Perfektes Timing Warren Buffetts lukratives Internet-Investment

Während die Weltbörsen weiter schwächeln, hat Anlageguru Warren Buffett offenbar einen neuen Coup landen können. Dem Orakel von Omaha steht eine zweistellige Rendite ins Haus, weil er zum richtigen Zeitpunkt in die Internet-Branche investiert hat.


Wieder mal den richtigen Riecher gehabt: Warren Buffett
AP

Wieder mal den richtigen Riecher gehabt: Warren Buffett

Omaha - Warren Buffett mag keine Technologieaktien. Der Börsenguru kaufte in der Vergangenheit lieber so genannte Value-Aktien wie Coca-Cola Chart zeigen oder Gillette, die sich durch ein erprobtes Geschäftsmodell, eine starke Marke und stabile Erträge auszeichnen. Die viel zu hohe Bewertung von Hightech-Aktien hatte Buffett bereits früh zu der Bemerkung veranlasst, dass man mit der Ignoranz von Investoren nie mehr Geld habe machen können als während des Internet-Booms.

Inzwischen hat Buffett seine Strategie modifiziert. Im Sommer 2002 hatte er über die Geico Corporation, eine Tochter seines Unternehmens Berkshire Hathaway, Schrottanleihen des Internet-Einzelhändlers Amazon.com Chart zeigen für insgesamt 98,3 Millionen Dollar erworben. Der Kurs der hoch verzinsten Junkbonds lag damals am Boden.

Nach mehreren positiven Quartalen hat sich nicht nur der Kurs von Amazon-Aktien inzwischen kräftig erholt, auch die von Buffett erworbene Anleihe ist im Wert wieder deutlich gestiegen. Analysten gehen davon aus, dass das Online-Kaufhaus im Rahmen der Schuldentilgung die Anleihe im kommenden Monat zurückkaufen wird. Nach Berechnungen des Börseninformationsdienstes Bloomberg striche Buffett in diesem Fall einen Gewinn von 16,4 Millionen Dollar ein - das entspräche einer Rendite von satten 17 Prozent. Der Standard & Poor's 500 Aktienindex fiel im gleichen Zeitraum um gut zwölf Prozent.

Blumen für Bezos

Der Einstieg war wohl auch ein Dankeschön an die Adresse von Amazon-Chef Jeff Bezos. Der hatte kurz vor Buffetts Kauf bekannt gegeben, sein Unternehmen werde fortan Managern und Angestellten als Gehaltsbestandteil gewährte Aktienoptionen als Kosten in der Gewinn- und Verlustrechnung ausweisen. Das Gros der amerikanischen Technologieunternehmen verweigert seinen Aktionären eine solch transparente Politik - obwohl Kritiker, allen voran Warren Buffett, das so genannte "options expensing" seit Jahren fordern.

Aber auch sonst hat Buffet sein Herz für Junkbonds von Technologie- und Internetunternehmen entdeckt. Im vergangenen Jahr hat Berkshire Hathaway seinen Bestand an Anleihen mit schlechter Bonität auf 8,3 Milliarden Dollar versechsfacht. Viele der von Buffett ins Visier genommenen Unternehmen hatten in den Neuzigern ein gutes Schuldenrating und sind in der Krise bei den großen Ratingagenturen in Ungnade gefallen.

Buffett hofft, dass diese "gefallenen Engel" mittelfristig wieder auf die Beine kommen und die Kurse ihrer Anleihen wieder anziehen. Berkshire hat unter anderem Bonds von AOL Time Warner, AT&T Chart zeigen oder Level 3 Communications erworben. Auch bei abgeschmierten Versorgern (El Paso) und Mischkonzernen (Tyco) ist das Unternehmen eingestiegen.

Erst letzte Woche bewies Buffett jedoch, dass ihm bodenständige Produkte immer noch am liebsten sind: Für 1,7 Milliarden Dollar in bar kaufte er das amerikanische Unternehmen Clayton Homes, einen Hersteller von Fertighäusern.



© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.