Pipeline-Konflikt Russisches Gas erreicht wieder EU

Endlich steigt der Druck in den Pipelines: Gas aus Russland hat erstmals wieder die Slowakei erreicht. Zwei Wochen lang waren die Leitungen quer durch die Ukraine blockiert.


Moskau/Bratislava - Zunächst hatten sich die Lieferungen aus technischen Gründen um mehrere Stunden verzögert. Doch um 12 Uhr hatte der Druck in den Leitungen endlich wieder die Sollstärke erreicht. Das bestätigte der slowakische Wirtschaftsminister Lubomir Jahnatek. Auch der ukrainische Energieversorger Naftogas bestätigte die einwandfreie Durchleitung an der Messstation Uschgorod an der ostslowakischen Grenze.

Trotz Einigung im Gasstreit hatten die Kunden überall in Europa sich zunächst gedulden müssen. Zwar habe die Ukraine die Leitungen für das russische Gas geöffnet, sagte ein Sprecher der staatlichen ukrainischen Gasgesellschaft Naftogas. Der Transit nach Europa benötige wegen laufender technischer Arbeiten aber noch mehrere Stunden. Ohnehin braucht das Gas mindestens einen Tag, um bei den Endverbrauchern im Westen anzukommen.

Gasstation (in Sachsen-Anhalt): Russland nimmt die Lieferung wieder auf
DDP

Gasstation (in Sachsen-Anhalt): Russland nimmt die Lieferung wieder auf

Ein Vertreter des Gazprom-Konzerns bestätigte, dass die Ukraine grundsätzlich wieder russisches Gas in ihre Pipelines lasse. "Die Ukraine hat das russische Gas akzeptiert", sagte ein Vertreter des staatlichen russischen Energieriesen in der Gasmessstation Sudscha an der russisch-ukrainischen Grenze am Dienstag. Die Exporte in die EU und in die Ukraine würden die Gesamtmenge von 423 Millionen Kubikmetern pro Tag wieder erreichen, teilte Gazprom mit, davon 348 Millionen Kubikmeter für die EU und 75 Millionen Kubikmeter für die Ukraine.

Zuvor hatte der russische Konzern bekanntgegeben, seit der Nacht zum Dienstag wieder Gas in Richtung Europa zu pumpen. Gazprom und der ukrainische Energiekonzern Naftogas unterzeichneten am Montag ein Abkommen zur Beendigung ihres Streits. Die Unterbrechung der Lieferungen am 7. Januar hatte in mehreren europäischen Ländern zu Engpässen geführt.

Nach Angaben von Gazprom-Chef Alexej Miller zahlt die Ukraine im ersten Quartal 360 Dollar je 1000 Kubikmeter Gas aus Russland. Das entspricht einem Rabatt von 20 Prozent auf den sonst in Europa üblichen Marktpreis. Miller drohte der Ukraine, den Preis auf 100 Prozent anzuheben, sollte es wie in der Vergangenheit zu neuen Verzögerungen kommen. Die Gaspreise sollen in diesem Jahr deutlich sinken. Durch den Preisverfall hofft die Ukraine auf einen Jahresdurchschnittspreis von deutlich unter 250 Dollar.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) lobte die Einigung zwischen Russland und der Ukraine im Gasstreit. "Ich freue mich, dass heute wieder Gas fließen soll, auch wenn bis jetzt noch keines da ist", sagte er. An die Adresse der Streitparteien sagte er, es dürfe künftig nicht jedes Jahr zur Jahreswende zu Situationen wie dem nun beendeten Gaskonflikt kommen. Die Russen und die Ukrainer sollten ihre Probleme untereinander lösen. In diesem Fall sei er zu Lasten vieler Unbeteiligter gegangen, indem Lieferzusagen an andere Länder nicht eingehalten wurden. Dies sei völlig "inakzeptabel".

mik/kaz/AFP/AP/dpa



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