Outsourcing-Flop Dow Jones stoppt Übersetzer-Dienste aus Ungarn

Es war das erste Mal, dass deutsche Journalisten-Arbeit an einen billigeren Standort ausgelagert wurde: Seit 2004 ließ die Nachrichtenagentur Dow Jones einen Teil ihres deutschen Dienstes in Budapest erstellen. Nun bricht sie das Experiment nach andauernden Qualitätssorgen wieder ab.

Hamburg - Ab Januar soll die nach Ungarn verlagerte Arbeit wieder von Redakteuren in Deutschland erledigt werden. Der Vertrag mit dem ungarischen Outsourcing-Partner Alfa Press läuft zum Jahresende aus und wird nicht verlängert, wie Dow-Jones-Sprecherin Kate Dobbin auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE bestätigte. Damit ist der bisher erste Versuch gescheitert, journalistische Aufgaben von Deutschland an einen Standort mit niedrigeren Lohnkosten und schlechteren Arbeitsbedingungen auszulagern.

Der Partner Alfa Press betreibt bisher ein Büro in der Innenstadt von Budapest, in dem rund zehn Mitarbeiter Texte des englischsprachigen Dow-Jones-Dienstes ins Deutsche übertragen. Diese Meldungen werden dann zu Dow Jones Deutschland (ehemals vwd) in Frankfurt am Main weitergeleitet und von dort an Kunden der Nachrichtenagentur verschickt. In Budapest wurden vor allem kurze Börsenberichte aus der Rubrik "DJ Markt" übersetzt.

Dow Jones hatte diese Aufgaben Anfang 2004 aus Kostengründen verlagert und sich zuvor auch noch billigere Standorte wie Serbien und Rumänien angesehen. In dem Budapester Büro bewegten sich die Lohnkosten nach früheren Aussagen des Alfa-Press-Chefredakteurs Andreas Vogler "zum Teil 20, zum Teil auch 50 Prozent" unter dem deutschen Niveau. Die Kündigungsfrist lag demnach "zwischen 14 Tagen und vier Wochen".

Quereinstieg mit Tücken

Die Arbeit in Ungarn wurde aber, anders als am Anfang angekündigt, überwiegend von Quereinsteigern ohne formale journalistische Ausbildung ausgeführt und nicht von Fachredakteuren ( SPIEGEL ONLINE berichtete ). Dritte, die mit Dow Jones vertraut sind, sprechen denn auch von anhaltenden "Qualitätsproblemen" bei den Texten - auch wenn die Crew bei Alfa zum Schluss vollständig aus deutschen Muttersprachlern bestand, die in Budapest leben.

Zu Mängeln der Texte wollte sich bei Dow Jones niemand äußern. Alfa-Press-Geschäftsführer Gabor Tallai sagte zu SPIEGEL ONLINE, von Qualitätsproblemen sei ihm nichts bekannt. Wie sich aus den Kürzeln unter den Texten ableiten lässt, wurden die unter hohem Zeitdruck angefertigten Meldungen aber bis zum Schluss in Frankfurt nachredigiert. Ursprünglich hatte Dow Jones erwartet, dass der ungarische Partner nach einer Erprobungsphase ohne Aufsicht arbeiten könnte. Durch die Nachbearbeitung dürften die Einspareffekte wesentlich geringer ausgefallen sein als erhofft.  

Die englischen Texte aus der Rubrik "DJ Market Talk" werden ab Januar wieder - wie schon vor 2004 - von ausgebildeten Redakteuren in Deutschland übersetzt. Mittelfristig prüft Dow Jones, ob das Format eingestellt und durch andere Angebote ersetzt werden kann, wie Sprecherin Dobbin mitteilte. Zu den Kunden der Rubrik gehört unter anderem die Fondsgesellschaft DWS.

Jobs gen Bangalore

Alfa Press bemüht sich nach Tallais Worten nun, neue deutsche Kunden zu gewinnen. Namen wollte er nicht nennen. Als Kandidaten kommen aber vor allem andere Nachrichtenagenturen wie Reuters oder AP in Frage, die ebenfalls englische Texte ihrer Mutterdienste übertragen. Beide haben es bisher indes abgelehnt, die Übersetzung dieser Meldungen aus Deutschland zu verlagern.

Beim Reuters läuft auf internationaler Ebene allerdings seit 2004 ein eigenes, viel größer dimensioniertes Outsourcing-Projekt. Im südindischen Bangalore erfassen mehrere hundert Mitarbeiter Firmendaten. Diese Arbeit wurde bisher in Reuters-Datenzentren in England und New York erledigt, in denen bereits mehr als 600 Stellen gestrichen wurden.