Rechtsstreit über Opioide US-Pharmakonzerne zahlen 590 Millionen Dollar an Ureinwohner

In der Affäre um süchtig machende Schmerzmittel haben sich vier Pharmakonzerne zur Zahlung von über einer halben Milliarde Dollar an amerikanische Ureinwohner verpflichtet. Mehr als 400 Stämme hatten geklagt.
Schmerzmittel Oxycontin (Archivbild): Es gab bereits einige Vergleiche, bei zahlreichen US-Klagen wird noch verhandelt

Schmerzmittel Oxycontin (Archivbild): Es gab bereits einige Vergleiche, bei zahlreichen US-Klagen wird noch verhandelt

Foto: JOHN MOORE/ AFP

Im Rechtsstreit über süchtig machende Schmerzmittel haben vier große US-Pharmaunternehmen einem weiteren Vergleich zugestimmt. Um Klagen von mehr als 400 Stämmen amerikanischer Ureinwohner beizulegen, akzeptieren der Medikamentenhersteller Johnson & Johnson sowie die Arzneimittelhändler McKesson, Cardinal Health und AmerisourceBergen Zahlungen von insgesamt rund 590 Millionen Dollar (525 Millionen Euro). Das ging am Dienstag aus Unterlagen des zuständigen Gerichts in Cleveland hervor. Demnach repräsentieren die Kläger etwa 85 Prozent aller Stammesangehörigen Amerikas.

Die vier Konzerne waren beschuldigt worden, mit Schmerzmitteln zur grassierenden Medikamentenabhängigkeit und Drogenepidemie in den USA beigetragen zu haben. Bundesstaaten und örtliche Behörden fordern von Unternehmen der Pharmaindustrie schon länger viele Milliarden Dollar zurück, die sie für den Kampf gegen Opiat-Abhängigkeit und Überdosierung ausgegeben haben.

Es gab bereits einige Vergleiche, bei zahlreichen US-Klagen wird noch verhandelt. Im Mittelpunkt des Konflikts stand zunächst der Hersteller des Schmerzmittels Oxycontin, Purdue Pharma, der mittlerweile in einem Insolvenzverfahren steckt.

Im Juli vergangenen Jahres stimmten Johnson & Johnson, AmerisourceBergen, Cardinal Health und McKesson im Zuge eines Vergleichs einer Zahlung von insgesamt 26 Milliarden Dollar zu.

Ureinwohner gelten als besondere Leidtragende

Johnson & Johnson erklärte am Dienstag auf Anfrage, der Anteil des Konzerns an der nun vereinbarten 590 Millionen Dollar umfassenden Zahlung an Ureinwohner-Stämme werde aus diesem Fonds gespeist. Die Zahlung sei außerdem kein Schuldeingeständnis. Die anderen Unternehmen antworteten zunächst nicht auf entsprechende Anfragen.

Der 590-Millionen-Dollar-Entschädigungsfonds soll allen 574 in den USA offiziell anerkannten Ureinwohner-Stämmen offen stehen, auch, wenn sie keine Klagen eingereicht haben. In dem Gerichtsdokument wird darauf verwiesen, dass Ureinwohner besonders unter der Opioidkrise leiden: Sie haben von allen Bevölkerungsgruppen den höchsten Anteil an Überdosen.

McKesson, AmerisourceBergen und Cardinal Health hatten bereits im September eine separate Vereinbarung mit dem Stamm der Cherokee getroffen. Der Umfang beträgt 75 Millionen Dollar.

ngo/dpa/afp