Pixelpark-Chef Neef "Nie wieder Geschäfte mit Boris Becker"

Am Montag hat Boris Beckers Internet-Portal Sportgate Insolvenz beantragt. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE erklärt Beckers Partner, der Pixelpark-Chef Paulus Neef, warum er von Projekten mit dem Tennisidol geheilt ist.

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Partner Becker, Thoma, Neef: "Wenn es ums Geld ging, hörte die Freundlichkeit auf"
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Partner Becker, Thoma, Neef: "Wenn es ums Geld ging, hörte die Freundlichkeit auf"

Berlin - Mit der Firma Pixelpark hat Paulus Neef in Berlin und mittlerweile international eine der größten Internetagenturen Deutschlands aufgebaut. Als Partner stieg Neef im vergangenen Jahr bei dem Sportportal Sportgate ein. Weitere Gesellschafter waren der Ex-Tennisspieler Boris Becker, der deutsche Sportbund und der ehemalige RTL-Chef Helmut Thoma.

Eigentlich sollte das Portal den mehreren Millionen Sportbundmitgliedern exklusive Informationen über Sport anbieten. Becker besitzt 55 Prozent der Anteile, Neef etwa fünf Prozent. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE jedoch hat Becker bis heute kein Kapital in die Firma gesteckt und den Hauptteil von Pixelpark-Chef Paulus Neef und anderen Partnern bekommen.

Doch die Entwicklung des Portals stockte, eigentlich sollte es bereits zu den Olympischen Spielen 2000 starten. Letztlich jedoch ging Sportgate erst im März 2001 an den Start. Am Montag dann teilte die Firma mit, dass sie Konkurs angemeldet hat. Als Grund wurden Unstimmigkeiten zwischen Becker und Neef genannt. Nach Informationen von Insidern weigerte sich Becker bis zum Schluss, endlich Kapital von etwa 1,5 Millionen Mark in die Firma zu stecken. SPIEGEL ONLINE sprach mit Paulus Neef über das Scheitern von Sportgate.

SPIEGEL ONLINE: Herr Neef, die Firma Sportgate hat am Montag den Konkurs angemeldet. Woran lag es, dass es nicht mehr weiterging?

Neef: Letztlich konnten sich die Gesellschafter, also Herr Becker, der deutsche Sportbund, Venturepark und ich nicht einigen, wie es weitergehen soll. Konkret ging es darum, wer wie viel Geld in die Firma stecken sollte. Prinzipiell war Sportgate nicht in finanzieller Not, wenn alle Partner ihre Verpflichtungen nachgekommen wären.

SPIEGEL ONLINE: Immer wieder hieß es, prinzipiell sei man sich einig, und doch scheiterten die Verhandlungen. Deshalb die konkrete Frage: Wer wollte nicht zahlen?

Neef: Das kann man so einfach nicht sagen. Sowohl ich als auch Herr Becker hätten als Gesellschafter den Finanzbedarf der Firma decken müssen. Insgesamt hatte Sportgate rund eine Million Verpflichtungen an andere Firmen, die bezahlt werden mussten. Ich bin meiner Verpflichtung nachgekommen und habe einen Investor benannt. Aber vielfache Versuche, mit Herrn Becker Termine für die notwendigen Gespräche und Abstimmungen darüber zu machen, sind leider alle gescheitert. Daraufhin habe ich verständlicherweise auf ein weiteres Zeichen von Herrn Becker gewartet, bevor ich weitere Schritte unternehme, doch der war in den letzten Tagen ja nicht mal mehr telefonisch zu erreichen.

SPIEGEL ONLINE: Das heißt, Herr Becker wollte die Firma nicht retten oder einfach nicht zahlen?

Neef Das kann er Ihnen nur selbst sagen. Immerhin haben wir uns in der vorvergangenen Woche noch mehrmals persönlich in München getroffen und in verschiedenen Runden die Lage besprochen. Persönlich schien mir Becker durchaus bereit, etwas für die Firma zu tun. Aber wenn es ums Geld ging, hörte die Freundlichkeit auf. Sie müssen bedenken, dass Herr Becker die große Mehrheit der Anteile hält, ich aber bis heute der einzige Beteiligte bin, der mehrere Millionen Mark in die Firma gesteckt hat - obwohl ich nur fünf Prozent der Anteile halte.

SPIEGEL ONLINE: Was sollte oder wollte Becker dann überhaupt bei Sportgate?

Neef: Als wir bei Pixelpark die Idee für Sportgate hatten, wollten wir ein Zugpferd mit einem großen Namen aus der Sportbranche. Da gab es zu der Zeit keinen besseren als Boris Becker. Er war jung, erfolgreich und vor allem internetkompatibel, wie wir so sagen. Prinzipiell also der beste Partner, den man sich vorstellen kann. Zu seinen Plänen bei Sportgate müssen Sie Herrn Becker selbst fragen. Zu Beginn war er interessiert und engagiert, leider ließ das nach. Schließlich kümmerte er sich gar nicht mehr um die Firma und erschien nur noch bei offiziellen Terminen.

SPIEGEL ONLINE: Nun liegt ein Konkursantrag vor. Wie geht es mit Sportgate weiter?

Neef: Der Vorstand von Sportgate hat den Antrag gestellt, das Insolvenzverfahren zu eröffnen. Als nächstes wird ein Insolvenzverwalter eingesetzt, der die weiteren Schritte einleitet.

SPIEGEL ONLINE: Das heißt, Sie glauben immer noch an die Vision von Sportgate. War die Idee nicht eine klassische Phantasie der Internet-Boom-Zeit?

Neef: Keineswegs. Ich denke immer noch, dass wir mit einem solchen Sportportal und mit so guten Partnern wie dem Sportbund, Boris Becker oder Herrn Thoma die Sache auf die Beine gestellt hätten. Die Idee, Sportfans aus allen Ecken Deutschlands zu verbinden und ihnen exklusive Nachrichten zu bieten, halte ich immer noch für extrem erfolgversprechend. Wenn das nicht so wäre, hätte ich mich ja wohl auch kaum bis zum letzten Tag um die Rettung des Unternehmens und der Geschäftsidee gekämpft.

SPIEGEL ONLINE: Nun wurden in den letzten Tagen laute Vorwürfe in der "Bild"-Zeitung gegen Sie erhoben. Angeblich sollen Sie laut dem Bericht Ihren Anteil nicht bezahlen wollen und so die Firma zerstören. Wie haben Sie das empfunden?

Neef: Das war eine extrem enttäuschende Geschichte, die mich auch persönlich getroffen hat. Wir hatten selbstverständlich während der laufenden Krisengespräche eine Informationssperre unter allen Beteiligten vereinbart, an die ich mich auch gehalten habe, um bis zum letzten Zeitpunkt dem Unternehmen eine Chance zu geben. Die in der letzten Woche lancierten Informationen, die auch noch sachlich falsch sind und mich als Schuldigen der Krise ausmachen, haben mich sehr betroffen gemacht. Es zeigte aber auch, dass es offenbar keine Geschäfts- oder Gesprächsbasis mehr gab. Für die Außenwirkung war es für uns beide extrem schädlich. Sowohl mein Name aber auch die Marke Boris Becker haben Kratzer bekommen.

SPIEGEL ONLINE: Was werden Sie Herrn Becker sagen, wenn Sie sich das nächste Mal sehen?

Neef: Vermutlich gar nichts. Nach dieser Erfahrung werde ich mein geschäftliches Verhältnis zu Herrn Becker bei Sportgate und bei allen zukünftigen Geschäften beenden.



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