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Superreiche: Gleicher als die Anderen

Foto: CHRISTOPHE PETIT TESSON/ DPA

Oxfam-Studie Acht Superreiche besitzen angeblich so viel wie die halbe Menschheit

Die Schere zwischen Arm und Reich geht auseinander - so weit bekannt. Eine Studie der Hilfsorganisation Oxfam soll nun jedoch zeigen, welch gigantische Dimension die Ungleichheit erreicht hat.

Die Hilfsorganisation Oxfam legt an diesem Montag eine Studie zu den Vermögen in der Welt vor. Anlass ist wie schon in den vergangenen Jahren das Weltwirtschaftsforum in Davos. Die Autoren kommen darin zu dem Schluss, dass die Ungleichheit wächst. Die Studie "An Economy for the 99 Percent" soll außerdem zeigen, dass die Lage noch weit schlimmer ist als bisher gedacht.

Demnach verfügen die acht reichsten Personen der Welt mit zusammen 426 Milliarden Dollar über ein größeres Vermögen als die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung (409 Milliarden Dollar). Wer diese acht Superreichen sind - siehe Fotostrecke.

Im vergangenen Jahr hatte Oxfam noch aufgerechnet, dass das Vermögen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung dem der 62 reichsten Menschen entsprochen habe. Neue Daten aus China und Indien hätten nun aber gezeigt, dass die ärmere Hälfte noch deutlich weniger Vermögen besitze als bisher gedacht.

Die Definition von Vermögen ist umstritten

Oxfam fordert in dem Bericht eine gerechtere Steuer- und Wirtschaftspolitik zum Wohl der weniger wohlhabenden 99 Prozent der Weltbevölkerung. Als Maßnahmen gegen die zunehmende Ungleichverteilung schlägt Oxfam vor, Konzerne stärker zu besteuern und Steuerschlupflöcher zu schließen. Zudem sollten Einkommen und Vermögen von Superreichen stärker besteuert werden.

Oxfams plakative Zahlen setzen bewusst auf Empörung. Dabei ist die Definition von Vermögen durchaus umstritten. Ist ein Tagelöhner mit zehn Dollar Bargeld in der Tasche reicher oder ärmer als ein schwäbischer Hausbesitzer mit 180.000 Euro Schulden? Zählt nur das verfügbare Vermögen oder gehören auch "gebundene" Werte in die Rechnung?

Je nach Sichtweise kommen unterschiedliche Studien denn auch zu durchaus variierenden Erkenntnissen. Doch an den grundlegenden Tatsachen ändert sich dadurch nichts. Jede Erhebungsmethode, jede Studie über die Verteilung von Vermögen dokumentiert in ihrer Tendenz klar: Einige Wenige werden immer reicher, während eine wachsende Masse von Menschen prozentual geringer am Gesamtvermögen beteiligt ist.

Selbst komplett unterschiedliche Datensätze liefern Indizien, die diese These stützen.

Beispiele:

  • Laut Weltbank gehören 71 Prozent der Weltbevölkerung zu den Armen oder denjenigen mit niedrigen Einkommen.
  • Die Schweizer Bank Credit Suisse sieht 71 Prozent der Weltbevölkerung als Besitzer von 3 Prozent des Weltvermögens. 0,7 Prozent der Menschen hingegen verfügen demnach über 45,2 Prozent der Mittel.
  • "Forbes" fasst die Top 10 der Milliardäre zu einem Gesamtvermögen von 505 Milliarden Dollar zusammen. Wären diese zehn Personen eine Nation, wären sie im Ranking der reichsten Länder auf Platz 24. Sie stünden etwa vor Belgien, Norwegen, Thailand oder den Vereinigten Arabischen Emiraten.
  • 0,004 Prozent der Weltbevölkerung, errechnet die Schweizer Großbank UBS, verfügen über 12,8 Prozent des Weltvermögens.

Und so weiter: Auch wenn man hier Äpfel mit Birnen vergleicht, ist das Fazit eindeutig - die Ungleichverteilung ist von enormer Dimension; und sie nimmt nicht ab, sondern zu.

Ist das alles verwerflich?

Zugleich zeigen Erhebungen übrigens auch, dass sich das Elend in der Welt tendenziell verringert: Die Armenquote sinkt, Hunger wird langsam seltener, vermeidbare Krankheiten werden zurückgedrängt. Wenn man so will, geht es statistisch gesehen allen ein kleines bisschen, aber einigen wenigen eben exorbitant besser. Die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich dabei immer weiter - und das birgt auch sozialen Zündstoff.

Das gilt auch für eine reiche Nation wie Deutschland: Hierzulande, sagt Oxfam, hätten 36 Milliardäre so viel Vermögen (297 Milliarden US-Dollar) wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung. Das reichste Prozent der Bundesbürger besitze rund ein Drittel des gesamten Vermögens.

Weltweit fühlten sich deshalb immer mehr Menschen abgehängt, behauptet Jörn Kalinski von Oxfam Deutschland. Denn diese Entwicklung hänge eng mit den Möglichkeiten reicher Menschen und internationaler Konzerne zusammen, sich Vorteile auf Kosten des Allgemeinwohls zu verschaffen, kritisiert seine Organisation. Die extrem Wohlhabenden nutzten aggressive Steuervermeidung, verschöben ihre Gewinne in Steueroasen und trieben Staaten in einen ruinösen Wettlauf um Steuersätze.

Kalinski: "Regierungen betreiben das Spiel der globalen Konzerne und reichen Eliten - und die Bevölkerung zahlt die Zeche."

Dies beschädige den sozialen Zusammenhalt, behindere den Kampf gegen Armut und untergrabe den Glauben an die Demokratie. So bereite Ungleichheit auch den Boden für Rechtspopulisten.

Im Überblick - das sind laut Oxfam die acht reichsten Menschen der Welt:

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pat/AFP/Reuters

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