Finanzaffäre um IWF-Chefin Polizei nimmt Lagardes Ex-Bürochef in Gewahrsam

In der Affäre um den Sportkonzern Adidas und mögliche politische Einflussnahme hat die französische Polizei Stéphane Richard in Gewahrsam genommen, den Büroleiter von IWF-Chefin Christine Lagarde in ihrer Zeit als Finanzministerin. Richard ist heute Chef des französischen Telefonkonzerns Orange.

Orange-Chef Richard: Ex-Bürochef von Christine Lagarde in Polizeigewahrsam
AFP

Orange-Chef Richard: Ex-Bürochef von Christine Lagarde in Polizeigewahrsam


Paris - Im Zusammenhang mit einer Finanzaffäre um IWF-Chefin Christine Lagarde ist deren einstiger Bürochef aus ihrer Zeit als französische Finanzministerin in Polizeigewahrsam genommen worden. Es handelt sich um den derzeitigen Chef des Telefonkonzerns Orange, Stéphane Richard, wie am Montag aus Justizkreisen in Paris verlautete. Außerdem wurde Jean-François Rocchi in Polizeigewahrsam verhört, der damals Chef der Finanzgesellschaft CDR war, die eine zentrale Rolle in der Affäre spielte.

In der Affäre geht es um umstrittene staatliche Entschädigungszahlungen an den Geschäftsmann Bernard Tapie nach dem Verkauf des deutschen Sportartikelherstellers Adidas im Jahr 1993. Tapie hatte das Unternehmen an eine Investorengruppe verkauft, an der auch die damals staatliche Bank Crédit Lyonnais beteiligt war. Tapie, der im folgenden Jahr Privatinsolvenz anmelden musste, warf der Bank vor, ihn bei dem Geschäft übervorteilt zu haben, und klagte auf Entschädigung. Um den jahrelangen Rechtsstreit zu beenden, rief die damalige französische Finanzministerin Lagarde 2007 ein Schiedsgericht an, das Tapie schließlich Schadensersatz in Höhe von 285 Millionen Euro - mit Zinsen rund 400 Millionen Euro - zusprach.

Umstritten ist die Anrufung des privaten Schiedsgerichts wie auch Lagardes Entscheidung, gegen den Schiedsspruch keinen Widerspruch einzulegen, obwohl ihr Experten dazu rieten. Seit August 2011 laufen gegen Lagarde erste Ermittlungen wegen "Beihilfe zur Fälschung" und "Beihilfe zur Veruntreuung öffentlicher Gelder".

Einem formellen Ermittlungsverfahren war Lagarde Ende Mai entgangen; die Chefin des Internationalen Währungfonds wurde als "Zeugin mit Rechtsbeistand" eingestuft - eine Art "Zwitterstatus" zwischen Beschuldigtem und Zeugen. Die Ermittler haben allerdings den Verdacht, dass Tapie eine Vorzugsbehandlung erhielt, weil er den Konservativen Nicolas Sarkozy im Präsidentschaftswahlkampf 2007 unterstützt hatte.

Orange-Chef Richard hatte erst kürzlich versichert, dass es "weder Anordnung, noch Anleitung, noch besonderen Druck" aus dem Elysée-Palast von Sarkozy in dem Fall gegeben habe. Er habe sich zwar im Sommer 2007 mit dem Generalsekretär des Elysée-Palastes und Sarkozy-Vertrauten Claude Guéant sowie Rocchi wegen des Schiedsspruchs getroffen. Dabei sei festgestellt worden, dass der Schiedsspruch die "beste Lösung" sei, sagte Richard der Nachrichtenagentur AFP. Alle seien sich damals über das Schiedsverfahren einig gewesen.

Ein Sprecher des Telefonkonzerns Orange, der derzeit auch noch unter dem Namen France Télécom firmiert, teilte am Montag mit, Richard bleibe trotz des Polizeigewahrsams an der Spitze des Unternehmens.

nck/AFP

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gesell7890 10.06.2013
1. die iwf-
dame scheint ja auch fehleranfällig zu sein. ob sie ihre ausfälle auch selbst zahlt?
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