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14. Oktober 2016, 18:56 Uhr

Krankenkassen-Schummelei

Patienten drohen Probleme durch manipulierte Diagnosen

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Wer auf dem Papier kränker als nötig gemacht wurde, kann seinen Versicherungsschutz bei privaten Anbietern verlieren. Davor warnen Verbraucherschützer im SPIEGEL.

Der Skandal um manipuliert Krankheitsdiagnosen könnte den Versicherten noch ungeahnte Schwierigkeiten bereiten. "Falsche Kodierungen können schlimmstenfalls dazu führen, dass Kunden ihren Versicherungsschutz bei privaten Anbietern verlieren", sagt Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des Bundes der Versicherten, in der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Der Hintergrund: Wer beispielsweise einen Vertrag für eine private Berufs- und Erwerbsunfähigkeitsversicherung oder eine Risikolebensversicherung unterschreibt, der muss wahrheitsgemäß Auskunft über seinen Gesundheitszustand und zurückliegende Erkrankungen geben.

Was aber, wenn der Versicherte gar nicht weiß, dass ein Arzt zuvor einen Husten als schwere Lungenentzündung oder gelegentliche Nackenverspannungen als chronischen Schmerz eingestuft hat? Nach Aktenlage hätten Patienten in diesen Fällen ihre Anzeigepflicht verletzt, warnt Kleinlein. "Die Versicherer könnten ihnen dann Leistungen verwehren und sogar Betrug vorwerfen."

Die gesetzlichen Krankenkassen geben in jedem Jahr Millionensummen aus, um Ärzte dazu zu bewegen, Patienten auf dem Papier als möglichst krank auszuweisen. Sie wollen mit diesen umstrittenen Praktiken ihre Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds erhöhen. Daher sehen sie sich nun Manipulationsvorwürfen ausgesetzt.

Jens Baas, der Chef der Techniker Krankenkasse, hatte Mitte August erstmals eingeräumt, dass die gesetzlichen Versicherungen seit 2014 insgesamt eine Milliarde Euro in diese Praktiken investiert hätten.

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