Perspektiven Mehrheit der Deutschen befürchtet triste Zukunft

Eine Hiobsbotschaft nach der anderen - das zeigt Wirkung: Einer Umfrage zufolge glaubt inzwischen die Mehrheit der Bevölkerung, dass es wirtschaftlich bergab geht. Nur noch 18 Prozent erwarten eine Verbesserung.


Hamburg - Wie gravierend sich die Stimmung verändert hat, zeigt ein Blick auf die Zahlen des Vorjahres: Im Mai 2007 hatten insgesamt 41 Prozent die Perspektiven positiv beurteilt, 28 Prozent negativ. Nach der milliardenschweren Rettungsaktion für die Mittelstandsbank IKB im Zuge der Finanzkrise im August 2007 stieg die Zahl derer, die die wirtschaftlichen Aussichten Deutschlands mit Skepsis sehen, aber wieder stetig, wie auch die jüngste Umfrage des Forsa-Instituts für "Stern" und RTL belegt.

Fußgängerzone in Köln: Frühzeitig die Folgen der Bankenkrise erkannt
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Fußgängerzone in Köln: Frühzeitig die Folgen der Bankenkrise erkannt

Eine wesentliche Ursache für die Mutlosigkeit sieht der Leiter des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts, Thomas Straubhaar, in der anhaltenden Bankenkrise. Nach der IKB hatten zahlreiche andere Banken eingestehen müssen, am US-Immobilienmarkt Milliarden verloren zu haben. Das habe das Vertrauen der Deutschen in die Banken erschüttert, sagte der Experte dem "Stern".

Die Deutschen hätten frühzeitig die Folgen der Bankenkrise für die Wirtschaft erkannt. Selbst positive Entwicklungen wie der Rückgang der Arbeitslosigkeit oder Lohnerhöhungen hätten den Negativtrend nicht drehen können.

Dieser Trend wird sich nach Überzeugung der Fachleute auch noch weiter fortsetzen. Führende Wirtschaftsexperten rechnen für Herbst sogar mit einem kräftigen Rückgang der Arbeitslosenzahl. "Ich halte es für möglich, dass im Spätherbst die Arbeitslosigkeit die 3-Millionen-Grenze unterschreitet", sagte der Vorsitzende der Wirtschaftsweisen, Bert Rürup, der "Bild"-Zeitung. Der Jahresdurchschnitt werde dennoch bei gut 3,4 Millionen liegen.

Auch der Chefvolkswirt von Allianz und Dresdner Bank, Michael Heise, rechnet mit einem Rückgang der Arbeitslosigkeit: "Nach dem starken Job-Aufbau auch Anfang 2008 ist es möglich, dass die Arbeitslosigkeit - früher als erwartet - schon im Oktober unter drei Millionen absinkt." Es gebe derzeit wegen der Finanzmarktkrise starke Belastungen, die Deutschland bisher aber gut verkraftet habe. "Wenn jetzt die Politik die Reformen nicht zurückdreht und keine Beschäftigungshemmnisse aufbaut, werden wir uns wundern, wie stark die Arbeitslosigkeit noch sinkt", sagte Heise.

mik/AFP



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