Opel-Rettung GM plant Insolvenz wie bei Chrysler

Die erwartete Zahlungsunfähigkeit von General Motors rückt immer näher: Der US-Autokonzern plant das gleiche Insolvenzverfahren wie zuvor der Konkurrent Chrysler. Die meisten Vermögenswerte würden dann in ein neues Unternehmen ausgegliedert - für Töchter wie Opel soll es eine Sonderlösung geben.

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Detroit - Für General Motors wird es immer enger. Der Opel-Mutterkonzern plant für den zunehmend wahrscheinlichen Fall einer Insolvenz ein ähnliches Vorgehen wie der Wettbewerber Chrysler. GM will dann voraussichtlich alle überlebensfähigen Teile an eine neue Einheit verkaufen, die das Insolvenzverfahren möglichst rasch wieder verlassen soll. Das verbleibende Unternehmen soll dann liquidiert werden. Ein solches Vorgehen sei die wahrscheinlichste Variante, teilte der Konzern am Donnerstagabend gegenüber der Börsenaufsicht SEC mit.

GM-Chef Henderson: Insolvenz ist "wahrscheinlich"
AFP

GM-Chef Henderson: Insolvenz ist "wahrscheinlich"

GM-Chef Fritz Henderson hatte eine Insolvenz zuvor als "wahrscheinlich" bezeichnet. Die Entscheidung hänge von einer bisher nicht erzielten Einigung mit den Gläubigern ab, betonte der Konzern. US-Präsident Barack Obama hatte GM ein Ultimatum bis Ende Mai gesetzt. GM bietet den Gläubigern für einen milliardenschweren Schuldenverzicht zehn Prozent am Unternehmen. Die Mehrheit soll künftig der Staat halten, den Rest die Gewerkschaft.

Von einer Insolvenz bei GM wäre auch Opel massiv betroffen. Für ausländische GM-Töchter wird aber noch nach einer gesonderten Lösung gesucht. Zum Schutz des deutschen Unternehmens bereitet die Bundesregierung eine vorübergehende Treuhandlösung vor. Dadurch soll Zeit für den geplanten Einstieg eines Investors gewonnen werden .

Ob es tatsächlich zur Insolvenz kommt, hängt nach Einschätzung von General Motors vor allem vom Ergebnis eines sogenannten Swap-Angebots ab, das den Inhabern von Firmenanleihen gemacht wurde. Demnach können Anleihen im Wert von jeweils 1000 Dollar gegen 225 Aktien eingetauscht werden. Damit würde General Motors Schuldverschreibungen im Wert von 27 Milliarden Dollar in neues Eigenkapital umtauschen. Die Inhaber der Anleihen würden so eine Beteiligung von insgesamt zehn Prozent erwerben. Eine Vertretung der Bonds-Inhaber verlangt jedoch einen Kapitalanteil von 58 Prozent. Das Swap- Angebot läuft am 26. Mai aus.

GM will sich in Kürze mit Gewerkschaft einigen

Für sein Überleben hat General Motors bislang 15,4 Milliarden Dollar an staatlichen Notkrediten erhalten. Am 1. Juni läuft eine von der US-Regierung gesetzte Frist für die Vorlage eines umfassenden Sanierungsplans aus.

Immerhin eine Lösung scheint in Sicht: Laut "Wall Street Journal" wird sich GM vermutlich in Kürze mit der Gewerkschaft UAW auf umfassende Einschnitte zur Kostensenkung einigen. Dies berichtet die Zeitung unter Berufung auf Insider.

Demnach sollen die Arbeitskosten um mehr als ein eine Milliarde Dollar pro Jahr gesenkt werden. Außerdem sollten die Barzahlungen von GM in einen Gesundheitsfonds für Ruheständler auf zehn Milliarden Dollar halbiert werden. Bisher handle es sich noch um einen vorläufigen Plan, schreibt die Zeitung. Jedoch könnten die Verhandlungen zwischen GM und der Gewerkschaft, die unter Leitung des US-Finanzministeriums stattfinden, bereits kommende Woche abgeschlossen werden.

