Personalentscheidungen Deutsche und Franzosen beenden Führungsstreit bei EADS

Nach quälenden Wochen hat EADS seine akute Führungskrise bewältigt: Wie SPIEGEL ONLINE aus Unternehmenskreisen erfuhr, sind alle strittigen Personalfragen am Freitag geklärt worden. Demnach sollen sowohl die wichtigste Konzerntochter Airbus als auch die Rüstungssparte von Deutschen geführt werden.

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Künftige EADS-Chefs Enders (2.v.l.) und Forgeard (2.v.r.) mit dem französischen Staatspräsidenten Chirac: Deutsche Seite musste Vierer-Führung akzeptieren
AFP

Künftige EADS-Chefs Enders (2.v.l.) und Forgeard (2.v.r.) mit dem französischen Staatspräsidenten Chirac: Deutsche Seite musste Vierer-Führung akzeptieren

Hamburg - DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp, der einen der Hauptaktionäre bei EADS vertritt, hat am Freitag nach mehreren Telefonaten mit Vertretern der französischen Seite eine Lösung im Führungsstreit erreicht, hieß es Abend. Die Einigung soll am frühen Samstagnachmittag offiziell bekannt gegeben werden.

Damit können der deutsche Thomas Enders und der bisherige Airbus-Chef, der Franzose Noel Forgeard, wie geplant zu Co-Chefs bei EADS ernannt werden. Ihre Beförderung war bereits Ende 2004 beschlossen worden, verzögerte sich aber, weil die deutsche und die französische Seite über die Machtbalance im Konzern stritten. Enders war bisher Chef der EADS-Rüstungssparte.

Humbert und Zoller steigen auf

Neuer CEO bei Airbus soll erwartungsgemäß Gustav Humbert werden, bislang Stellvertreter Forgeards. Auch die Rüstungsparte wird künftig von einem deutschen Manager geführt - dem bisherigen Chef der Sparte Defence and Communications Systems (DCS), Stefan Zoller. Das französische Lager hatte zuletzt darauf gedrungen, diesen Posten mit einem seiner Kandidaten zu besetzen.

Künftiger Airbus-Chef Humbert: Ende der Chaoswochen
AFP

Künftiger Airbus-Chef Humbert: Ende der Chaoswochen

Nach Darstellung der Unternehmenskreise ist eine weitere Streitfrage zu Gunsten der deutschen Seite gelöst worden. Der Chef der EADS-Tochter Eurocopter, Fabrice Bregier, werde künftig an Enders berichten. Von französischer Seite war verlangt worden, den Eurocopter-Chef Forgeard zu unterstellen. Die deutsche Seite hatte befürchtet, der ehrgeizige Franzose würde damit zu viel Macht gewinnen. Forgeard hatte die Führungskrise provoziert, weil er versucht hatte, alleiniger EADS-Chef zu werden.

Deutsche billigen Doppel-COO-Lösung

Auch die deutsche Seite musste Zugeständnisse machen: Sie akzeptiert, dass der Führungszirkel bei EADS auf vier Personen ausgeweitet wird: Künftig soll es neben den Co-Chefs Enders und Forgeard auch zwei COOs (Chief Operating Officer) geben. Dies war eine Forderung der Franzosen. Einer der COO-Posten wird künftig von Jean-Paul Gut bekleidet, der jetzt schon Vorstand für Marketing ist. Sein Kollege wird Hans Peter Ring, der Finanzvorstand bei EADS. Beide werden ihre alten Zuständigkeiten weiter behalten und übernehmen den COO-Posten zusätzlich.

DaimlerChrysler hält rund 30 Prozent der Anteile an EADS, der französische Staat und die Firmengruppe Lagardere kontrollieren jeweils weitere 15 Prozent. Ein Treffen der beiden Co-Chairmen Manfred Bischoff und Arnaud Lagardere am Donnerstag hatte zwar eine Annäherung, aber noch keine Lösung gebracht.

Schrempps Deadline

EADS stand unter großem Druck, die seit Wochen schwelende Krise beizulegen. Mitte der Woche hatte die deutsche Bundesregierung öffentlich auf eine rasche Klärung gedrängt. "Es wäre gut, wenn die Personalfragen definitiv gelöst würden", hatte der Wirtschaftsstaatssekretär Bernd Pfaffenbach gesagt. Er deutete an, dass EADS im internationalen Wettbewerb zurückfallen könne, wenn die Managementfragen länger offen blieben. Auf der internationalen Luftfahrtmesse in Le Bourget hatte EADS eine gemeinsame Pressekonferenz mit Enders und Forgeard kurzfristig absagen müssen.

Auch Schrempp hatte vergangenen Freitag eine Deadline gesetzt: "Wir werden in der nächsten Woche eine Entscheidung haben", hatte er laut Nachrichtenagentur Reuters gesagt.



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