Pharmabranche Wyeth-Übernahme durch Pfizer kostet mehr als zehntausend Arbeitsplätze

Die Übernahme des Impfstoff-Spezialisten Wyeth durch den Pharmariesen Pfizer ist eine schlechte Nachricht für die 130.000 Beschäftigten beider Konzerne: Im Zuge des 68-Milliarden-Dollar-Geschäfts sollen rund zehn Prozent der Stellen wegfallen.


New York - Es ist eine der größten Firmenübernahmen seit Jahren und die bedeutendste seit dem Ausbruch der Finanzkrise. Gemeinsam mit Wyeth Chart zeigen wird der weltgrößte Pharmahersteller Pfizer Chart zeigen seinen Vorsprung auf die Konkurrenz noch vergrößern. Zusammen kommen die zwei Pharmakonzerne, die heute in New York die Pläne für einen Zusammenschluss bestätigten, auf einen Jahresumsatz von zuletzt rund 75 Milliarden Dollar.

Pfizer Erfolgsprodukt Lipitor: Aufschlag von 29 Prozent auf die Wyeth-Aktie
AFP

Pfizer Erfolgsprodukt Lipitor: Aufschlag von 29 Prozent auf die Wyeth-Aktie

Pfizer wickelt den Kauf für den Biotechnologie-Spezialisten Wyeth in einer Kombination aus Bargeld und Aktien ab. Zur Finanzierung halbiert der Konzern seine Dividende. Etwa ein Drittel des Kaufpreises wird von einem Bankenkonsortium finanziert. Je Wyeth-Aktie will Pfizer 50,19 Dollar bezahlen - das wäre ein Aufschlag von 29 Prozent auf den Schlusskurs vom vergangenen Donnerstag, ehe am Markt Spekulationen über das Geschäft auftauchten. Der Kaufpreis beinhaltet 33 Dollar in bar und 0,985 Pfizer-Aktien je Wyeth-Papier. Die Wyeth-Aktionäre halten damit künftig etwa 16 Prozent am neuen Konzern.

Die Mitarbeiter beider Unternehmen dürften das Geschehen mit gemischten Gefühlen verfolgen. Denn im Zuge der Übernahme sollen rund zehn Prozent der Stellen wegfallen. Von den zuletzt weltweit insgesamt gut 130.000 Mitarbeitern müssen also 13.000 um ihren Job bangen.

Der Branchenführer erwartet durch den Zusammenschluss jährliche Einsparungen von vier Milliarden Dollar, schreibt die "New York Times". Die größte Herausforderung steht Pfizer allerdings noch bevor: Das Top-Medikament Lipitor wird womöglich schon 2011 seinen Patentschutz verlieren. Lipitor ist das meistverkaufte Medikament der Welt mit einem Jahresumsatz von zuletzt rund 13 Milliarden Dollar. Pfizer dürfte dann auf einen Schlag ein Milliarden-Umsatz wegbrechen.

Ein weiteres Pfizer-Medikament ist die Potenzpille Viagra. Forschende Pharmakonzerne wie Pfizer und Wyeth stehen unter Druck durch konkurrierende billigere Nachahmermedikamente.

Seine gegenwärtige Führungsposition in der Pharmaindustrie verdankt Pfizer Zukäufen. Dazu gehört der Kauf des US-Rivalen Warner-Lambert im Jahr 2000 für rund 88 Milliarden Dollar - die bislang teuerste Übernahme in der Branche. Drei Jahre später war es der US-Konzern Pharmacia für etwa 60 Milliarden Dollar. Mit der Übernahme von Wyeth würde Pfizer die Branche erneut aufmischen und möglicherweise eine neue Fusionswelle einleiten. In Deutschland wurde Pfizer zuletzt als einer der Kandidaten für eine Übernahme des Ulmer Arzneimittelherstellers Ratiopharm gehandelt.

Die Wyeth-Übernahme kommt allerdings nicht gerade zum günstigsten Zeitpunkt: Im Schlussquartal 2008 brach der Gewinn von Pfizer um 90 Prozent auf 266 Millionen Dollar ein - nicht zuletzt wegen des laufenden Konzernumbaus und der damit verbundenen Rechtsstreitigkeiten. Lässt man die Sonderposten außen vor, bleibt dagegen ein Gewinnanstieg, der sogar stärker ausfiel als von Experten erwartet. Der Umsatz fiel um vier Prozent auf 12,35 Milliarden Dollar.

Im Gesamtjahr 2008 verdiente Pfizer nach allen Sonderposten mit 8,1 Milliarden Dollar praktisch so viel wie im Vorjahr. Je Aktie waren das 1,19 Dollar. Im laufenden Jahr rechnet Pfizer mit einem Gewinn je Aktie zwischen 1,34 und 1,49 Dollar, beim Umsatz mit einem Wert zwischen 44 und 46 Milliarden Dollar.

Die umsatzstärksten Pharmahersteller der Welt

Rubrik: Unternehmen Pharmaumsatz (2007, Mrd Euro) Gesamtumsatz
1. Pfizer (USA) 32,4 35,4
2. GlaxoSmithKline (Großbritannien) 28,1 33,2
3. Sanofi-Aventis 25,3 28,0
4. Novartis (Schweiz) 22,8 27,8
5. Roche (Schweiz) 22,4 28,1
6. Astra Zeneca (Großbritannien) 21,6 21,6
7. Johnson & Johnson (USA) 18,2 44,6
8. Merck & Co (USA) 17,7 17,7
9. Eli Lilly & Co (USA) 13,6 13,6
10. Wyeth (USA) 13,6 16,4
11. Bayer (Deutschland) 12,9 32,4

mik/dpa/Reuters/dpa-AFX



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