Pharma-Fusion Bayer will bei Schering-Übernahme 6000 Jobs streichen

Ohne Jobabbau wird die Übernahme des Berliner Pharmaherstellers Schering durch den Chemiekonzern Bayer wohl nicht über die Bühne gehen. Bayer-Chef Werner Wenning rechnet mit dem Wegfall von bis zu 6000 Stellen.


Leverkusen/Berlin - Die Größenordnung von 6000 Stellen ergebe sich als Erfahrungswert, sagte der Bayer-Chef heute bei einer Analystenkonferenz. Das Einsparpotenzial liege bei etwa zehn Prozent der in diesem Segment beschäftigten Mitarbeiter, so Wenning.

Bayer-Chef Wenning: Einsparpotenzial bei Mitarbeitern
DDP

Bayer-Chef Wenning: Einsparpotenzial bei Mitarbeitern

Bayer Chart zeigen will Schering Chart zeigen in der größten Übernahme der Firmengeschichte für insgesamt 16,3 Milliarden Euro oder 86 Euro pro Aktie kaufen. Der künftige gemeinsame Pharmabereich der beiden Unternehmen soll vom Schering-Stammsitz Berlin aus geführt werden.

Mit der Offerte stechen die Leverkusener die feindliche Offerte des Darmstädter Merck-Konzerns in Höhe von 14,6 Milliarden Euro aus. Nach den Worten von Schering-Vorstandschef Hubertus Erlen hat das Schering-Management unmittelbar nach Bekanntwerden des als feindlich eingestuften Übernahmeangebots der Merck-Gruppe Kontakt zu Bayer aufgenommen. Erstmalig sei mit Bayer am 13. März gesprochen worden. An diesem Tag hatte Merck seine Offerte öffentlich gemacht.

Erlen sagte zum möglichen Jobabbau heute in einer Telefonkonferenz in Berlin: "Ich kenne keine konkreten Zahlen von Arbeitsplätzen." Beide Unternehmen, Bayer und Schering, hätten jedoch "hohe soziale Standards". Wo die angepeilten Einsparungen von 700 Millionen Euro erzielt werden, werde letztlich vom neuen Management entschieden. Ob er diesem angehören wird, ließ Erlen offen.

Schering stützt Bayer-Angebot

Erlen sieht nach der Vorlage des Bayer-Übernahmeangebots keine Möglichkeit mehr für den Berliner Pharmakonzern, eigenständig zu bleiben. Dies sei dem Vorstand vor dem Hintergrund des "äußerst attraktiven Angebots" klar geworden, sagte der Manager. Die Schering-Führung habe die Übernahmeofferte von Bayer einstimmig unterstützt. Über die Annahme des Angebots werde nun auf einer rasch einzuberufenden Aufsichtsratssitzung entschieden.

Als entscheidend für die Zustimmung von Schering zum Kaufangebot des Leverkusener Konzerns wertete Schering neben dem Preis auch die Zusage, dass das fusionierte Pharmageschäft beider Unternehmen am Schering-Stammsitz in Berlin gebündelt werden soll. Die Hauptstadt soll auch ein wichtiger Forschungsstandort bleiben. Er sehe dadurch "neue Chancen für das Schering-Geschäft und für Berlin", sagte Erlen.

suc/dpa/ddp


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