Autokonzern durch. Sollte Fiat das GM-Europageschäft mit den Marken Opel und Saab übernehmen, drohen offenbar weniger Werkschließungen als befürchtet.

Hamburg/Düsseldorf/New York - Wenn General Motors (GM)   am Donnerstag seine Zahlen für das erste Quartal vorlegt, dürfte einmal mehr von Verlusten und Einbußen die Rede sein. Der sieche US-Autobauer hat zum Jahresauftakt laut Experten erneut tiefrote Zahlen geschrieben. Unter dem Strich wird ein Minus von rund sieben Milliarden Dollar befürchtet - der achte Quartalsverlust in Folge. Der GM-Umsatz dürfte sich in den ersten drei Monaten auf rund 20 Milliarden Dollar mehr als halbiert haben, schätzen Analysten.

Produktion bei Opel: Konzernmutter droht die Pleite

Produktion bei Opel: Konzernmutter droht die Pleite

Foto: DDP

Angesichts solcher Werte schwinden die Hoffnungen, dass der malade Konzern noch eine Insolvenz vermeiden kann. Insgesamt will GM mit dem bereits dritten Sanierungsplan Schulden von rund 44 Milliarden Dollar abbauen. Ein Ultimatum von US-Präsident Barack Obama für den Autobauer läuft Ende Mai ab. Noch diese Woche will Konzernchef Fritz Henderson mit der Gewerkschaft die Gespräche über weitere Einschnitte vorantreiben.

Doch in Deutschland bereitet man sich offenbar bereits auf die Insolvenz des Opel-Mutterkonzerns vor. Die Bundesregierung arbeitet laut "Financial Times Deutschland" ("FTD") an einem Krisenszenario für den Fall einer Pleite. Der Plan sehe auch "kurzfristige Liquiditätshilfen" für Opel vor, um den Betrieb des Autobauers aufrecht zu halten, berichtet das Blatt unter Berufung auf Regierungskreise. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sei in Abstimmung mit dem Kanzleramt und dem Bundesfinanzministerium mit dem Vorhaben befasst. Die Bundesregierung rechne intern mittlerweile fest damit, dass GM Ende Mai oder Anfang Juni Gläubigerschutz nach Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts beantragen werde, heißt weiter. Damit wird ermöglicht, den Betrieb aufrecht zu erhalten und zu sanieren, ohne die Forderungen der Gläubiger bedienen.

Berlin habe bisher dem Vernehmen nach keinen Überblick über die möglichen Auswirkungen einer GM-Insolvenz für Opel. Als sicher gelte jedoch, dass die Rettung der europäischen Konzerntöchter dadurch erheblich erschwert würde. Allerdings dürften auch schnelle Finanzspritzen für Opel Probleme bringen. Diese dürfe der Bund insolventen Firmen eigentlich nicht gewähren. "Das Beste, was wir bis Ende Mai realistisch mit GM erreichen können, ist ein Letter of Intent oder ein verbindliches Angebot für Opel", zitierte die "FTD" Regierungskreise.

Fiat will weniger Werke schließen

Damit richten sich die Blicke einmal mehr auf mögliche Investoren für Opel. Bislang haben der italienische Hersteller Fiat   und der österreichisch-kanadische Zulieferer Magna   Interesse am GM-Europageschäft bekundet.

Fiat plant bei einer Übernahme laut "FTD" weniger Werkschließungen als zunächst angepeilt. Nach den Plänen der Italiener sollten ein Werk in England und ein Werk in Polen geschlossen werden, sagte der Unternehmensberater Roland Berger, der im Verwaltungsrat des Opel-Interessenten sitzt und in die Gespräche involviert ist, der Zeitung. Offenbar geht es dabei um die Standorte Luton und Tychy.

Das deutsche Autoteile-Werk Kaiserslautern solle dagegen nicht geschlossen werden, betonte Berger. Fiat plane, den neuen Verbund aus Fiats Autosparte, GM Europa und dem Chrysler-Anteil innerhalb von drei Jahren an die Börse zu bringen, erklärte der Unternehmensberater.

Nach Informationen des "Handelsblatts" will Fiat auch zwei eigene Fabriken schließen: Eine in Norditalien und eine in Süditalien. Die Werke in Rüsselsheim und Bochum sollten verkleinert werden, hieß es. Kleiner werden sollen dem Bericht zufolge auch die GM-Werke in Saragossa (Spanien), Trollhättan (Schweden) und Antwerpen (Belgien). Die Opel-Zentrale bleibe in Rüsselsheim.

Die Fiat-Pläne seien Teil des am Montag vorgelegten Konzepts "Project Phoenix", schreiben die beiden Zeitungen. Das sei das Papier, das Fiat-Chef Sergio Marchionne der Bundesregierung vorgelegt habe. Der vorherige Plan "Project Football" habe die Schließung von zehn Werken in Europa vorgesehen (siehe Fotostrecke). Fiat hatte zuvor eine solche Dimension zurückgewiesen.

Die Italiener bekräftigten am Mittwoch auch das Interesse an der schwedischen GM-Tochter Saab. Dies sei eine interessante Gelegenheit, sagte Marchionne der Wirtschaftsagentur Bloomberg. Der Fiat-Chef kündigte in dem Interview zudem an, er werde den Plänen zufolge künftig auch Chrysler-Chef sein. Fiat will mit dem GM-Europageschäft rund um Opel sowie dem insolventen amerikanischen Autobauer Chrysler einen der größten Hersteller der Welt bilden.

Magna konkretisiert Angebot

Auch der zweite Opel-Interessent Magna bringt sich in Stellung: Im Verbund mit Opel ließen sich "sowohl Plattformen als auch wesentliche Module" miteinander teilen, sagte der Vizechef des österreichisch-kanadischen Zulieferers, Siegfried Wolf, am Mittwoch.

Auch Magna hat laut "Süddeutsche Zeitung" ein Konzept für ein mögliches Opel-Bündnis vorgelegt. Es gebe intensive Gespräche mit Magna und russischen Investoren, berichtet das Blatt unter Berufung auf Unternehmenskreise. Bei den russischen Interessenten handele es sich um den Autobauer Gaz und das staatliche russische Geldinstitut Sberbank. Opel-Management und -Betriebsrat seien dem Vernehmen nach angetan von dem Magna-Konzept. Opel gab dazu keine Stellungnahme ab.

suc/AFP/dpa-AFX/Reuters