Freihandelszone TPP Pazifikstaaten wollen Handelsabkommen - auch ohne USA

Auch nach dem TPP-Ausstieg der USA wollen die elf verbliebenen Pazifikanrainer daran festhalten. Sie haben sich auf ein Rahmenabkommen geeinigt, das die weltgrößte Freihandelszone schaffen soll.

Vietnams Wirtschaftsminister Tran Tuan Anh (li) und sein japanischer Amtskollege Japans Toshimitsu Motegi
REUTERS

Vietnams Wirtschaftsminister Tran Tuan Anh (li) und sein japanischer Amtskollege Japans Toshimitsu Motegi


Die elf Vertragspartner des Transpazifischen Handelsabkommens (TPP) sind sich im Grundsatz einig, trotz des Rückzugs der USA an dem Vertragswerk festzuhalten. Alle elf seien sich einig darin, den "Geist des Abkommens" zu erhalten, erklärte der vietnamesische Handelsminister Tran Tuan Anh am Samstag am Rande des Asien-Pazifik-Gipfels in Vietnam. Allerdings soll den Mitgliedsländern erlaubt werden, verschiedene Klauseln des Abkommens auszusetzen.

Japans Wirtschaftsminister Toshimitsu Motegi bestätigte, man habe sich auf ein Rahmenabkommen geeinigt, um den Vertrag zu retten. Widerstand in Kernfragen kam den Angaben zufolge zunächst vor allem von Kanada, deswegen seien die Verhandlungen sehr intensiv gewesen.

Das Abkommen soll in Kraft treten, wenn es sechs der elf Länder ratifizieren. Es sieht unter anderem den Wegfall von Zöllen auf Agrar- und Industrieprodukte vor. Beteiligen wollen sich Australien, Brunei, Chile, Japan, Kanada, Malaysia, Mexiko, Neuseeland, Peru, Singapur und Vietnam. Die Länder repräsentieren 800 Millionen Menschen und 40 Prozent der Weltwirtschaft. TPP soll rund um den Pazifik die größte Freihandelszoneder Welt schaffen.

Zurückweisung von Trumps Handelspolitik

In Da Nang findet der Gipfel der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) statt. Dort soll die grundsätzliche Einigung im Lauf des Samstags verkündet werden. Es bleibe aber noch viel Arbeit zu tun, hieß es von kanadischer Seite.

Die Einigung wäre eine scharfe Zurückweisung von US-Präsident Donald Trump und seiner Handelspolitik. Am Freitag hatte Trump in Da Nang gesagt, die USA böten jedem einzelnen Land bilaterale Handelsabkommen an. Von multilateralen Abkommen halte er nichts, sie seien zum Nachteil der USA.

Der Ausstieg aus dem Handelsabkommen war eines von Trumps Wahlversprechen; er hatte bereits am ersten Tag seiner Amtszeit ein Dekret unterschrieben, mit dem die Arbeit an dem Zwölf-Länder-Vertrag aufgekündigt wurde. Das TPP sei eine "potenzielle Katastrophe" für Amerika und ein "Jobkiller", hatte Trump im Wahlkampf gesagt.

Die USA verhandeln gerade auch mit Kanada und Mexiko über eine Reform der gemeinsamen Handelszone Nafta. Dies macht die Gespräche über TPP komplizierter, da in beiden Abkommen Kanada beteiligt ist.

oka/dpa/Reuters



insgesamt 10 Beiträge
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claudio_im_osten 11.11.2017
1. Ist doch gut.
Jetzt brauchen die nur noch die Aufnahme von China in das Transpazifische Handelsabkommen, dann ist der "Erfolg" von Trump perfekt: Die wirtschaftliche Isolation der USA nach Osten, Norden, Westen und Süden. Vielleicht kann er ja mit den Briten noch Verhandlungen aufnehmen.
tpk 11.11.2017
2. 40?
Die Handvoll kleiner Länder und nur Japan als wirtschaftliches Schwergewicht sollen 40% der Weltwirtschaft repräsentieren? Zusammen mit den USA könnte das noch Sinn machen
fred_m 11.11.2017
3. Bitte wählen: USA oder China
Ich schätze, dass in höchstens 10 Jahren China die USA als wirtschaftlich und militärisch mächtigsten Staat der Welt abgelöst haben wird. Wenn ein Land dann wählen muss zischen eine Freihandelszone wo China drin ist, oder einem unilateralem Vertrag mit den USA (denn das ist ja das einzige, was für Trump in Frage kommt), was wird man dann wohl wählen ? Die Politik von Trump bedeutet: mit Vollgas in eine Sackgasse hineinrasen. "America first" bedeutet in der Praxis: "America alone against the rest of the world".
Bueckstueck 11.11.2017
4.
Zitat von tpkDie Handvoll kleiner Länder und nur Japan als wirtschaftliches Schwergewicht sollen 40% der Weltwirtschaft repräsentieren? Zusammen mit den USA könnte das noch Sinn machen
In deiner Unkenntnis übersiehst du die Anzahl vorallem für den Westen produzierender Staaten - abzüglich USA. Und natürlich auch die Wietschafts- und Konsumwachstumsraten. Du denkst, wie viele hier bei uns, kurz- bis mittelfristig. In Asien denkt man gerne langfristig: in Generationen.
Bueckstueck 11.11.2017
5.
Zitat von fred_mIch schätze, dass in höchstens 10 Jahren China die USA als wirtschaftlich und militärisch mächtigsten Staat der Welt abgelöst haben wird. Wenn ein Land dann wählen muss zischen eine Freihandelszone wo China drin ist, oder einem unilateralem Vertrag mit den USA (denn das ist ja das einzige, was für Trump in Frage kommt), was wird man dann wohl wählen ? Die Politik von Trump bedeutet: mit Vollgas in eine Sackgasse hineinrasen. "America first" bedeutet in der Praxis: "America alone against the rest of the world".
Wenn trump genug Schaden anrichtet, wird das mit der Wirtschaftskraft schneller gehen. Militärisch eher gar nicht. China ist Jahrzehnte davon ehtfernt gleichzuziehen, und das auch nur wenn die USA plötzlich anfang den Militärhaushalt nicht Jahr für Jahr zu erhöhen. Schau dir nur mal die Unterschiede in den Ausgaben an, die Anzahl vorhandener Waffensysteme auf See, den technologischen Vorsprung in allen Bereichen, die Erfahrung in Kriegsführung und den Willen all das auch einzusetzen.
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