Passiv anlegen Indexfonds - was Sie beachten müssen

Im nächsten Jahr kommt die Abgeltungsteuer, viele Anleger bestücken deshalb ihr Depot neu. Begehrt sind vor allem Indexfonds: Sie sind günstig - und lohnen sich für alle, die aktiven Fondsmanagern misstrauen. Diese Tipps sollten Sie allerdings beachten.

Hamburg - Die Werbung für herkömmliche Investmentfonds verspricht viel: Mehr "Alpha" sollen die Produkte den Anlegern bringen. Der griechische Buchstabe steht im Industriejargon für Outperformance, also eine Extrarendite, die ein Fonds im Vergleich zum Marktdurchschnitt liefern soll. Doch das funktioniert nur, wenn der Markt ineffizient ist: In diesem Fall weiß der Fondsmanager mehr über die kommende Entwicklung der Aktienkurse als die anderen Marktteilnehmer und kann deshalb die richtigen Titel kaufen, bevor die Kurse steigen.

Die Aussichten klassischer Investmentfonds, tatsächlich Alpha zu liefern, werden von Finanzforschern skeptisch beurteilt - allein schon, weil ihr eigenes Interesse, Geld zu verdienen, den möglichen Ertrag für die Kunden schmälert. "Das Vorhaben, die Interessen der Anleger zu vertreten und dabei gut zu verdienen, ist von vornherein zum Scheitern verurteilt", findet beispielsweise David Swensen von der Universität Yale.

Er stützt sich auf eine Langzeitstudie, die untersucht, welche Renditen Fondsanleger über zehn bis zwanzig Jahre genießen. Die Autoren Robert Arnott, Andrew Berkin und Jia Ye fanden heraus, dass 78 bis 95 Prozent der Fonds eine niedrigere Rendite lieferten als der Marktdurchschnitt. Nach Abzug der Steuern blieben sogar 86 bis 96 Prozent hinter dem Markt zurück. Und darin, merkt Swensen an, seien die schlechtesten Fonds noch nicht einmal enthalten, weil sie in der Zwischenzeit vom Markt verschwanden.

Dabei behauptet Swensen gar nicht, dass die Märkte vollkommen effizient seien. Er selbst hat das Vermögen des Yale-Stiftungsfonds in 20 Jahren verfünfzehnfacht - ein klarer Beweis, dass es möglich ist, mit cleverer Anlagestrategie schneller reich zu werden als andere. Nur Privatanleger, die sich nicht hauptberuflich auf die Suche nach der Extrarendite begeben können, sollten es gar nicht erst versuchen. Ihnen empfiehlt Swensen eine einfache Alternative: Indexfonds.

Das sind Fonds, die auf den Anspruch verzichten, den Markt zu schlagen. Stattdessen bilden sie nur möglichst genau einen Index wie den Dax   oder den EuroStoxx 50   nach. Ein guter Riecher wird von den Managern börsengehandelter Indexfonds, sogenannter Exchange Traded Funds (ETFs), nicht verlangt. "Das wichtigste Ziel von ETF-Portfoliomanagern besteht darin, den Tracking Error zu minimieren", erklärt die renommierte ETF-Expertin Deborah Fuhr von Morgan Stanley. Der Tracking Error misst, wie stark ein Fonds von der Zusammensetzung des Indizes, der als Vorbild dient, abweicht.

Das wichtigste Argument für Indexfonds sind die Kosten. Deren Wirkung auf den Vermögensaufbau wird oft unterschätzt, zumal viele Anbieter klassischer Fonds einen Teil der Kosten verstecken. Weil die Fondsgesellschaften für ETFs keine teuren Manager und Forschungsabteilungen brauchen, kommen sie oft mit sehr geringen Verwaltungsgebühren aus. Im Durchschnitt verlangen die Anbieter nach Angaben der Deutschen Bank 0,34 Prozent jährliche Gebühren von den Anlegern - konkurrenzlos günstig im Vergleich zu klassischen Investmentfonds. Die größten und liquidesten Fonds sind oft schon für 0,15 Prozent im Jahr zu haben, Tendenz sinkend.

Das ist auch mit Blick auf die ab dem kommenden Jahr in Deutschland fällige Abgeltungsteuer sinnvoll, weil es einen stetigen Anlagestil ermöglicht: ETFs passen sich von selbst dem Markttrend an, weil die wichtigsten Aktien immer in den großen Indizes enthalten sind. Es ist also möglich, kaufen und liegen lassen. Niedrige Gebühren haben zwar auch dann Vorteile, wenn man das Depot oft umschichtet. Besonders kräftig ist ihr Effekt jedoch, wenn man möglichst lang an seinem Investment festhält. Das ist bei Einzelaktien riskant, über Indizes lässt sich das Risiko jedoch einigermaßen streuen.

