Opel-Rettung Regierung stellt Fiat Bedingungen

Experten haben die geplante Opel-Übernahme durch Fiat bereits kritisiert - jetzt erhöht auch die Bundesregierung den Druck: Berlin will den Zusammenschluss nur unterstützen, wenn die Italiener ein zukunftsfähiges Konzept vorlegen. Wichtigste Forderung: der Erhalt von Jobs.


Berlin - Der geplante Einstieg von Fiat bei Opel stößt auf massive Bedenken. Auch die Bundesregierung begutachtet ihn zumindest kritisch: Sie will zunächst wissen, ob der italienische Autobauer ein zukunftsfähiges Konzept für den deutschen Konkurrenten vorlegen kann.

Bundeswirtschaftsminister Guttenberg: "Keine zeitlichen Vorgaben"
AP

Bundeswirtschaftsminister Guttenberg: "Keine zeitlichen Vorgaben"

Es komme darauf an, wie sich ein Investor die Zukunft von Opel vorstelle, sagte ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums am Freitag in Berlin. Dabei gehe es auch um den Erhalt von Arbeitsplätzen und der Standorte. Davon hänge ab, ob die Bundesregierung einen Investor unterstützen werde.

Die Bundesregierung führe seit längerer Zeit Gespräche mit Investoren, sagte der Sprecher und betonte: "Es gibt keine Vorfestlegung, die Gespräche laufen weiter." Auch gebe es für eine Entscheidung keine zeitlichen Vorgaben.

Opel will sich von seiner angeschlagenen Mutter General Motors Chart zeigen trennen und sucht dafür dringend nach einem Investor. Den hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als Voraussetzung für eine Staatsbürgschaft genannt.

Nach SPIEGEL-Informationen will Fiat Chart zeigen bei Opel einsteigen und die Mehrheit übernehmen. Eine entsprechende Absichtserklärung soll kommende Woche unterzeichnet werden.

SPD sieht Fiat-Einstieg bei Opel kritisch

In der SPD stößt die geplante Übernahme auf erhebliche Vorbehalte. "In der SPD gibt es sehr große Fragezeichen", hieß es am Freitag an führender Stelle der Partei. Die kritische Distanz des Gesamtbetriebsratschefs von Opel, Klaus Franz, habe eine "hohe Plausibilität". Es sei nicht erkennbar, dass ein Einstieg von Fiat für Opel ein funktionierendes Modell sein könne. Der Belegschaft und der Öffentlichkeit wäre das kaum vermittelbar.

Zudem sei zu fragen, was es für den Steuerzahler bedeute, wenn eine Staatsbürgschaft für Opel letztlich womöglich der Sanierung eines anderen Autokonzerns diene, hieß es weiter aus den Reihen der Sozialdemokraten. Aus der SPD wurde zudem der Vorwurf an das Wirtschaftsministerium laut, die erstbeste Lösung mit einem privaten Investor zu suchen, um aus "ideologischen Vorbehalten" eine staatliche Beteiligung an Opel zu vermeiden.

Die SPD und ihr Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier hatten stets klargemacht, dass sie zur Rettung von Opel neben Bürgschaften auch eine staatliche Beteiligung nicht ausschließen. In der Union wird dies hingegen abgelehnt.

In der SPD wurde zudem die Rolle des Unternehmensberaters Roland Berger hinterfragt. Dieser war vom Wirtschaftsministerium in die Suche nach einem privaten Investor für Opel einbezogen worden. Berger sitzt auch im Aufsichtsrat von Fiat. Nach Medienberichten hatte er den Kontakt von Fiat und Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hergestellt.

EU und Autoexperten skeptisch

Auch EU-Industriekommissar Günther Verheugen hat sich skeptisch zur möglichen Übernahme von Opel durch Fiat geäußert. "Fiat ist nicht gerade der europäische Autobauer, dem es am besten geht", sagte Verheugen am Freitag im Bayerischen Rundfunk. Vertreter des Opel-Betriebsrats und der Gewerkschaft IG Metall lehnten eine Übernahme erneut ab.

Fiat sei ein direkter Konkurrent von Opel und arbeite gleichzeitig an einem Einstieg beim US-Hersteller Chrysler, sagte Verheugen: "Ich frage mich, woher dieses hoch verschuldete Unternehmen die Mittel hernehmen will, um gleichzeitig zwei solche Operationen zu stemmen?"

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer befürwortet statt der Fiat-Übernahme ein Engagement des Zulieferers Magna bei dem deutschen Traditionshersteller. "Opel und Magna passen gut zusammen", sagte Dudenhöffer der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Ein Zusammengehen von Opel und Magna sei realistischer als ein Einstieg von Fiat.

Unterdessen haben sich die Bemühungen um einen Investor für Opel kurzfristig wieder nach Washington verlagert. In der US-Hauptstadt halten sich drei führende Vertreter der Bundes- beziehungsweise der hessischen Landesregierung auf, um mit der US-Regierung über die Zukunft des Autobauers zu sprechen.

ssu/wal/AP/Reuters



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