Panne in Alaska BP schließt größtes Ölfeld in den USA

Mitarbeiter des britischen Ölkonzerns BP haben an der Prudhoe Bay in Alaska ein Leck in einer Pipeline entdeckt. Öl lief aus der Leitung, das größte Ölfeld in den USA wird nun geschlossen. Experten befürchten, dass der Ölpreis weiter steigt.


Anchorage - Insgesamt vier bis fünf Barrel (ein Barrel: 159 Liter) Öl seien ausgelaufen, teilte der Betreiber des Felds, die BP Exploration Alaska Inc., mit. Nach der Entdeckung des Lecks in einer Transitleitung schloss BP das größte amerikanische Ölfeld Prudhoe Bay im Norden Alaskas teilweise. BP sprach von einem "kleinen Leck". Allerdings seien bei Untersuchungen "16 Anomalien an zwölf Stellen der Öl-Transitleitung an der Ostseite des Ölfelds" festgestellt worden.

Arbeiten an einer Ölleitung in Prudhoe Bay: "Wir entschuldigen uns bei der Nation und dem Bundesstaat Alaska"
AP

Arbeiten an einer Ölleitung in Prudhoe Bay: "Wir entschuldigen uns bei der Nation und dem Bundesstaat Alaska"

Das Unternehmen hatte bei Nachuntersuchungen Wandverdünnungen in der Leitung entdeckt. Öl sei aber nur an einer Stelle ausgelaufen, es sei eingegrenzt worden und Säuberungsarbeiten seien bereits im Gang.

Die Schließung des Felds werde mehrere Tage in Anspruch nehmen und werde zu einer Produktionsreduzierung von schätzungsweise 400.000 Barrel pro Tag an der "Alaska North Slope" führen. Prudhoe Bay ist Teil des riesigen Fördergebiets im Norden Alaskas und repräsentiert rund acht Prozent der amerikanischen Gesamtförderung.

Die Produktionseinstellung könnte nach Ansicht von Ölexperten die Ölpreise weiter nach oben treiben. "Wir bedauern, dass es notwendig ist, diese Aktion vorzunehmen, und wir entschuldigen uns bei der Nation und dem Bundesstaat Alaska für die nachteiligen Auswirkungen, die dies haben wird", erklärte Bob Malone, Chef von BP America.

Probleme auf dem Ölmarkt verschärft

Die Entdeckung des Lecks und die unerwarteten Ergebnisse der jüngsten Untersuchung hätten die Kondition der Öl-Transitleitungen in Prudhoe Bay in Frage gestellt. "Wir werden die Förderung am Ölfeld erst wieder aufnehmen, bis wir und die Aufsichtsstellen der Regierung davon überzeugt sind, dass sie sicher betrieben werden kann und keine Bedrohung der Umwelt darstellt", betonte Malone. Er machte jedoch keine Angaben darüber, wie lange das Ölfeld ausfallen dürfte.

BP betreibe 35 Kilometer Öl-Transitpipelines in Prudhoe Bay. Inspektionen seien auf mehr als 40 Prozent der Gesamtlänge abgeschlossen. BP hatte bereits Pläne für den Ersatz eines rund fünf Kilometer langen Leitungsstücks angekündigt, nachdem am 2. März eine große Ölmenge ausgelaufen war.

Der Ölmarkt wird momentan durch die starke weltweite Nachfrage und die Probleme im Nahen Osten und Nigeria beeinflusst. Die diesjährige Hurrikan-Saison hat inzwischen begonnen. Dies könnte zu einer Gefährdung der amerikanischen Ölförderung im Golf von Mexiko führen, falls es wie im Vorjahr zu schweren Hurrikans kommen sollte. Deshalb kommt die BP-Ankündigung über die temporäre Stilllegung des großen Ölfelds in Alaska nach Expertenmeinung zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.

Am Montag stieg der Ölpreis an den Weltmärkten kräftig. Zeitweise verteuerte sich die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) auf über 76 Dollar pro Barrel.

kaz/dpa/Reuters/AP



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