Außerdem birgt ein ETF-Investment ein geringeres Risiko als einzelne Aktien oder Anleihen, weil die Anlage über mehrere Titel gestreut ist. Die Fonds sind transparenter als beispielsweise Zertifikate, weil öffentlich bekannt ist, welche Aktien in den gängigen Indizes enthalten sind. Und sie sind leicht verkäuflich, weil die Anteile direkt an der Börse gehandelt werden können und nicht über den Umweg einer Fondsgesellschaft.

Bis 2011 soll sich der Markt mehr als verdoppeln

Institutionelle Investoren wie Pensionsfonds oder Versicherungen, besonders aus den USA, haben die Vorteile des passiven Investments längst erkannt. Sie machen den Großteil der Anleger im ETF-Markt aus. Doch inzwischen wächst die Branche auch in Europa schnell. Auch Privatanleger satteln um.

Im Jahr 2007 wuchs das verwaltete Vermögen der in Europa notierten ETFs nach Angaben von Morgan Stanley um 43 Prozent auf 128 Milliarden Dollar. Die 286 an deutschen Börsen gehandelten Fonds waren zum Jahresende 50 Milliarden Dollar schwer. In den USA sind es schon zehnmal so viel, doch auch dort sind die Indexfonds bisher nicht viel mehr als ein Schatten im Vergleich zu den aktiv gemanagten klassischen Investmentfonds. Bis 2011, sagt Morgan Stanley voraus, wird sich der Markt jedoch mehr als verdoppeln.

Wenig beliebt sind die Indexfonds bei der Fondsindustrie. Das ist verständlich, weil sie daran wenig verdienen kann. Doch die schnell wachsende Nachfrage sorgt dafür, dass auch das Angebot mitzieht, weil sich kaum eine Bank erlauben kann, auf diesen Markt zu verzichten. Den Anbietern bleibt für das Marketing die Möglichkeit, immer neue Themen über ETFs zu spielen, wie es im Branchenjargon heißt.

Auch exotische Rohstoff- oder Immobilieninvestments sind mit ETFs möglich, sehr beliebt sind Branchen- und Regionenindizes. Mit ETFs können Anleger wie professionelle Fondsmanager kurzfristig beispielsweise den Vietnam-Anteil in ihrem Portfolio erhöhen oder die Finanzbranche untergewichten. Inzwischen bieten einige Fondsgesellschaften auch ETFs an, die auf eigens konstruierte Indizes setzen und eine bestimmte Anlagestrategie ermöglichen, indem sie beispielsweise die Aktienauswahl nach vorherbestimmten Bewertungskriterien steuern. "Intelligente ETFs" nennt die Fondsgesellschaft Invesco solche Produkte.

Mit einem wirklich passiven Investment hat das aber nicht mehr viel zu tun. Auch die Kosten steigen mit dem Aufwand, neue Indizes zu konstruieren - dafür müssen die Fondsgesellschaften weniger Lizenzgebühren an die Anbieter etablierter Indizes wie News Corp. für den Dow Jones   und den EuroStoxx 50  , Morgan Stanley für den MSCI World, McGraw-Hill für den S&P 500   oder Deutsche Börse für den Dax   zahlen.

Das entscheidende Kriterium für den Erfolg eines ETF-Investments sind die Kosten. So niedrig die Gebühren im Vergleich mit aktiv gemanagten Fonds fast durchweg auch sind - die Unterschiede sind trotzdem deutlich. Das zeigen die folgenden Tabellen, in denen manager-magazin.de für ausgewählte Anlagegruppen die größten ETFs, die an deutschen Börsen gehandelt werden, verglichen hat.

Wichtige Unterschiede liegen auch im Tracking Error. Wirklich eins zu eins bildet keine ETF den Index ab, auf den er sich bezieht. Die Fondsmanager müssen bei Veränderungen des Index die ausgeschiedenen Aktien (oder Optionen darauf) verkaufen und die neu hereingekommenen Titel kaufen. Je schneller ihnen das gelingt, desto geringere Verluste entstehen aus dieser Transaktion. Im Vorteil sind dabei Fonds, die auf Standardwerte setzen, weil die sich leichter handeln lassen. Je größer und liquider ein Fonds ist, desto leichter lässt er sich auch für den Anleger über die Börse kurzfristig kaufen oder verkaufen. Bei Nischenprodukten ist das schwieriger.

Anleger, die sich für Indexfonds entscheiden, werden zuerst vor der Frage stehen, auf welchen Markt sie setzen. Der kostengünstigste Fonds nützt schließlich nichts, wenn er keine Rendite erzielt. Als Maßstab für den Erfolg eines ETFs taugt die Rendite jedoch nur im direkten Vergleich mit einem anderen ETF, der denselben Index abbilden soll. Da die meisten Indexfonds noch neu sind, lässt sich der in der Vergangenheit erzielte Erfolg zudem kaum messen. Selbst für einen Horizont von drei Jahren gibt es oft keine Angaben, weil die meisten ETFs erst nach 2005 aufgelegt wurden. Die im laufenden Jahr erzielten Erträge von Aktienfonds fallen durchweg negativ aus, weil die Märkte seit Jahresbeginn fallen.

