Steueroase Isle of Man Unter der Krone, jenseits der Regeln

Einst prägten Fischerei und Tourismus die Isle of Man. Heute bietet die Insel Privilegien für Oligarchen und Spitzensportler. Trotzdem wollen die Bewohner nicht von einer Steueroase sprechen.

Isle of Man (Archivbild)
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Die Sache mit der Isle of Man ist kompliziert. Das beginnt schon bei der völkerrechtlichen Einordnung: Die Insel ist der britischen Krone direkt unterstellt; sie ist aber nicht Teil Großbritanniens. Die Isle of Man gehört offiziell nicht zu Großbritannien; und doch sind ihre knapp 85.000 Bewohner britische Staatsbürger. So weit, so unübersichtlich.

Seit der Veröffentlichung der sogenannten Paradise Papers steht die Insel in der Irischen See im Fokus internationaler Aufmerksamkeit. Wie aus dem öffentlich gewordenen Datensatz hervorgeht, nutzen russische Oligarchen, Spitzensportler und andere die Isle of Man unter anderem, um ihre Privatjets anzumelden.

Arkadij Rotenberg etwa registrierte ein Flugzeug auf der Isle of Man. Laut dem Rechercheverband OCCRP sparte der russische Milliardär so acht Millionen Dollar Mehrwertsteuer. Auch Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton vermied beim Import seines Privatjets laut "Süddeutscher Zeitung" und "Guardian" Mehrwertsteuer-Zahlungen in Millionenhöhe.

Wie konnte es dazu kommen? Entscheidend ist der völkerrechtliche Status der Isle of Man, der die Steuerprivilegien ermöglicht.

Online-Glücksspiel als Pfeiler der Wirtschaft

Die Insel ist eine "crown dependency", ein Kronbesitz. Sie hat ihr eigene Volksvertretung, den Tynwald, eines der ältesten Parlamente der Welt. Seit Ende der Fünfzigerjahre genießt die Isle of Man beträchtliche Autonomie. Diese nutzt sie unter anderem für eine Steuergesetzgebung, die deutlich von der Großbritanniens abweicht: So beträgt die Körperschaftssteuer auf der Insel null Prozent - im Unterschied zu Großbritannien mit 19 Prozent.

Einst prägten Fischerei, Landwirtschaft und Tourismus die Wirtschaft des Eilands. Heute macht Online-Glücksspiel einen wesentlichen Teil der Wirtschaftsleistung aus. Knapp ein Fünftel des Bruttoinlandsprodukts entfällt auf E-Gaming. Die andere Säule der Wirtschaft sind Finanzdienstleistungen.

Etwas mehr als 28.000 Firmen waren 2016 auf der Insel registriert, darunter Konzerne, Banken und Versicherungen. Außerdem auch Kanzleien wie Appleby, aus der ein großer Teil der Paradise Papers stammt. Würden wenigstens die Firmen, die auf dem Papier Einheimischen gehören, einen Steuersatz von 20 Prozent zahlen, könnte die Insel 108 Millionen Pfund im Jahr einnehmen, berichtet die "SZ".

Die Isle of Man ist zwar kein Mitglied der EU, hat aber ein Zollabkommen mit dem Mitgliedstaat Großbritannien. Waren, die über sie eingeführt werden, gelten deshalb als in die EU importiert. Versteuert werden sie aber nach den günstigen Regeln der Insel in der Irischen See.

Ein Platz auf der "Weißen Liste"

Auch wer einen Privatjet über die Isle of Man einführt, profitiert von den dortigen Schlupflöchern: In der EU muss er keine Mehrwertsteuer zahlen. Die Insel ist deshalb bei Flugzeugeignern besonders beliebt. Nach Angaben ihrer Behörden hat die Isle of Man das sechstgrößte Flugzeugregister weltweit: 952 Jets sind auf der Insel gemeldet. Das Nachsehen haben die EU-Länder: Ihnen sind durch diese Praxis laut "Süddeutscher Zeitung" mehrere Hundert Millionen Euro an Steuern entgangen.

Viele Manxmen, wie die Bewohner der Isle of Man heißen, bestreiten dennoch, dass ihre Insel eine Steueroase sei. Ihre Steuerpolitik sei einfach nur effizient, sagt First Minister Howard Quayle. Immerhin wurden in den vergangenen Jahren Steuerinformationsabkommen mit mehr als einem Dutzend Staaten abgeschlossen - darunter auch eins mit Deutschland.

Im April 2009 wurden diese Bemühungen belohnt: Die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) setzte die Isle of Man auf ihre "weiße Liste" von Staaten, die von den G20-Finanzministern vereinbarte internationale Steuerstandards im Wesentlichen umgesetzt haben.

Doch die Veröffentlichung der Paradise Papers bringt Howard Quayle und seine Regierung in neue Erklärungsnot. Zumindest für die Steuertricks bei Flugzeugen kündigte der First Minister eine Überprüfung an. Und auch das britische Finanzministerium will die Vorgänge untersuchen.

insgesamt 11 Beiträge
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graubär35 07.11.2017
1. Isle of Man
Ich hoffe, wir verlieren mit dem Brexit auch alle diese englischen Steueroasen. Das wäre doch einmal ein Gewinn. Oder bin ich zu optimistisch?
Atheist_Crusader 07.11.2017
2.
Zitat von graubär35Ich hoffe, wir verlieren mit dem Brexit auch alle diese englischen Steueroasen. Das wäre doch einmal ein Gewinn. Oder bin ich zu optimistisch?
Sagen wir's mal so: Die Briten waren einer der wesentlichen Blockierer im Kampf gegen solche Steueroasen. Genauso wie sie z.B. gegen eine Ausweitung der Militärkooperation in der EU waren. Letzteres ist jetzt dank Brexit wieder auf dem Tisch, ersteres soll folgen. Das ist noch keine Garantie dass es funktionieren wird, aber ein bisschen Optimismus ist okay.
m.w.r. 07.11.2017
3. Ja.
Es bleiben noch Andorra, der Vatikan, Monaco, Luxemburg, Österreich, Liechtenstein, die Schweiz.u.s.w..
george2013 07.11.2017
4. Das Kapital lächelt - und schweigt genüsslich
Wer ehrlich und ohne Scheuklappen die Dinge betrachtet, muss bekennen: Europa wird nicht von nationalen Regierungen geführt - sondern von Leuten, die mit Fug und Recht sagen können: Danke, Ihr Unbedaften, Ihr Wehrlose! Das Kapital lächelt - und schweigt genüsslich
hann.overaner 07.11.2017
5. Fischer und Touristen ?
man kann über steueroasen denken was man will, aber die Isle of Man hat einen lange, stolze Tradition aus Schmuggler und Piratennest. Geändert hat sich da nichts.
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