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Mercedes-Benz Panne bei der Mittelklasse

aus DER SPIEGEL 1/1996

Als Mercedes-Benz die neue Mittelklasse entwickelte, haben die Stuttgarter ein kleines Kunststück vollbracht: Die Modelle sind moderner und schöner als die Vorgänger und werden zugleich um 30 Prozent billiger produziert. Nur an Ulrich Scheele haben die Schwaben nicht gedacht. Scheele, ein freischaffender Künstler, macht den Stuttgartern den Namen für die Modellreihe, E-Klasse, streitig. Der Mann hat eine clevere Geschäftsidee entwickelt. Er meldet in Frankreich - dort ist das besonders unkompliziert und preiswert möglich - weltweit Schutzrechte für viele Produktnamen an. So ließ er sich unter anderem den Namen Klasse E schützen. Als Mercedes die neue E-Klasse auf den Markt brachte, forderte Scheele die Autobauer auf, entweder den Namen zu ändern oder ihm eine entsprechende Gebühr zu zahlen. Um die Einführung der neuen Modelle nicht zu gefährden, zahlten die Stuttgarter ihm einen Abschlag von 200 000 Mark. Doch Scheele will mehr. Er verlangt von Mercedes jetzt eine Gebühr von 1000 Mark für jedes verkaufte Fahrzeug der E-Klasse. Selbst wenn er sich mit den Stuttgartern auf 100 Mark einigen sollte, würde ihm dies Jahr für Jahr mehr als 20 Millionen Mark einbringen. Mercedes will jährlich über 200 000 Fahrzeuge der E-Klasse verkaufen. Die Juristen des Autobauers suchen verzweifelt nach einem Ausweg. Wenn sie im Paragraphendickicht über das Namensrecht keine Lücke finden, muß Mercedes die E-Klasse möglicherweise umbenennen.

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