Der Vorteil: Anleger können die Entwicklung genau verfolgen

Ein sicherheitsorientiertes Portfolio sollte nicht auf deutsche Aktien fokussiert sein, weil der heimische Markt nur einen kleinen Ausschnitt des Anlageuniversums darstellt. Beliebt sind Dax-Investments wie der von Barclays Global Investors begebene ETF trotzdem, wohl auch weil deutsche Aktien in den vergangenen Jahren Renditen von mehr als 15 Prozent pro Jahr möglich machten. Dieser Erfolg lässt sich jedoch nicht unbedingt in die Zukunft fortschreiben. Der größte Vorteil eines ETFs auf den Dax liegt darin, dass Anleger die Entwicklung ihres Investments leicht verfolgen können, weil über den deutschen Leitindex täglich auf allen Kanälen berichtet wird.

Sicherer fährt man mit einem weltweit gestreuten Portfolio. Wer alles auf eine Karte setzen will, könnte daher einem ETF auf den weltweit gestreuten Aktienindex MSCI World vertrauen. Diese Investments haben bisher allerdings nur wenige Fans gefunden, mit der Folge, dass die Kosten gerade der etablierten Fonds wie des Unico I-Tracker MSCI World deutlich höher ausfallen als bei der Konkurrenz. Auf längere Sicht gibt das eine schwache Rendite.

Die meisten Kundengelder haben die Fondsgesellschaften bisher mit ETFs auf Indizes wie den EuroStoxx 50 oder den MSCI Euro gewonnen. Hier wird das Anlagerisiko immerhin über die gesamte Euro-Zone gestreut. Außerdem entfällt für Anleger aus dem Euro-Raum das Währungsrisiko. Der Marktführer Ishares Eurostoxx50 von Barclays Global Investors gilt als Musterbeispiel für einen geringen Tracking Error. Der Fonds trifft zu 99,98 Prozent den Index. Doch auch die anderen Anbieter schneiden in diesem Anlagesegment, das nur sehr große Aktien umfasst, gut ab.

Der Stoxx 50   oder der MSCI Europe sind ebenfalls eine Überlegung wert. Hier sind auch Standardwerte aus europäischen Ländern, die nicht zur Euro-Zone gehören, wie Großbritannien oder die Schweiz, enthalten. Der von der US-Fondsgesellschaft State Street begebene Streettracks MSCI Europe ist ein Beispiel dafür, dass nicht alle ETFs mit Gebühren nahe Null auskommen. Das mag daran liegen, dass der Fonds schon etabliert war, bevor sich ETFs bei einem breiten Publikum durchgesetzt hatten, als das Gebührenniveau noch generell höher lag als heute.

US-Aktien sind eine sinnvolle Ergänzung für die meisten Portfolios. Mit der Kombination von Standardwerten aus Euro-Land und USA hat man schon den Großteil der wichtigsten Aktien der Welt abgedeckt. Allerdings müssen deutsche Anleger damit rechnen, dass ein fallender Dollar ihre Rendite verhageln kann, wie sich in der Übersicht zeigt. Anstelle des bekannteren Standardwerteindex Dow Jones empfiehlt es sich, auf einen breiteren Aktienindex wie den S&P 500 oder den MSCI USA zu setzen.

Wenn man davon ausgeht, dass der Aufstieg der Schwellenländer mehr ist als nur eine Mode, bieten sich Chancen mit Emerging-Market-ETFs. Wachsen Volkswirtschaften wie die chinesische oder die russische weiter schneller als der Weltdurchschnitt, wäre man mit einer Anlage nur in Europa und den USA sehr beschränkt. Die meisten der angebotenen Fonds sind allerdings noch zu jung, um Aussagen über die mittel- bis langfristige Rendite zu treffen.

Trotzdem haben sich in Emerging-Market-ETFs schon beachtliche Summen gesammelt. In diesem Segment führen die X-Tracker-Fonds der Deutschen Bank, die erst Anfang 2007 gestartet sind und auf den gesamten europäischen ETF-Markt bezogen schon den drittgrößten Marktanteil hinter Weltmarktführer Barclays und dem Anbieter Lyxor der französischen Société Générale erobert haben.

Nicht zuletzt gehört auch ein Rentenanteil in ein ausgewogenes Portfolio. Im Vergleich zu Aktien-ETFs ist dieser Sektor bisher noch unterentwickelt. Das mag auch daran liegen, dass es kaum Rentenindizes gibt, die einem breiteren Publikum bekannt wären. Zumeist muss man sich auf Anleihen einer bestimmten Laufzeit und Bonität festlegen. Direkt vergleichbar sind die Renten-ETFs kaum. Langfristige Staatsanleihen haben bisher die meisten ETF-Investoren begeistert. Die Rendite lag in den vergangenen Jahren nur knapp über der Inflationsrate - doch wenn die Aktienmärkte ins Minus stürzen, wissen die Anleger das zu schätzen.