Pläne für Milliarden-Zukauf Continental will Schaeffler die Übernahme vermiesen

Eigene Übernahmepläne, um eine Übernahme zu vermeiden: Der Automobilzulieferer Continental denkt angeblich über einen milliardenschweren Zukauf nach. Dieser Schachzug soll dafür sorgen, dass die Schaeffler-Gruppe den Konzern nicht wie geplant schlucken kann.


Hannover - Mehrere Zeitungen berichten übereinstimmend, Continental-Vorstandschef Manfred Wennemer plane selbst die Übernahme eines drei Milliarden Euro teuren Autozulieferers. Konkrete Übernahmeziele wurden aber nicht genannt. Durch den Zukauf wolle Wennemer der Schaeffler-Gruppe den Einstieg bei Continental Chart zeigen deutlich unattraktiver machen. Die "Financial Times" schreibt, das Geld für den Zukauf solle aus einer Kapitalerhöhung bei Continental kommen.

Conti-Chef Wennemer: Giftpille soll Schaeffler den Einstieg verleiden
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Conti-Chef Wennemer: Giftpille soll Schaeffler den Einstieg verleiden

Das Manöver dürfte allerdings einigermaßen riskant sein. Immerhin hat Conti bereits jetzt einen immensen Schuldenberg, der mit zehn Milliarden Euro angegeben wird. Wennemer, so heißt es in der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung", wolle seine neue Abwehrstrategie der Zeitung zufolge am kommenden Mittwoch dem Aufsichtsrat vorschlagen.

Es ist aber längst nicht sicher, ob die Kontrolleure dem Plan zustimmen werden. Conti-Aufsichtsrat Erwin Wörle, der als Gewerkschaftsvertreter in dem Kontrollgremium sitzt, sagte dem "Tagesspiegel am Sonntag", die Geschäfte beider Firmen würden sich gut ergänzen. Deswegen befürworte er eine Übernahme: "Ich gehe davon aus, dass der Einstieg von Schaeffler funktioniert", sagte Wörle.

Der Conti-Aufsichtsrat soll das Schaeffler-Übernahmeangebot am kommenden Mittwoch beraten. Vor mehreren Wochen hatte das Gremium den gebotenen Preis von 70,12 Euro je Aktie als zu niedrig abgelehnt. Der Vorstand wurde außerdem mit der Erarbeitung einer Abwehrstrategie beauftragt - so sucht die Firma nach einem sogenannten Weißen Ritter, der die Übernahme verhindern könnte.

Parallel laufen aber offenbar auch noch Gespräche mit Schaeffler. Das Unternehmen hält derzeit rund acht Prozent der Conti-Aktien. Daneben hatte sich der Konzern über sogenannte Swap-Geschäfte den Zugriff auf weitere 28 Prozent der Papiere gesichert und damit börsliche Meldepflichten umgangen.

Schaeffler hat laut Zeitungsberichten für den Fall einer friedlichen Einigung die Erhöhung der Offerte auf 74 Euro pro Aktie angekündigt. In Conti-Kreisen gelte jedoch nur ein Angebot von rund 80 Euro als akzeptabel, heißt es.

chs/Reuters/ddp/AFP



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