Pannenserie Vattenfall feuert deutschen Atom-Chef

Der Energiekonzern Vattenfall zieht erste Konsequenzen aus den Pannen in den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel: Der Chef der deutschen Atom-Sparte, Bruno Thomauske, muss sein Amt aufgeben.


Hamburg - Das personelle Großreinemachen hat begonnen: Neben Thomauske sei auch Konzernsprecher Johannes Altmeppen zurückgetreten, hieß es am Mittag von Vattenfall Europe Chart zeigen in Berlin. Die Entscheidungen sind Ergebnis einer Krisensitzung. Deutschland-Chef Klaus Rauscher, der nach den Störfällen auch unter starkem Druck steht, behält seinen Posten.

Geschasster Atom-Manager Thomauske: Für Fehlinformationen verantwortlich gemacht
DPA

Geschasster Atom-Manager Thomauske: Für Fehlinformationen verantwortlich gemacht

Die Entscheidungen seien in enger Abstimmung mit dem Mutterkonzern in Stockholm getroffen worden, so Vattenfall. Die Schweden hatten zuletzt massiven Druck auf die deutsche Tochter gemacht, ihre Probleme zu lösen. Nachfolger Thomauskes als Leiter der deutschen Atomenergie-Sparte wird bis auf weiteres der Kraftwerksvorstand Reinhardt Hassa. Er hat das Amt aber nur kommissarisch inne.

In einer Mitteilung des Konzerns hieß es, er wolle "verlorengegangenes Vertrauen zurückgewinnen".

Die Krisensitzung bei Vattenfall fällt mit einem wichtigen anderen Termin zusammen. Zweieinhalb Wochen nach den Zwischenfällen in Krümmel wollten Vertreter von Landes- und Bundesministerien heute die beteiligten Mitarbeiter befragen. Nach einem Trafo-Brand am 28. Juni hatte ein Missverständnis zwischen Schichtleiter und Reaktorfahrer zu einer Schnellabschaltung des AKW geführt. Seither waren sowohl in Krümmel als auch in dem nach einem Kurzschluss vorübergehend vom Netz genommenen Meiler Brunsbüttel weitere Mängel entdeckt worden.

Atomaufsicht: Wir ermitteln unbeeindruckt weiter

Vattenfall hatte Atomaufsicht und Öffentlichkeit darüber teilweise erst mit Verzögerung informiert und war deshalb in die Kritik geraten. Noch am Freitag hatte sich die Polizei mit einem Durchsuchungsbeschluss Zugang zum Kraftwerk verschafft, weil Vattenfall die Personalien eines Beschäftigten nicht nennen wollte.

Die Entlassung Thomauskes beeinflusst nach Einschätzung der Kieler Atomaufsicht die Aufklärung der Vorgänge im AKW Krümmel nicht. "Vattenfall muss technisches und menschliches Versagen in seinen Kernkraftwerken ausschließen", erklärte die in Schleswig-Holstein für die Atomaufsicht zuständige Sozialministerin Gitta Trauernicht. "Dafür ist das Unternehmen den Beweis noch schuldig, die Kritik der Atomaufsicht ist nicht ausgeräumt." Die Entlassung von Thomauske sei eine unternehmerische Entscheidung, der strukturelle Veränderungen folgen müssten.

Thomauske war 2003 überraschend vom Bundesamt für Strahlenschutz zu Vattenfall gewechselt. Er wurde in der Berliner Konzernspitze für Fehlinformationen an Behörden und Öffentlichkeit verantwortlich gemacht.

Ökostrom-Anbieter: "Für viele der letzte Kick, zu wechseln"

Kommunikationsschef Altmeppen hatte früher bereits beim Hamburger Versorger HEW gearbeitet und auch in dieser Funktion die umstrittenen Kraftwerke Krümmel und Brunsbüttel rückhaltlos verteidigt. Die Kommunikationssparte soll nun übergangsweise von Rainer Knauber geleitet werden.

Vattenfall versprach, eine Gruppe hochrangiger Vertreter aus Technik und Wissenschaft sollten die Vorgänge in den Kraftwerken analysieren. "Die Empfehlungen der Gruppe werden wir lückenlos umsetzen." Für die Arbeit der Experten wird das Unternehmen fünf Millionen Euro bereitstellen. Die Namen der Experten wurden noch nicht mitgeteilt.

Unterdessen freuen sich Anbieter von Ökostrom über Kundenzulauf nach den Pannen bei Vattenfall. " Das wird sich vor allem mittelfristig deutlich bemerkbar machen", sagte der Sprecher des Energieunternehmens Lichtblick, Gero Lücking. Wegen steigender Preise haben nach seinen Worten bereits in den vergangenen Monaten "bis zu dreimal so viele Kunden gewechselt". In Berlin gewinne Lichtblick derzeit mehr als 3000 und in Hamburg mehr als 2000 Kunden monatlich von Vattenfall hinzu. "Der Störfall ist für viele der letzte Kick, zu wechseln", hieß es bei Greenpeace Energy.

itz/Reuters/ddp/dpa



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OG_rice 10.07.2007
1.
Zitat von sysopDie Bundesregierung erwägt schärfere Gesetze und höhere Abgaben, um den Energieverbrauch zu senken. Was ist sinnvoll, was geht zu weit?
Sehr viel ist sinnvoll um sich von der 100mrd-Rechnung zu befreien, letztlich kann man nur gewinnen.
buerger380 10.07.2007
2.
Dass diesen unfähigen Menschen nichts besseres einfällt als eine neue Abgabe zu erheben liegt ja auf der Hand. Wir haben anscheinden die unfähigsten Politiker die man sich vorstellen kann. Da fordert ein Bundesminister potentiell Verdächtige Personen gleich zu liquidieren und jetzt soll man auch noch eine Klima-Steuer Zahlen. Dass bereits jetzt von jedem verdientem Euro den Bürgern nur 47Cent bleiben scheint da wohl niemanden mehr zu interessieren. Anstatt umweltfreundliche Technologien zu fördern wird einfach auf die altherkömmlichen Energiequellen eine Steuer erhoben. Einfallsloser und dämlicher geht es wirklich nicht mehr. Solche Leute (Politiker) gehören schlicht - um es mit den Worten UNSERES Verteidigunsministers zu sagen - "kalt gestellt"!!!!
TheBlind, 10.07.2007
3.
Zitat von sysopDie Bundesregierung erwägt schärfere Gesetze und höhere Abgaben, um den Energieverbrauch zu senken. Was ist sinnvoll, was geht zu weit?
Hi ! Dachte mit der Oekosteuer haetten wir schon sowas... nimmt doch einfach 100 % und gibt mir unter der Bruecke nur soviel das ich nicht verrecke... wieviel denn noch, wann haben die Politiker endlich ihren Hals voll ? Die naechste Wahl wird hoffendlich diesen Terror-geldgeilen-lobbiestenpolitiker die Augen oeffnen... ihr sollt fuer die Bevoelkerung Politik machen nicht gegen... wann bekommen die das endlich in die hohle Birne rein ? Cu.
normfrei, 10.07.2007
4.
Ich bin echt fassungslos. Schon wieder eine weitere Abgabe... Es könnte doch auch mal eine Abgabe gestrichen werden. Das wär doch mal was! Aber nein - da geht noch was.
Josef Ritter, 10.07.2007
5.
Helfen Sie mir, für was zahlen wir eigentlich die Ökosteuer?
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