Krankenkassen-Schummelei Patienten drohen Probleme durch manipulierte Diagnosen

Wer auf dem Papier kränker als nötig gemacht wurde, kann seinen Versicherungsschutz bei privaten Anbietern verlieren. Davor warnen Verbraucherschützer im SPIEGEL.

Arzt in der Sprechstunde
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Der Skandal um manipuliert Krankheitsdiagnosen könnte den Versicherten noch ungeahnte Schwierigkeiten bereiten. "Falsche Kodierungen können schlimmstenfalls dazu führen, dass Kunden ihren Versicherungsschutz bei privaten Anbietern verlieren", sagt Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des Bundes der Versicherten, in der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

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Jaber Albakr, eine Heldentat und das Versagen der Justiz

Der Hintergrund: Wer beispielsweise einen Vertrag für eine private Berufs- und Erwerbsunfähigkeitsversicherung oder eine Risikolebensversicherung unterschreibt, der muss wahrheitsgemäß Auskunft über seinen Gesundheitszustand und zurückliegende Erkrankungen geben.

Was aber, wenn der Versicherte gar nicht weiß, dass ein Arzt zuvor einen Husten als schwere Lungenentzündung oder gelegentliche Nackenverspannungen als chronischen Schmerz eingestuft hat? Nach Aktenlage hätten Patienten in diesen Fällen ihre Anzeigepflicht verletzt, warnt Kleinlein. "Die Versicherer könnten ihnen dann Leistungen verwehren und sogar Betrug vorwerfen."

Die gesetzlichen Krankenkassen geben in jedem Jahr Millionensummen aus, um Ärzte dazu zu bewegen, Patienten auf dem Papier als möglichst krank auszuweisen. Sie wollen mit diesen umstrittenen Praktiken ihre Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds erhöhen. Daher sehen sie sich nun Manipulationsvorwürfen ausgesetzt.

Jens Baas, der Chef der Techniker Krankenkasse, hatte Mitte August erstmals eingeräumt, dass die gesetzlichen Versicherungen seit 2014 insgesamt eine Milliarde Euro in diese Praktiken investiert hätten.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

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Jaber Albakr, eine Heldentat und das Versagen der Justiz
insgesamt 49 Beiträge
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Tolotos 14.10.2016
1. Eigentlich wäre das ja eher ein Betrug von Ärzten und Krankenkassen!
Aber sind die überhaupt verantwortlich zu machen. Oder bleibt dass systematisch bei den Patienten hängen, weil die Verantwortlichen nach deutscher Rechtspraxis nicht zur Verantwortung gezogen werden?
susvol1 14.10.2016
2. Der nächste Betrug
der in den Leitmedien als "Schummelei bezeichnet wird.
salomohn 14.10.2016
3. Selbstauskunft
Falschangaben, ob absichtlich oder versehentlich, sind nach relativ kurzer Versicherungsdauer nicht mehr relevant. Richtig?
vantast64 14.10.2016
4. Verstehe ich nicht.
Es gibt doch eine Krankenversicherungspflicht? Kommt man dann ins Gefängnis, wie Frau Baumert, die keine GEZ-Steuer zahlen wollte? Oder muß man dann in die Gesetzliche, die alle Problemfälle aufnehmen muß?
spon_2937981 14.10.2016
5.
Zitat von salomohnFalschangaben, ob absichtlich oder versehentlich, sind nach relativ kurzer Versicherungsdauer nicht mehr relevant. Richtig?
Ich glaube, nach 10 Jahren ist man 'save'. Ob das aber auch bei vorsätzlicher Falschangabe gilt, weiß ich nicht.
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