Parmalat-Skandal Wirtschaftsprüfer von Deloitte unter Verdacht

Der Bilanzskandal um den italienischen Parmalat-Konzern weitet sich aus. Während die Luxemburger Justiz wegen Geldwäsche ermittelt, wird in Mailand gegen zwei Partner der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte & Touche ermittelt. Auch die Deutsche Bank soll engere Kontakte zu Parmalat gehabt haben als bisher bekannt.


Parmalat-Produkte: Zehn Milliarden Euro fehlen dem Konzern
REUTERS

Parmalat-Produkte: Zehn Milliarden Euro fehlen dem Konzern

Rom - Der Schwerpunkt der Ermittlungen liegt nach Angaben der Luxemburger Staatsanwaltschaft auf möglicher Geldwäsche im Zusammenhang mit kriminellen Aktivitäten und Organisationen. Verschiedene Luxemburger Banken und Institutionen hätten die Justizbehörden aus eigener Initiative auf verdächtige Konten von Parmalat oder seiner Manager aufmerksam gemacht, sagte der für Finanzkriminalität zuständige Staatsanwalt Carlos Zeyen. Die Hinweise seien ausreichend gewesen, um eine formale Untersuchung zu starten.

Ein Mailänder Justizbeamter teilte mit, zwei italienische Mitarbeiter der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte & Touche würden verdächtigt, an einer Fälschung der Parmalat-Bilanzen mitgewirkt zu haben. Parmalat hat die Zusammenarbeit mit den Wirtschaftsprüfern bereits beendet.

Ausgelöst wurde der Parmalat-Skandal Anfang Dezember, als die Bank of America Guthaben des italienischen Nahrungsmittelkonzerns in Höhe von knapp vier Milliarden Euro für nicht existent erklärte. Nach dem letzten Stand der Ermittlungen werden die Bilanzlücken auf rund zehn Milliarden Euro beziffert. Parmalat und die Muttergesellschaft Parmalat Fianziaria haben bereits Insolvenz angemeldet.

Nach Angaben des "Handelsblatts" war auch die Verbindung der Deutschen Bank zu Parmalat enger als bislang bekannt. Massimo Armanini, ein Investmentbanker der Deutschen Bank in Italien, habe vor seinem Eintritt in das Geldinstitut im März 2003 zur Parmalat-Führung gehört. Die Staatsanwaltschaft in Parma hat Deutsche-Bank-Mitarbeiter zu einem zweiten Informationsgespräch vorgeladen. Bei dem ersten Treffen hätten die Manager nur das Nötigste gesagt, hieß es.



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