Drastischer Preissprung Pandemie löst Gebrauchtwagen-Bonanza in den USA aus

Am US-Gebrauchtwagenmarkt spielen die Preise verrückt: Die Pandemie lässt die Nachfrage steigen, zugleich wird der Nachschub knapp – sehr zur Freude findiger Verkäufer.
Gebrauchtwagenhändler in Kalifornien (Archiv)

Gebrauchtwagenhändler in Kalifornien (Archiv)

Foto: JUSTIN SULLIVAN/ AFP

Aaron Springer konnte sein Glück nicht fassen: Er fährt einen Volkswagen Jetta, Baujahr 2014. Er habe den Wagen selbst erst vor zwei Jahren gebraucht gekauft. Eigentlich sei er auch zufrieden "und wollte gar nicht verkaufen", so hat Springer es dem US-Radiosender NPR erzählt. Es sei ihm eigentlich nur darum gegangen, mal zu checken, "was sie so dafür bezahlen würden. Und das war enorm". Springer hat seinen VW online verkauft – und er bekam dabei noch 1500 Dollar mehr raus, als er selbst 2018 dafür gezahlt hatte.

Der US-Automarkt erlebt gerade eine seltene Konstellation. Die Preise für Gebrauchtwagen sind drastisch angestiegen – ganz im Gegensatz zu allen anderen Gebrauchsgütern: Die Inflation lag in den USA zuletzt bei gerade einmal 1,2 Prozent. Gebrauchtwagen hingegen wurden in den vergangenen zwölf Monaten 11,5 Prozent teurer (hier geht es zur Statistik ). Eine Auswertung des Portals "Quartz" zeigt deutlich, wie stark sich diese Preisentwicklung abhebt vom Trend der vergangenen Jahre .

Weniger Autonachschub – aber höhere Nachfrage

Grund für das Phänomen ist eine Kombination mehrerer Faktoren. Die Corona-Pandemie hat auch in den USA die Nachfrage nach Autos deutlich erhöht: Viele US-Bürger wollen vom öffentlichen Nahverkehr auf den Pkw umsteigen, um das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu vermeiden.

Zugleich war in den USA allerdings während der ersten Welle – ähnlich wie in Europa – der Nachschub an Neuwagen zusammengebrochen. Fabriken standen still, wegen lokaler Lockdown-Maßnahmen und wegen fehlender Bauteile. Dazu kommt laut NPR eine lokale Besonderheit: Viele US-Bundesstaaten hätten Härtefallregelungen erlassen und die Pfändung von Fahrzeugen säumiger Schuldner erschwert. Diese Fahrzeuge machen normalerweise einen großen Anteil am US-Gebrauchtwagenmarkt aus.

Das Angebot wurde zusätzlich knapper, weil viele Leihwagenfirmen wegen der unsicheren wirtschaftlichen Lage 2020 darauf verzichteten, ihre Flotte im üblichen Maß zu modernisieren. Laut der auf den Automarkt spezialisierten Datenfirma Edmunds kommen aus dem Fundus von Hertz, Enterprise und Co. in normalen Jahren etwa zwei Millionen Pkw auf den Markt. 2020 war das anders.

Und last, but not least stieg die Zahlungsbereitschaft vieler Amerikaner für ein Auto in der Krise an – dank der Schecks, die US-Präsident Donald Trump verschicken ließ, um die Konjunktur anzukurbeln. Es sei eben noch immer so, dass "viele Leute ihr Geld eben in ein Auto stecken, wenn sie einen Batzen Cash bekommen", so NPR.

beb
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