Pleiten-Profi als Vorstandschef Grundig stellt sich auf Insolvenz ein

Für das Traditionsunternehmen Grundig wird die Luft immer dünner. Nachdem am Montag der zweite Großinvestor in Folge abgesprungen ist, soll der Insolvenzexperte Eberhard Braun nun versuchen, einen Geldgeber aufzutreiben.


Nürnberg - Der Aufsichtsrat ernannte Braun am Dienstag zum Vorstandssprecher. Braun war unter anderem Insolvenzverwalter bei Fairchild Dornier. Der bisherige Vorstandsvorsitzende Hans-Peter Kohlhammer verlässt das Gremium. Unternehmenssprecher Holm Kilbert sagte, die so genannte Insolvenz in Eigenverwaltung sei eine der Möglichkeiten, die derzeit überlegt würden. Bei diesem Verfahren wird das Management von einem Sachwalter kontrolliert, hat aber größeren operativen Spielraum.

Grundig-Fernseher: Keiner will die Traditionsmarke
DPA

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Es bestünden trotz des Rückzugs der Türken aussichtsreiche Kontakte zu weiteren Interessenten, hieß es in einer Pressemitteilung. Der Vorstand werde das Ziel weiterverfolgen, den technologischen Kern des Unternehmens und seiner wichtigen Tochtergesellschaften zu erhalten. Dagegen stehen aber nach Informationen von manager-magazin.de Belastungen in dreistelliger Millionenhöhe durch Pensionsverpflichtungen und eine alarmierend niedrige Eigenkapitalquote von 4,6 Prozent in einem schrumpfenden Markt: "Die Rahmendaten bei Grundig weisen den Weg in die Abwicklung", schreibt der Autor.

Nach dem Abbruch der Verhandlungen mit Beko zu Anfang der Woche schien eine Insolvenz unausweichlich. Vor wenigen Wochen war bereits die Übernahme durch den taiwanesischen Sampo-Konzern gescheitert. Hauptaktionär von Grundig ist der Rosenheimer Antennenhersteller Anton Kathrein.

Kathrein hatte die Traditionsfirma 1999 vor dem Aus gerettet. Trotz umfangreicher Restrukturierungen mit dem Abbau von 1300 Stellen hatte Grundig 2001 erneut 150 Millionen Euro Verlust gemacht.

Unterdessen sagte der Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly dem Bayerischen Rundfunk, die Stadt, der Freistaat und die Bundesanstalt für Arbeit stünden für Hilfe bereit. Die Stadt könne aber keinesfalls das Unternehmen in eigener Regie weiter betreiben und die verbliebenen 1400 Grundig-Mitarbeiter beschäftigen.

"Eine Kriseninterventionstruppe im Wirtschaftsreferat steht Gewehr bei Fuß, die Landesanstalt für Aufbaufinanzierung sitzt mit am Tisch, aber ich will keine Hoffnungen wecken, die man nicht erfüllen kann", sagte Maly.



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