Insolvenz von Hakle Papierhersteller beklagen Gaspreis-Notstand

Hakle ist pleite – und bald könnte es anderen Papierherstellern ähnlich gehen. Vor allem die Produktion von Küchen- und Toilettenpapier verbraucht sehr viel Gas.
Toilettenpapier: Schwierige Lage für Hygienepapier-Hersteller

Toilettenpapier: Schwierige Lage für Hygienepapier-Hersteller

Foto: Stefan Sauer/ picture alliance / dpa

Nach dem Insolvenzantrag des traditionsreichen Toilettenpapierherstellers Hakle warnt die Papierindustrie vor den Folgen der dramatisch gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise für die Branche. »Die gesamte Papierindustrie steht unter enormem Kostendruck«, sagte der Pressesprecher des Branchenverbandes »Die Papierindustrie«, Gregor Geiger. Wichtig sei es in dieser Situation, dass die Papierhersteller ihre gestiegenen Kosten an den Handel weitergeben könnten.

Besonders schwierig sei die Lage für Hygienepapier-Hersteller, sagte Geiger. Grund dafür seien die gasintensiven Trocknungsverfahren bei der Produktion von Toilettenpapier oder Küchenrollen.

Hakle, Produzent von Hygienepapier mit Sitz in Düsseldorf, hatte in der vergangenen Woche ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragen müssen. Grund dafür waren nach Unternehmensangaben die »massiv gestiegenen Kosten für Material- und Energiebeschaffung« sowie die höheren Transportkosten. Diese Aufwendungen habe man bisher nicht hinreichend an die Kunden im Lebensmitteleinzelhandel und den Drogeriesektor weitergeben können, klagte das Unternehmen.

Hygienepapier-Industrie hat früh gewarnt

Die Hygienepapier-Hersteller hatten schon im März vor den Folgen der explodierenden Gas- und Strompreise und eines möglichen Lieferstopps für russisches Gas gewarnt. Die Branche sei für die Produktion auf Gas angewiesen. Wegen der massiv gestiegenen Energiepreise sei die Situation teils existenzbedrohend, warnten die Firmen damals.

Dabei ist die Nachfrage nach den Produkten der Branche trotz aller Preissteigerungen ungebrochen. Dem Marktforschungsunternehmen GfK zufolge lagen die Umsätze mit Papiertaschentüchern, Toilettenpapier und Küchenrolle im Lebensmittelhandel im Juni deutlich über dem Vorjahresniveau. Den stärksten Zuwachs gab es demnach mit einem Plus von 36,2 Prozent bei Papiertaschentüchern, gefolgt von Toilettenpapier (+27,8 Prozent) und Küchenrollen (+21,7 Prozent).

Die Papierbranche ist aber nicht der einzige Wirtschaftssektor, in dem viele Firmen Existenzsorgen haben: Die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland hat laut dem Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) im August im Vergleich zum Vorjahr spürbar zugelegt. Es gab demnach 718 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften. Das sind 26 Prozent mehr als im August 2021, wie das IWH mitteilt.

Für den Herbst sei zudem mit einer zunehmenden Zahl an Pleiten zu rechnen. »Nach lange Zeit niedrigen Insolvenzahlen hat nun eine Trendwende eingesetzt«, konstatiert IWH-Experte Steffen Müller.

Deutlich mehr Insolvenzen im Herbst

Verantwortlich dafür seien in erster Linie stark steigende Preise für wichtige Produktionsfaktoren. Während der Ukrainekrieg zu höheren Energiekosten führe, seien Unterbrechungen der internationalen Lieferketten für die Verteuerung vieler importierter Vorleistungsgüter verantwortlich. Die von der Europäischen Zentralbank (EZB) ausgerufene Zinswende werde überdies die Refinanzierungskosten der Unternehmen erhöhen. Ein Kostenfaktor für viele Firmen sei auch die Mindestlohnanhebung ab Oktober.

»Die steigenden Insolvenzzahlen zeigen, dass viele Unternehmen mit dauerhaften Kostensteigerungen rechnen, die ihr Geschäftsmodell unrentabel werden lassen«, sagte IWH-Experte Müller. Von einer drohenden Insolvenzwelle könne trotz steigender Zahlen derzeit jedoch nicht gesprochen werden. Für Oktober lassen die Frühindikatoren des IWH allerdings deutlich höhere Insolvenzzahlen erwarten, die demnach etwa ein Drittel über denen von Oktober 2021 liegen könnten.

Die Analyse des IWH zeigt, dass in den größten zehn Prozent der Unternehmen, deren Insolvenz im August gemeldet wurde, 5300 Arbeitsplätze betroffen waren. Die Zahl der betroffenen Beschäftigten liege damit auf dem Niveau der vergangenen zwölf Monate.

Anmerkung der Redaktion: Ursprünglich wurde die Position von Gregor Geiger beim Papierindustrie-Verband falsch angegeben. Wir haben den Fehler korrigiert.

mamk/dpa/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.