Für ihre Rolle in der Opioidkrise US-Supermarktriese Walmart und zwei Apothekenketten müssen 650 Millionen Dollar zahlen

Sie sollen mit Schmerzmitteln die Suchtkrise befeuert haben: Ein US-Bundesgericht hat Händler zu einer riesigen Strafzahlung verurteilt. Die sagen, das Urteil gehe an den »wahren Ursachen« vorbei.
Mann mit Überdosis und Helfer vor einer Walgreens-Apotheke (Foto von 2017)

Mann mit Überdosis und Helfer vor einer Walgreens-Apotheke (Foto von 2017)

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BRIAN SNYDER/ REUTERS

Der Supermarktriese Walmart und zwei Apothekenketten sind zu einer Strafzahlung von mehr als 650 Millionen Dollar verurteilt worden. Der Grund ist ihre Rolle in der Opioidkrise in den USA.

Ein Bundesrichter wies Walmart, Walgreens und CVS an, das Geld an zwei von der Opioidkrise schwer betroffene Landkreise im Bundesstaat Ohio zu zahlen, wie die Klägeranwälte mitteilten.

Das Geld werde den Landkreisen Lake und Trumbull erlauben, »Bildungs- und Präventionsprogramme zu finanzieren und örtlichen Behörden und Organisationen Kosten zu erstatten, die beim Umgang mit der Krise entstanden sind«, erklärte die Anwaltskanzlei Lanier.

Ein Geschworenengericht hatte Walmart, Walgreens und CVS im November 2021 eine Mitverantwortung für die Opioidkrise in den beiden Landkreisen gegeben. Die Unternehmen hätten ein »Überangebot« an opioidhaltigen Schmerzmitteln geschaffen. Es war das erste Mal, dass Händler und nicht Hersteller verantwortlich gemacht wurden. Bundesrichter Dan Polster legte nun eine Strafe von 650,6 Millionen Dollar (rund 640 Millionen Euro) fest.

»Eingriff in das Verhältnis zwischen Arzt und Patient«

Der Handelsriese Walmart, der in seinen Supermärkten auch Apotheken betreibt, kündigte Berufung gegen die Strafe an. Anstelle die »wahren Ursachen der Opioidkrise« anzugehen, hätten die Klägeranwälte fälschlicherweise behauptet, dass Apotheker die Entscheidungen von Ärzten infrage stellen müssten. Das aber sei vom geltenden Recht nicht vorgesehen und stelle auch einen unzulässigen Eingriff in das Verhältnis zwischen Arzt und Patient dar.

In den vergangenen 20 Jahren sind in den USA mehr als eine halbe Million Menschen an den Folgen einer Opioidüberdosis gestorben. Das umfasst sowohl verschriebene Schmerzmittel als auch illegale Drogen wie Heroin.

Viele Experten führen die Krise auf die übermäßige Verschreibung opioidhaltiger Schmerzmittel zurück, die bis Mitte der Neunzigerjahre noch der Behandlung von Schwerstkranken vorbehalten waren. Den Herstellern sowie Großhändlern und Apotheken wird vorgeworfen, die Mittel aggressiv beworben und auf Warnzeichen der Suchtkrise nicht reagiert zu haben.

Die Opioidkrise hat zu einer landesweiten Klagewelle gegen Unternehmen der Pharmabranche geführt. In vielen Fällen wurden Vergleiche geschlossen.

mamk/AFP
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