Palast-Revolte Hedge-Fonds zwingen Börsenchefs zum Rücktritt

Revolution bei der Deutschen Börse: Auf Druck zweier angelsächsischer Hedge-Fonds muss Börsenchef Werner Seifert sein Amt aufgeben. Auch Aufsichtsratschef Rolf Breuer, ehemals Boss der Deutschen Bank, wird Opfer des Machtkampfes und geht zum Ende des Jahres. Die Investoren reagierten mit Kauforders.


Duo Seifert und Breuer: Die Briten herausgefordert, von Briten gestürzt
AP

Duo Seifert und Breuer: Die Briten herausgefordert, von Briten gestürzt

Frankfurt am Main - Seiferts Rücktritt trete mit sofortiger Wirkung in Kraft, hieß es am Nachmittag in einer Ad-hoc-Mitteilung der Börse AG. Sein Nachfolger solle von außen rekrutiert werden. Bis ein Kandidat gefunden sei, werde Finanzvorstand Mathias Hlubek die Koordination des Vorstands übernehmen.

Aktien der Deutschen Börse AG wurden in Frankfurt bis 16.30 Uhr vom Handel ausgesetzt. Im außerbörslichen Handel von Lang & Schwarz wurden sie zwischen 61,50 und 62 Euro gehandelt, etwas höher als zuvor im Xetra-Handel. Nach der Wiederaufnahme zum Handel bauten die Papiere ihre Kursgewinne sogar noch weiter aus und notierten am Nachmittag 3,25 Prozent im Plus auf einem Allzeithoch bei 62,36 Euro.

Breuer werde sein Amt zum Ende des Jahres zur Verfügung stellen, so die Mitteilung weiter. Zuvor werde er sich noch im Auftrag des Aufsichtsrates darum kümmern, Vorstand und Kontrollgremium "an die neue Eigentümerstruktur" anzupassen. Auch der Aufsichtsrat wird in großen Teilen neu zusammengesetzt: Neben Lord P. Levene hätten noch zwei weitere Aufsichtsratsmitglieder ihre Posten niedergelegt, so die Mitteilung. Namen wurden nicht genannt.

Nur sieben Prozent der Aktionäre aus Deutschland

Seit Wochen tobt bei der Deutschen Börse AG ein Machtkampf. Anteilseigner um den britischen Fonds TCI, der rund acht Prozent an der Börse hält, hatten Seiferts Plan durchkreuzt, die Londoner Börse LSE zu übernehmen. Anschließend forderten sie Breuers Kopf. Auf der Hauptversammlung am 25. Mai wollten sie einen Antrag zur Abberufung Seiferts stellen.

Unter anderem argumentierten die Kritiker, der Aufsichtsrat repräsentiere nicht mehr die aktuelle Aktionärsstruktur. So gehöre auch der New Yorker Hedge Fonds Atticus zu den Großaktionären. Nur sieben Prozent der Anteilseigner kommen derzeit noch aus Deutschland. Der Rest der Aktionäre sitzt im Ausland, davon etwa 48 Prozent in Großbritannien.



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