Plagiatsvorwurf Facebook verklagt StudiVZ

Der deutsche Ableger des Online-Netzwerks Facebook hat seinen Konkurrenten StudiVZ verklagt. Die Community sei eine Kopie des US-Originals und habe sich heimlich dessen Daten verschafft - das deutsche Unternehmen weist die Vorwürfe zurück.

Köln - Logo, Features und der Service - all das soll nur kopiert sein: Der deutsche Ableger des sozialen Internet-Netzwerks Facebook hat seinen Konkurrenten StudiVZ vor dem Landgericht Köln verklagt. StudiVZ sei ein Plagiat des amerikanischen Facebook-Originals, lautet nach Angaben der Gerichtspressestelle der in der ersten mündlichen Verhandlung vorgelegte Vorwurf. StudiVZ habe mit seinem Logo, Features und seinem Service geistiges Eigentum von Facebook kopiert.

Zudem soll StudiVZ illegal auf Facebook-Computersysteme Zugriff gehabt und sich Daten - darunter den Facebook-Quellcode - verschafft haben. Die Ähnlichkeit der beiden Seiten lässt sich kaum bestreiten, noch dazu gewährten die Entwickler von StudiVZ einen pikanten Einblick in ihr Programm: Eine Fehlermeldung der StudiVZ-Seite zeigte, dass die Programmierer ihrer Anwendung den Namen "Fakebook" gegeben hatten.

Wegen der Ähnlichkeit der beiden Seiten hatte Facebook den Konkurrenten StudiVZ bereits im Juli 2008 vor einem Gericht im US-Bundesstaat verklagt, im November folgte eine Klage auf Unterlassung beim Landgericht Köln. Ein Sprecher von StudiVZ bezeichnete die Vorwürfe als haltlos.

Der Vorsitzende der Kölner Wettbewerbskammer, Vorsitzender Richter Heinz Georg Schwitanski, schlug vor, die Prozessbeteiligten sollten sich nach Möglichkeit außergerichtlich auf die Beauftragung eines Gutachters einigen. Dieser solle durch einen Vergleich der Quellcodes der Kontrahenten feststellen, ob und was kopiert worden ist. Kommt es zu keiner Einigung, soll Mitte Juni eine Entscheidung des Gerichts gefällt werden.

Facebook ist blau, StudiVZ rot - sonst ist alles gleich

StudiVZ, das als Marktführer in Deutschland gilt, war im Oktober 2005 gegründet und Anfang 2007 für mehr als 50 Millionen Euro von der Verlagsgruppe Holtzbrinck übernommen worden. Facebook hat StudiVZ bereits vor einem Gericht in Kalifornien verklagt.

Tatsächlich ist der einzige gravierende Unterschied zwischen beiden Wettbewerbern ihr Farbschema: Facebook ist blau, StudiVZ rot. Ansonsten haben beide Konkurrenten fast alles gemeinsam, angefangen von der Anstups-Funktion ("Poke") über die Pinnwand ("Wall") bis hin zum Design. Facebook war in den USA Anfang 2004 als Netzwerk für Harvard-Studenten ins Web gegangen. Danach konnten zunächst nur Studenten ausgewählter US-Hochschulen Mitglieder werden. Seit 2006 ist die Seite für Menschen, die älter als 13 Jahre sind, allgemein zugänglich.

Facebook hat weltweit mehr als 200 Millionen Nutzer, in Deutschland sollen es mehr als zwei Millionen sein. StudiVZ hat eigenen Angaben zufolge 5,5 Millionen Nutzer, bei den Schwesterplattformen SchülerVZ und MeinVZ sind noch einmal rund 7,5 Millionen Menschen angemeldet.

sam/ore/dpa
Mehr lesen über Verwandte Artikel