Unterdessen haben die US-Wettbewerbshüter grünes Licht gegeben für den Einstieg des italienischen Autokonzerns Fiat bei Chrysler. Ein solches Zusammengehen sei unbedenklich, sagte der stellvertretende Direktor der Wettbewerbsabteilung der US-Handelsbehörde FTC, Norman Amstrong. Chrysler will sein vor knapp zwei Wochen gestartetes Insolvenzverfahren bis spätestens Ende Juni erfolgreich verlassen. Zur Rettung soll der italienische Fiat-Konzern bei Chrysler einsteigen.

wal/Reuters/dpa/ddp/AP/dpa-AFX



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IsArenas, 27.04.2009
1.
Fiat! Soviel Lokalpatriotismus muss sein. Lust wär's und gut iss. Ahnung habe ich nicht, aber die Wahrscheinlichkeit daneben zu liegen, ist aus meiner Sicht bei der Alternative genauso groß, eben deshalb, weil eh NIEMAND den Durchblick hat.
m-pesch, 27.04.2009
2.
Zitat von sysopFür Opel gibt es mehrere Interessenten. Wer wäre Ihrer Meinung nach der beste Investor?
Egal wer Opel übernimmt. Er muß erst mal garantieren das die nächsten Jahrzehnte in diesem hochprofitablen Weltunternehmen kein einziger Arbeitsplatz abgebaut wird. Und außerdem muß er anerkennen das in dem dann größeren Konzern nur einer das sagen hat, nämlich der Opel Betriebsrat. Ist ja wohl das Mindeste was amn einem Unternehmen das ja bekanntlich das Auto erfunden hat zugesehen muß. :-))
Hartmut Dresia, 27.04.2009
3.
Zitat von sysopFür Opel gibt es mehrere Interessenten. Wer wäre Ihrer Meinung nach der beste Investor?
So oder so, 5 Milliarden Euro könnte den Staat die Rettung kosten (http://www.plantor.de/2009/opel-5-milliarden-euro-koennte-den-staat-die-rettung-kosten/). Schon jetzt kämpft die Autoindustrie mit großen Überkapazitäten. Sergio Marchionne, Fiat-Chef und UBS-Vizepräsident, glaubt, dass letztlich nur sechs oder fünf globale Autokonzerne überleben werden. Von den 94 Millionen Autos Jahreskapazität seien 30 Millionen überflüssig. Er erwarte eine Welle von Konsolidierungen.
rkinfo 27.04.2009
4.
Zitat von m-peschEgal wer Opel übernimmt. Er muß erst mal garantieren das die nächsten Jahrzehnte in diesem hochprofitablen Weltunternehmen kein einziger Arbeitsplatz abgebaut wird. Und außerdem muß er anerkennen das in dem dann größeren Konzern nur einer das sagen hat, nämlich der Opel Betriebsrat. Ist ja wohl das Mindeste was amn einem Unternehmen das ja bekanntlich das Auto erfunden hat zugesehen muß. :-))
http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,621228,00.html 27. April 15.40 Uhr: Das *General-Motors-Management *bittet die Regierung in Washington um eine weitgehende *Verstaatlichung*. Wie GM mitteilte, soll der amerikanische *Staat die Hälfte* der *Konzernaktien* erhalten und dafür dem Unternehmen im Gegenzug die Hälfte seiner Schulden bei der öffentlichen Hand von 15,4 Milliarden US-Dollar erlassen. Wenn sich die Politik bei uns nicht beeilt wird bald B- Obama Chef bei Opel sein ... "Yes we can" Cars - Made in Rüsselsheim.
vanill68 27.04.2019
5. kkollektives halluzinieren
allenthalben liest man in deutschen medien, daß fiat opel technologie abschöpfen könnte. meine frage dazu ? was kosten eigentlich bekiffte journalisten. gilt es in d. noch, etwas zu recherchieren, bevor man es schreibt. oder genügt dazu das ja vom opel-betriebsrat ? opel hat ***keine*** nennenswerte technik ! beim insignia ist allenfalls die integration zugekaufter komponenten geglückt. fiat entwickelt und baut diesel-motoren, die state-of-the-art sind. und opel kauft sie. wo opel motoren drin sind, folgen verkaufseinbrüche (alfa 159, die benziner) commonrail ist eine fiat entwicklung, entwickelt bei elasis/neapel, erstmals käuflich im alfa 156. fiat hat neueste technologien im benziner bereich in der pipeline ... die qualität deutscher medien ist zum schreien, oder wird bezahlt ? - bisher kannte man das ja nur von der autobild.
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