Pessimistische Prognose Firmenpleiten nehmen 2009 zu

Die weltweit drohende Rezession macht sich bemerkbar: Die Zahl der Firmenpleiten wird wieder steigen - nicht nur in Deutschland. Experten rechen für 2009 in Europa mit fast 200.000 insolventen Unternehmen.


Hamburg - Besonders Großbritannien, die Niederlande, Ungarn, Tschechien, Italien und Frankreich sind betroffen: Insgesamt rechnet der Kreditversicherer Euler Hermes für Europa mit knapp 170.000 insolventen Unternehmen in diesem und mit 197.000 Pleiten im nächsten Jahr. Auch die Prognose für Deutschland sieht nicht gut aus: Für 2008 gehe man von einem Zuwachs der Insolvenzen gegenüber dem Vorjahr um drei Prozent auf rund 30.100 aus, teile Euler Hermes am Montag in Hamburg mit. Für 2009 erwarten die Experten sogar 33.800 zahlungsunfähige Unternehmen.

Räumungsverkauf in Magdeburg: Experten erwarten mehr als 30.000 Insolvenzen in diesem Jahr
DDP

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Besonders betroffen sei demnach die Industrie. Für die Branche werde nach einem Rückgang von fünf Prozent im laufenden Jahr ein Anstieg der Insolvenzen um rund 30 Prozent prognostiziert. Im Handel wird es den Angaben zufolge mit einem Plus von zehn Prozent und im Baugewerbe mit einer Zunahme von neun Prozent ebenfalls deutlich mehr Unternehmenspleiten geben.

Ausfallrisiko für kleinere und mittlere Unternehmen

Durch die steigenden Insolvenzzahlen nimmt den Experten zufolge vor allem für kleinere und mittlere Unternehmen das Ausfallrisiko zu. Denn die Lieferantenkredite tragen mit 320 Milliarden Euro in den vergangenen Jahren laut Euler Hermes inzwischen stärker zur Unternehmensfinanzierung bei als die rund 300 Milliarden Euro Bankkredite.

Zudem steige auch die Gefahr der Zahlungsausfälle bei den ausländischen Handelspartnern. Die Rezession habe die Wirtschaft rund um den Globus im Griff. Nach einem bereits deutlichen Anstieg der Firmenpleiten in den USA im Vorjahr rechnen die Experten für 2008 und 2009 mit einer weiteren Zunahme von 45 und 50 Prozent. Etwas schwächer verlaufe die Entwicklung hingegen in Japan, für das im kommenden Jahr mit einem Plus der Firmenpleiten von knapp acht Prozent nach zwölf Prozent 2008 gerechnet wird.

Das Weltwirtschaftswachstum wird sich durch die Finanzkrise nach Einschätzung der Vereinten Nationen (Uno) im kommenden Jahr von 2,5 Prozent 2008 auf lediglich 1,0 Prozent abschwächen. Die ergriffenen Maßnahmen könnten sich als zu gering und zu spät herausstellen, schreibt die Organisation am Montag in einem auf der Entwicklungskonferenz in Doha vorgestellten Bericht.

Insbesondere die Situation der Entwicklungsländer habe sich deutlich verschlechtert. Die meisten Industriestaaten seien im zweiten Halbjahr 2008 in eine Rezession gerutscht und das strahle nun auf die Entwicklungsländer aus. Großangelegte und koordinierte fiskalpolitische Stützungsmaßnahmen dürften zwar das Schlimmste der Krise abfangen. Allerdings verhinderten diese Maßnahmen nicht eine erhebliche Abschwächung des weltweiten Wirtschaftswachstums 2009.

Stimmung erreicht Rekordtief

Und das zeigt sich schon jetzt: In der Euro-Zone hat sich die Stimmung der Einkaufsmanager im verarbeitenden Gewerbe im November laut informierten Kreisen stärker als zunächst ermittelt eingetrübt. Der entsprechende Index sei nach endgültigen Zahlen von 41,1 Punkten im Vormonat auf 35,6 Punkte gefallen. Dies ist der niedrigste Stand seit Beginn der Aufzeichnungen vor elf Jahren. In der Erstschätzung war nur ein Rückgang auf 36,2 Punkte ermittelt worden. Analysten hatten eine Bestätigung erwartet.

In Deutschland, der größten Volkswirtschaft des Euroraums, trübte sich die Stimmung ebenfalls stärker als ursprünglich gemeldet ein. Der Indikator erreichte ein Rekordtief. Auch in Frankreich, der zweitgrößten Wirtschaft des Währungsraums, sank der Stimmungsindikator stärker als ursprünglich gemeldet. Der italienische Indikator sank auf den tiefsten Stand seit Beginn der Erhebungen vor elfeinhalb Jahren. In Italien wird keine Erstschätzung durchgeführt.

Ab einem Wert von 50 Punkten deuten die Indikatoren auf einen Anstieg der wirtschaftlichen Aktivität hin. Liegen die Kennzahlen unter diesem Wert, kann von einem Rückgang ausgegangen werden.

sam/ddp/dpa-AFX



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