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03. Dezember 2001, 13:55 Uhr

PC-Markt

Wir können nur billig

Das Weihnachtsgeschäft mit Heimcomputern ist in den USA offenbar gut angesprungen. Doch die Hersteller zahlen dafür einen hohen Preis.

Krasse Preisnachlässe: Computergeschäft in Dallas
AP

Krasse Preisnachlässe: Computergeschäft in Dallas

New York - Für ganze 899 Dollar bekamen Kunden von Office Depot am Thanksgiving-Wochenende einen schnellen Hewlett-Packard-PC mit Windows XP, einen Farbdrucker, einen Scanner und eine Digitalkamera. Im vorangegangenen Jahr mussten Käufer für einen vergleichbaren PC ohne Software und Zusatzgeräte mehr bezahlen.

Das Beispiel illustriert die derzeitige Situation auf dem amerikanischen PC-Markt. Wie die Autoproduzenten haben die Hersteller alles an Sonderrabatten aufgefahren, was möglich ist. So konnte Hewlett-Packard beispielsweise zu Thanksgiving, dem traditionellen Start der Weihnachtsverkäufe, zwar 20 Prozent mehr PCs absetzen, das brachte aber nur zehn Prozent mehr Umsatz.

Andrew Tallian, HP-Vizepräsident für das Privatkundengeschäft, befürchtet sogar, dass der Verkaufserfolg von Thanksgiving nicht von Dauer ist. "Wir glauben, dass die Leute für Sonderangebote in die Shops gegangen sind. Sie kommen erst bei weiteren Sonderangeboten wieder", sagte er der "New York Times".

Nach dem dritten Quartal 2000 sind die PC-Verkäufe immer weiter zurückgegangen. Auch wenn das letzte Quartal des Jahres etwas besser verlaufen könnte als die vorangegangenen Monate, werde der Umsatz wegen des knallharten Preiswettbewerbs nochmals um ein Prozent zurückgehen, so die Berechnung des Markforschungsinstituts International Data Corporation (IDC).

In dem gnadenlosen Kampf um die Kunden können sich nicht alle Hersteller mithalten. Nachdem Dell nochmals eine Attacke im Preiskrieg gestartet hatte, verabschiedete sich Toshiba in der letzten Woche aus dem Rennen. Der Konzern, der in den USA nur einen Marktanteil von rund einem Prozent hat, will künftig keine Desktops mehr in den USA verkaufen.

Lichtblicke gibt es vor allem bei PC-Zusatzgeräten. So konnte Hewlett-Packard am Thanksgiving-Wochenende einen Anstieg der Verkäufe von Digitalkameras um 75 Prozent melden, der Absatz von Farbdruckern mit Fotoqualität schoss sogar um 140 Prozent in die Höhe.

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