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Medien Plant Kirch den Alleingang?

aus DER SPIEGEL 6/1996

Der Münchner Medienunternehmer Leo Kirch geht beim digitalen Fernsehen auf Konfrontation zur Konkurrenz. Nach monatelangen Verhandlungen blieb Kirch am vergangenen Freitag der entscheidenden Sitzung zur Gründung der Multimedia-Betriebsgesellschaft (MMBG) fern. Daraufhin beschlossen Telekom, Vebacom, Bertelsmann, CLT, RTL, Canal plus, ARD und ZDF in einem Memorandum of Understanding, in dieser Woche die MMBG zu gründen. Gleichzeitig schrieben sie einen Auftrag aus über 150 000 Decoder, die verschlüsselte digitale Signale in normale Fernsehbilder umwandeln. Die aber sind frühestens im August einsetzbar. Kirch dagegen hat nach eigenen Angaben bereits eine Million Geräte mit von ihm entwickelter Decodertechnik bestellt. Schon im Frühjahr plant Kirch den Start im digitalen Fernsehen, bei dem Programmpakete gegen Gebühr an Abonnenten vermarktet werden. Die rechtliche Grundlage liefert eine Beteiligung am Münchner Pilotprojekt, die jetzt öffentlich bis zum 23. Februar ausgeschrieben wurde. Kirch könnte dann auf einen Schlag über den Astra-Satelliten 1 E Millionen Haushalte erreichen. Seit Monaten kauft Kirch Programmrechte zusammen, um seine geplanten Kanäle für Spielfilme, Sport, Kinder, Dokumentationen und klassische Musik zu bestücken. So bietet er dem Hollywood-Studio Columbia eine Milliarde Mark für einen Exklusiv-Filmdeal. Die Vermarktung der Decoder soll Kirchs Partner, der Handelsunternehmer Otto Beisheim, über Kaufhof, Media Markt und Vobis übernehmen.

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