Ostseepipeline Arbeiten an Nord Stream 2 laufen wieder an

Monatelang musste Russland den Bau der Gasleitung Nord Stream 2 stoppen. Nun dürfen in deutschen Gewässern wieder Rohre am Meeresboden abgelegt werden – allerdings nur temporär und auf einer Teilstrecke.
Das Verlegeschiff »Fortuna« in der Ostsee

Das Verlegeschiff »Fortuna« in der Ostsee

Foto: OLIVER DENZER / REUTERS

Das russische Verlegeschiff »Fortuna« darf in der Ostsee weiter an der umstrittenen deutsch-russischen Gasleitung Nord Stream 2 arbeiten. »Die ›Fortuna‹ arbeitet derzeit in deutschen Gewässern gemäß der vorliegenden Genehmigungen und der von den Behörden gemachten Ankündigungen«, sagte ein Sprecher der Nord Stream 2 AG am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa.

Zuvor hatte das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg die Fortsetzung der Arbeiten genehmigt . Nun sollen auf einer Länge von zwei Kilometern Rohre verlegt werden. Hintergrund ist eine BSH-Entscheidung, derzufolge »wegen des Endes der Rastzeit im Mai und der Randlage dieses kurzen Abschnitts erhebliche Beeinträchtigungen geschützter Vogelarten und der Schutzziele des Vogelschutzgebietes Pommersche Bucht nicht zu erwarten sind«. Mit dem Beginn der Arbeiten müsse deshalb nicht – wie ursprünglich geplant – bis Ende Mai gewartet werden.

Die Pipeline darf nun bis zum Weiterbau temporär auf dem Meeresgrund abgelegt werden, die Endmontage soll später erfolgen. Die zwei Kilometer liegen in der sogenannten Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ), die jenseits der Zwölfmeilenzone liegt. Sie gehört zwar nicht zum deutschen Hoheitsgebiet, doch Deutschland genießt dort »bestimmte Hoheitsrechte und -befugnisse «.

Nach Angaben von Nord Stream 2 laufen die Arbeiten mit dem russischen Verlegeschiff »Akademik Tscherski« derzeit auch in dänischen Gewässern weiter.

Gegen die im Januar erteilte Genehmigung des BSH für den Weiterbau in der deutschen AWZ waren der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und die Deutsche Umwelthilfe unter dem Hinweis auf rastende Vögel im Schutzgebiet vor Gericht gezogen.

Russland plant Fertigstellung noch in diesem Jahr

Die von Russland durch die Ostsee nach Deutschland geplante Pipeline Nord Stream 2 besteht aus zwei Leitungssträngen und ist weitgehend fertiggestellt. In deutschen Gewässern müssen der Betreibergesellschaft zufolge  noch 30 Kilometer Rohrleitungen verlegt werden, in dänischen Gewässern fehlen noch 120 Kilometer.

Die USA und mehrere europäische Staaten sind gegen die Pipeline, weil sie eine zu große Abhängigkeit Europas von russischem Gas befürchten.

Zwar haben die USA Sanktionen erlassen, um die Fertigstellung zu verhindern. Doch verzichtete Washington zuletzt mit Rücksicht auf die deutsche Bundesregierung, die die Pipeline für die Energiesicherheit in Europa unterstützt, auf schärfere Strafmaßnahmen. Russland hofft, das Vorhaben in den nächsten Monaten beenden und noch 2021 das erste Gas durch die 1230 Kilometer lange Leitung pumpen zu können.

mak/dpa