Geplante Abschaltung Pannenreaktor Fessenheim teilweise vom Netz genommen
Die Abschaltung soll planmäßig, aber emotional verlaufen sein: Im französischen Atomkraftwerk Fessenheim ist am Samstagmorgen der erste von zwei Reaktoren erfolgreich vom Netz genommen worden. Die Aktion sei um etwa 2.00 Uhr beendet gewesen, teilte der Betreiber Electricité de France (EDF) mit.
Das nahe der deutschen Grenze gelegene Atomkraftwerk hatte vor 43 Jahren den Betrieb aufgenommen und war damit das älteste Atomkraftwerk Frankreichs. Deutschland und die Schweiz drängten seit Jahren auf seine Stilllegung.
Die Abschaltung des 900-Megawatt-Druckwasserreaktors hatte gegen 20.30 Uhr am Freitag begonnen. Das Verfahren sei normal verlaufen, im Kontrollraum sei es aber emotional zugegangen, teilte die EDF mit.
Frankreich beugt sich mit der Abschaltung dem jahrelangen Druck aus Deutschland und der Schweiz. Ursprünglich hatte die französische Regierung das Aus für das Akw Fessenheim bereits für Ende 2016 versprochen. Präsident Emmanuel Macron setzt den Plan nun um.
Am 30. Juni soll nach Angaben der französischen Regierung dann Block zwei endgültig abgeschaltet werden. Danach beginnt der Rückbau des Atomkraftwerks. Die Brennelemente sollen bis 2023 entfernt werden.
Die Demontage des Meilers beginnt 2025 und könnte bis 2040 dauern. Deutschland und Frankreich haben vereinbart, in der Region Fessenheim einen Technologiepark zu errichten. Dafür sind Startgelder in Höhe von rund einer Million Euro vorgesehen.
Fessenheim liegt in einem Erdbebengebiet, das Kraftwerk ist gegen einen Flugzeugabsturz oder Anschlag unzureichend geschützt. Zudem kam es immer wieder zu Pannen.
"Historischer Schritt"
Frankreichs Energieministerin Elisabeth Borne nannte die Abschaltung einen "historischen Schritt": Erstmals wird einer der bislang fast 60 Reaktoren des Landes endgültig vom Netz genommen. In dem Atomkraftwerk sind noch 850 Menschen beschäftigt, zusammen mit Zulieferern fallen nach Angaben der elsässischen Gemeinde Fessenheim 1500 bis 2000 Arbeitsplätze weg.
Kritiker werfen der Bundesregierung vor, in Deutschland Atomkraftwerke abzuschalten und zugleich Atomstrom aus Frankreich zu importieren. In Deutschland sind noch sechs Atomkraftwerke am Netz: Grohnde und Emsland in Niedersachsen, Brokdorf in Schleswig-Holstein, Isar 2 und Grundremmingen in Bayern sowie Neckarwestheim 2 in Baden-Württemberg. Gemäß Atomgesetz werden die drei letzten Reaktoren spätestens Ende 2022 abgeschaltet.
Frankreich plant lediglich einen Teilausstieg: Bis 2035 sollen 14 Reaktoren abgeschaltet werden. Nach der Abschaltung des Akw Fessenheim zählt das Land dann noch 56 Reaktoren, die rund 70 Prozent des Stroms liefern. Das ist mit Abstand der höchste Anteil weltweit, bis 2035 soll er auf 50 Prozent sinken.