Playboy-Krise Zwei Manager müssen gehen

Der "Playboy" hat seine Vitalität verloren. Mit hohen Investitionen im Online-Bereich versucht Playboy-Chefin Christie Hefner gegenzusteuern - und mit hartem Durchgreifen im obersten Management.


Gründer Hugh Hefner und Playmates: Die Libido der Fans lässt langsam nach
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Gründer Hugh Hefner und Playmates: Die Libido der Fans lässt langsam nach

Wie Playboy Enterprises am Abend mitteilte, werden sowohl der Präsident der Printgruppe Alex Mironovich als auch die Herausgeberin des Magazins, Gail Day, das Unternehmen infolge einer Umstrukturierung verlassen. Die Ämter übernimmt ab Montag Michael Carr, der schon In den achtziger Jahren beim Playboy arbeitete. "Wir glauben, dass die neue Organisationsstruktur das Gewinnwachstum verbessert und gleichzeitig die Gesamtkosten der Gruppe schmälert", begründete Unternehmenschefin Hefner den radikalen Schnitt.

In der Chefetage des "Playboy" rauchten zuletzt die Köpfe. Die Krise des amerikanischen Männermagazin-Imperiums hat inzwischen bedrohliche Ausmaße angenommen. Über die Jahre hinweg konnten exklusive Clubs, Kasinos und Lizenzprodukte die sinkende Auflage des Magazins kompensieren. Doch nun, so scheint es, lässt bei den "Playboy"-Fans die Libido langsam nach. Der Laden wird alt, konservativ und grau.

Allein im Jahr 2000 wird ein Verlust von 25 Millionen Dollar erwartet. Der Gewinn aus dem sonst so profitablen Bereich Fernsehen und Video ging von gut 44 Millionen Dollar im letzten Jahr auf magere 18,5 Millionen Dollar zurück. Die Reaktion der Anleger folgte prompt: Die "Playboy"-Aktie verlor rund 60 Prozent ihres Wertes.

"Playboy"-Chefin Hefner versucht gegenzulenken, indem sie voll auf die elektronischen Medien setzt. Allein in diesem Jahr steckte die Erbin des legendären Gründers Hugh Hefner rund 25 Millionen Dollar in die Internetseite Playboy.com. "Wir werden unser Geld in Zukunft hauptsächlich in diesen Medien verdienen. Sie bringen viel höhere Margen", gibt sich Hefner überzeugt.

Indes bleiben die Investoren skeptisch. Im letzten Jahr verlor das Unternehmen mehr als neun Millionen Dollar bei seinen Internetabenteuern, für 2000 werden sogar über 24 Millionen Dollar Verlust erwartet. Und das, obwohl nach Schätzung von Experten 35 Prozent aller E-Commerce-Umsätze im Erotikbereich verbucht werden. Die Konkurrenz ist eben hart in diesem Geschäft und so viel nackte Haut wie der "Playboy" zeigen sie allemal.

Mark Boyar, Präsident der New Yorker Vermögensverwaltung Boyar Asset Management, bringt es auf den Punkt: "Die Familie ist extrem konservativ." Nur ein reicher, aggressiver Verleger vom Schlage eines Rupert Murdoch könne den "Playboy" aus der Krise führen.





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