Pleitegefahr Lufthansa prüft Kredite für gefallene Stars

Während sich die Lufthansa rasch von der Branchenkrise erholt hat, droht zweien ihrer Partner im Bündnis Star Alliance der Bankrott. Offenbar sind die Deutschen deshalb bereit, kurzfristig hohe Millionenbeträge zu verleihen.


Großbündnis mit Schwachstellen: Weil United Airlines und Varig aus eigener Kraft nicht an Höhe gewinnen, greifen nun offenbar die Partner ein
DPA

Großbündnis mit Schwachstellen: Weil United Airlines und Varig aus eigener Kraft nicht an Höhe gewinnen, greifen nun offenbar die Partner ein

Frankfurt am Main - Schon seit Monaten bemüht sich der LufthansaChart zeigen-Partner United Airlines um 1,8 Milliarden Dollar staatlicher Nothilfe, bisher ist die Summe nicht geflossen. Bewilligt die nach dem 11. September eingerichtete Airline-Hilfsbehörde ATSB das Geld nicht - dann muss die United-Holding UAL wohl im Dezember Gläubigerschutz beantragen. Auch das jüngst mit den Gewerkschaften beschlossene Sanierungsprogramm, das jährlich 1,4 Milliarden Dollar einsparen soll, wird die kurzfristige Liquiditätskrise nicht beheben.

Womöglich aber werden die Lufthansa und andere Partner der Star Alliance United mit kurzfristigen Krediten aushelfen. "Es ist klar, dass man hilft, wenn ein Freund in der Klemme steckt", sagte Lufthansa-Chef Jürgen Weber bei einem Treffen der Star-Alliance-Chefs in Rio de Janeiro. Einem Bericht der "Financial Times Deutschland" ("FTD") zufolge könnte United bald 200 Millionen Dollar erhalten. Lufthansa-Sprecher wollten nicht bestätigen, aber auch nicht dementieren, dass der US-Konzern Geld von der Lufthansa bekommen könnte. Auch Air-Canada-Chef Robert Milton teilte mit, er sei grundsätzlich zu Hilfe für die kriselnden Allianz-Mitglieder bereit.

Der "FTD" zufolge könnte der brasilianische Konzern Varig Brasil, ein weiteres Gründungsmitglied der weltgrößten Luftfahrt-Allianz, ebenfalls Kredite von den stärkeren Partnern erhalten. Die Brasilianer verhandeln derzeit mit ihren Gläubigern über ein Rettungskonzept, das bis zum Monatswende beschlossen sein soll. Die Geldspritzen für United und Varig würden offenbar von den starken Partnern direkt an die schwachen überwiesen werden und nicht über die Alliance abgewickelt werden.

Im Pazifikraum droht der Allianz derweil ein Rückschlag: Die australische Fluggesellschaft Quantas, Partner der Oneworld-Allianz, will sich mit 22,5 Prozent an der Air New Zealand beteiligen. Die Neuseeländer, bisher Mitglied bei Star, könnten danach ins andere Lager wechseln. Zunächst teilte Quantas mit, man werde bis zu 272 Millionen Euro in die Air New Zealand investieren. Die neuseeländische Gesellschaft wolle aber ihre Unabhängigkeit behalten und weiterhin nationale wie internationale Flüge anbieten, so ihr Chef John Palmer am Montag.



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