Behörden als Konkurrenz Fotostudios wettern gegen geplante Passbild-Reform

Passbilder sollen künftig direkt in den Behörden gemacht werden. Berufsfotografen schlagen deshalb Alarm. Sie fürchten Verluste von rund 100 Millionen Euro im Jahr.
Musterexemplar eines Reisepasses: "Zerstörung der Existenz der Fotostudios in der Bundesrepublik“

Musterexemplar eines Reisepasses: "Zerstörung der Existenz der Fotostudios in der Bundesrepublik“

Foto: Michael Kappeler/ dpa

Geht es nach Horst Seehofer, werden neue Passbilder demnächst nicht mehr im Fotostudio gemacht. Stattdessen sollen die biometrischen Fotos in Gegenwart eines Mitarbeiters der Passbehörde aufgenommen werden. So sieht es zumindest ein Referentenentwurf des Bundesinnenministeriums vor.

Käme die Neuregelung, könnten Manipulationen an den Fotos erschwert werden, etwa sogenanntes Morphing. Das ist das Übereinanderlegen verschiedener Fotos und die Herstellung eines neuen Bildes, das es möglich macht, dass nicht nur eine Person den Pass nutzt, sondern auch eine andere, deren Gesichtszüge der Person auf dem Foto ähneln.

Der Centralverband Deutscher Berufsfotografen fürchtet Umsatzverluste in Höhe von rund 100 Millionen Euro jährlich. Er vertritt die Interessen von 45.000 in die Handwerksrolle eingetragenen Fotostudios. Es hätten sich nach Bekanntwerden der Pläne viele Betriebsinhaber gemeldet, heißt es in einem Brief des Verbands an Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). "Sie sind äußerst besorgt über ihre berufliche Existenz", schreibt der Innungsverbandsvorsitzende Hans Starosta. Passbilder seien das "Brot- und Buttergeschäft", etwa zehn Millionen davon würden jedes Jahr in Deutschland gemacht werden. Fielen diese Einnahmen weg, könnte das Ausbildungs- und Arbeitsplätze kosten.

Die Idee aus Seehofers Ministerium sieht vor, Passbehörden mit Selbstbedienungsterminals auszustatten. 177 Millionen Euro sollen 11.000 Geräte kosten. Gleichzeitig sollen die Dokumente teurer werden, wodurch sich die Anschaffung der Terminals laut Starosta in den ersten fünf Jahren amortisiert hätte. "Diesen Entwurf zum wirtschaftlichen Nachteil der Berufsfotografen auszuführen, können wir nicht akzeptieren", schreibt er an den Minister. Man könne "einer Zerstörung der Existenz der Fotostudios in der Bundesrepublik" nicht tatenlos zusehen.

Man wolle durchaus konstruktiver Partner sein, so habe man bereits 2014 gemeinsam mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik an Konzepten gearbeitet, bei denen es um elektronische Bildübermittlungen ging. Es habe dazu sogar Testläufe in Göttingen und Köln gegeben, welche Starosta als erfolgreich bezeichnet.

Auch der Handelsverband HDE und der Handelsverband Technik kritisieren die Pläne. Laut "FAZ" heißt es in einem ebenfalls an Horst Seehofer gerichteten Brief, dass "angesichts der ohnehin angespannten Lage im stationären Einzelhandel" die Regelung "eine existenzielle Bedrohung für viele mittelständische Unternehmen" darstelle. Die Erstellung von Passbildern erziele nicht den höchsten Deckungsbeitrag, sondern diene eher der Erhöhung der Kundenfrequenz. Käme die Neuregelung, würde dies Millionenumsätze im Handel vernichten.

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