Einzelhandel Umweltministerin Schulze will Plastiktüten verbieten

Seit einigen Jahren sinkt der Verbrauch von Plastiktüten deutlich. Umweltministerin Svenja Schulze will Tüten nun endgültig untersagen - obwohl sie weniger als ein Prozent der Plastikverpackungen ausmachen.

Besser weg damit: Umweltministerium arbeitet an einem Tütenverbot
Ralph Peters/ imago images

Besser weg damit: Umweltministerium arbeitet an einem Tütenverbot


Bundesumweltministerin Svenja Schulze will ein Verbot von Plastiktüten in Angriff nehmen. "Mein Ministerium erarbeitet gerade die gesetzliche Regelung für ein Plastiktütenverbot", sagte die SPD-Politikerin der "Bild am Sonntag". Eine freiwillige Vereinbarung mit dem Handel zur Verringerung der Tüten sei bereits sehr erfolgreich, seit 2016 sinke der Verbrauch deutlich. "Das sichern wir jetzt mit dem Verbot ab", so Schulze. Das Ministerium wolle den Gesetzentwurf "in Kürze" vorlegen, ergänzte ein Sprecher.

Ministeriumssprecher Stephan Haufe bestätigte den Vorstoß am Sonntag auf Twitter und verwies auf Zahlen, wonach 2018 zwei Milliarden Kunststofftragetaschen an den Kassen ausgegeben worden seien. Das entspreche 24 Taschen pro Einwohner im Jahr. Im Vergleich zu 2015 sei der Verbrauch um 64 Prozent zurückgegangen.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte Ende Juli angekündigt, eine Bundesratsinitiative für ein deutschlandweites Plastiktütenverbot zu starten. Schulze hatte einen solchen Schritt bisher skeptisch gesehen; sie argumentierte, gesetzliche Bestimmungen nähmen mehr Zeit in Anspruch als freiwillige Schritte.

Noch im Frühjahr hatte ein Sprecher des Umweltministeriums gesagt, bei den Plastiktüten gehe es "im Grunde genommen um Peanuts": Sie machten weniger als ein Prozent des Verpackungsaufkommens aus Kunststoff aus.

Klassische Plastiktüten an der Kasse kosten inzwischen in sehr vielen Supermärkten etwas - dazu hat das Umweltministerium eine freiwillige Selbstverpflichtung mit dem Handel vereinbart. Auch andere Verpackungen wie die sogenannten Hemdchenbeutel oder auch Plastikfolien um Gurken und andere Früchte sollen zurückgedrängt werden. Schulze will im Herbst eine weitere Vereinbarung mit dem Handel schließen, die vor allem bei Obst und Gemüse für weniger Verpackungen sorgen soll.

cpa/dpa



insgesamt 103 Beiträge
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Seite 1
tomasl 11.08.2019
1. Auf Jamaika fand ich Strände & Strassen mit Plastiktüten vermüllt
höchste Zeit diesen Unfug zu stoppen
zeroo_ 11.08.2019
2. einscannbare Pfandbecher statt Einweg To Go Becher
Insgesamt muss weniger Müll entstehen, auch bei den To Go Bechern. Da muss man alle verpflichten wiederverwendbare Pfandbecher anzubieten. Das würde auch bei Kaffeeautomaten funktionieren, wenn die automatisch den Pfandbecher erkennen würden. Nur teurer machen, wie letztens politisch vorgeschlagen, reicht nicht. Es geht um einen Systemwechsel. Wenn nur noch wiederverwendbare Pfandbecher, die einscannbar sind, verwendet werden und die dann zurückgebracht werden enststeht der Müll erst garnicht. Auch kann man beim Eis besser ein Hörnchen als einen Becher nehmen, dann produziert man keinen Müll. Bei den überquillenden Mülleimer mit Plastikschalen aus den zahlreichen Imbissbuden muss man sich etwas überlegen. Mehrweggeschirr in der Gastronomie könnte die Umweltverschmutzung zukünftig eindämmen. Genauso wie der ganze Müll der beim Essen bei MC Donalds produziert wird, muss radikal eingedämmt werden. Hierzu muss der Gesetzgeber tätig werden.
kumi-ori 11.08.2019
3.
Da bin ich sehr dafür. Aber ich will auch eine hygienische Alternative. Mein Vorschlag wäre, dass die Zahl der verwendeten Materialien bis auf ganz wenige wohlbgründete Ausnahmen (z. B. sterile Medizinprodukte) auf zwei oder drei begrenzt wird, Verbundmaterialen verboten werden und die Materialien gekennzeichnet und getrennt gesammelt werden. So erhält man sortenreine Recyclingmaterialien. Für Fett- und Eiweiß-haltige Substanzen muss ein Material gefunden werden, dass hygienisch, sicher und gleichzeitig rückstandslos abbaubar ist. Hier müsste wohl von politischer Seite eine Initiative gestartet werden, denn Mangels Incentive wird es keine Anstrengungen der Industrie dazu geben.
zeroo_ 11.08.2019
4. Unternehmen zu weniger Müll u. Recycling verpflichten
Seit Jahrzehnten sammeln in Deutschland Bürger für den grünen Punkt, um so zum Recycling beizutragen und die Umwelt zu schonen. Doch die Politik setzt Gesetze garnicht richtig um. Denn ein grosser Teil des grünen Punktes wird einfach verbrannt. Dabei ist Recycling möglich. Nach den anfänglichen Investitionen wird das Recycling auch für die Unternehmen günstiger. Das Problem ist aber, dass die Politik Recycling nicht verpflichtend gemacht hat. Ganz Deutschland sammelt, Politiker reden in der Öffentlichkeit von Umweltschutz, doch die Realität was dann in den Unternehmen umgesetzt wird ist eine ganz andere. Ganz Deutschland sammelt ohne die erhoffte Wirkung zu erzielen. Die Unternehmen müssen verpflichtet werden recyclingfähiges Material einzusetzen und auch wiederzuverwenden. Insgesamt muss der Müll und Verpackungen reduziert werden. Nur über Strohhalme oder Tüten zu reden ist noch kein Konzept.
zeroo_ 11.08.2019
5. Gesetze gegen Mikroplastik in Kosmetik und Putzmitteln
Sämtliche Verpackungen im Supermarkt müssen überarbeitet werden und nur noch wiederverwendbare und sortierbare Materialien eingesetzt werden. Styroporverpackungen von Geräten müssen umgestellt werden auf Verpackungen aus Karton Formschalen. Wichtig ist auch das grundsätzliche Reduzieren der Müllmengen. Jedes Produkt muss hinterfragt werden, wo Plastik wegfallen oder ersetzt werden kann, ob eingeschweißte Teebeutel oder Kekse, viel unnötiges Plastik muss weniger werden. Ein weiteres Problem ist auch immer noch Mikroplastik. Duschgel, Peeling, Lippenstift: In vielen Kosmetikprodukten und Putzmitteln steckt noch immer Mikroplastik. Die winzigen Plastikpartikel gelangen per Abwasser in die Umwelt und richten dort unabsehbare Schäden an. Hier müssen die Hersteller verpflichtet werden, kein Mikroplastik mehr einzusetzen. Eine Selbstverpflichtung reicht hier nicht.
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